Experten erläutern

Warum Waldeck-Frankenberger Bauern jetzt Gülle ausbringen

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Streifenförmige Gülleausbringung mit Schleppschuhverteiler auf einem Weizenfeld im Frühjahr: Durch Schläuche mit schmalen Auslässen gelangt die Gülle als dünnes Band direkt auf den Boden zwischen den Weizenpflanzen. Durch den geringeren Kontakt der Gülle mit der Luft entsteht deutlich weniger Ammoniak und damit Geruch als bei herkömmlicher Technik. Auf dem Foto links im Detail der Schleppschuhverteiler.

Landwirte in Waldeck-Frankenberg bringen in diesen Tagen Gülle auf ihren Flächen aus.  Dr. Matthias Peter von der „Schnittstelle Boden“ erläutert, warum das notwendig ist.

Agrar- und Grundwasserexperte Dr. Matthias Peter von der „Schnittstelle Boden“ verweist darauf, dass exakt für die aktuelle Jahreszeit das Ausbringen von Dünger angezeigt ist. In Kooperation mit den Höfen und Wasserversorgern hilft die „Schnittstelle Boden“ seit Jahrzehnten bei Projekten in Trinkwasserschutzgebieten im Landkreis, die Nitratbelastung im Grundwasser zu senken: durch zielgenaues und bedarfsgerechtes Düngen auf wissenschaftlicher Grundlage.

„Düngen ist notwendig und zum jetzigen Zeitpunkt optimal, denn die Pflanzen benötigen Nährstoffe für ihr Wachstum“, betont Peter. „Entgegen der vorherrschenden Meinung ist Gülle nicht per se eine Gefahr für das Grundwasser“, fügt er hinzu. Auf die richtige Menge und den Zeitpunkt der Ausbringung komme es an.

Gülle versorgt Pflanzen mit Nährstoffen

Wie der Mensch auch, so scheiden Nutztiere Unverdautes wieder aus. Gülle bildet eine Mischung aus Kot, Harn, Futterresten und Stroh aus dem Stall, die Pflanzen mit Nährstoffen versorgt. Nachschub, ohne den sie nicht wachsen. Hauptsächlich sind das Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium. Hinzu kommen viele andere Spurenelemente. Wird beispielsweise im August das Korn für die Brotherstellung geerntet, werden auch die darin gespeicherten Nährstoffe vom Acker entfernt.

Auf die Fläche betrachtet fällt dieser Nährstoffentzug beträchtlich aus, weshalb die Landwirte entsprechende Mengen an Düngemitteln einsetzen müssen, um den Nährstoffvorrat im Boden wieder aufzufüllen. Der Boden wäre anderenfalls irgendwann ausgeschöpft und nicht mehr für die Nahrungsmittelproduktion nutzbar. Da sämtliche Nährstoffe fürs Pflanzenwachstum in den Ausscheidungen der Tiere enthalten sind, ist Gülle ein wertvolles und ausgewogenes Düngemittel, erläutert Peter weiter.

Wegen dieser positiven Wirkung setzen Menschen seit Jahrtausenden tierische Ausscheidungen als Dünger ein. Nährstoffe rotieren dabei zwischen Stall und Feld in einem Kreislauf und gehen nicht ungenutzt verloren.

Ohne Gülle muss industrieller Dünger benutzt werden

Wo jedoch keine sogenannten Wirtschaftsdünger zur Verfügung stehen, müssen dem Boden entzogene Nährstoffe durch industriell hergestellte Dünger wieder aufgefüllt werden. Stickstoffdünger werden dabei unter extrem hohem Energieverbrauch aus dem in der Luft enthaltenen Stickstoff hergestellt. Und Phosphor-, Kalium- und Magnesiumdünger sind Bergbauprodukte aus dem Abbau endlicher Rohstoffquellen. Damit die Pflanzen die Nährstoffe optimal für ihr Wachstum nutzen können, ist der Zeitpunkt der Gülleausbringung ausschlaggebend, betont Matthias Peter.

Kulturen wie Raps, Weizen und Gerste, die im Herbst gesät wurden, beenden den Winterschlaf und brauchen Nährstoffe. Die Aussaat der Sommerfrüchte wie Hafer, Braugerste, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln schließt sich nach und nach an inklusive Düngung.

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