Europäische Union führt neues Energieeffizienzlabel für Heizungstechnik ein

Von der Waschmaschine lernen

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Alle Heizungen sollen über kurz oder lang ein Energieeffizienzlabel bekommen. Für neue Heizungen gilt ab heute eine Kennzeichnungspflicht.Fotos: Archiv

Waldeck-Frankenberg - Auf Kühlschränken und Waschmaschinen gehört das grüne A längst zum guten Ton. Ab Samstag gilt auch für Heizungen eine Kennzeichnungspflicht. Das neue Label soll über die Energieeffizienz Auskunft geben.

Wie effizient arbeitet eine Heizung? Das soll der Verbraucher künftig auf den ersten Blick sehen. Deswegen hat die Europäische Union eine neue Kennzeichnung eingeführt, die ab morgen alle neuen Heizungen tragen müssen.

Das Prinzip ist bekannt, denn die EU hat es bei Waschmaschinen und Kühlschränken vorgemacht: Bekommt ein Gerät ein A++, arbeitet es besonders energieeffizient, ein rotes G signalisiert deutlichen Verbesserungsbedarf. In den Spitzenbereichen A+ und A++ sind Kraft-Wärme-Kopplungs-Anlagen (KWK), Wärmepumpen und andere erneuerbare Energiequellen wie Solarthermie oder Biogas enthalten. Die Klassen A bis G decken Heizkessel mit fossilen Brennstoffen ab. 2019 kommt die Klasse A+++ hinzu, G entfällt.

Während neue Heizungsanlagen und ihre Komponenten schon ab heute nicht mehr ohne die Kennzeichnung auskommen, sollen nach und nach auch ältere Heizungen das Label erhalten. Ab 1. Januar 2016 gilt es auch für alte Geräte - allerdings nur, wenn sie gasförmige und flüssige Brennstoffe nutzen und nur für Wärmeerzeuger bis einschließlich Baujahr 1986.

Problembewusstsein schaffen

Ab 2024 sollen alle Anlagen ein entsprechendes Siegel erhalten. Schornsteinfeger, Heizungsinstallateure und Gebäudeenergieberater des Handwerks sind berechtigt, das Etikett anzubringen.

Ob die Heizungsindustrie wie Viessmann oder das Heizungshandwerk: Die neue Kennzeichnung wird begrüßt. „Damit will der Gesetzgeber Hausbesitzern Hilfe bei der Entscheidung für eine energieeffiziente neue Heizung leisten“, sagt Walter Scriba, Obermeister der Handwerker im Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnikbereich in Waldeck-Frankenberg.

Und was bedeutet das in der Praxis? „Hersteller liefern ihre Wärmeerzeuger und Warmwasserbereiter mit dem Label und einem zusätzlichen Datenblatt“, erklärt Scriba, „und sowohl in Anzeigen als auch in Prospekten und im Internet muss die Effizienzklasse angegeben werden.“

Mit der Kennzeichnung alter Heizungen ab 2016 soll noch ein anderer Effekt entstehen: „Von den 20 Millionen Heizungsanlagen in Deutschland sind mindestens 75 Prozent modernisierungsbedürftig“, sagt Scriba, „das wissen viele aber nicht. Das Siegel schafft dann ein Problembewusstsein und motiviert zum Austausch.“

Verbundlabel für die komplette Anlage

Weil hinter der Funktion der Heizung eine wesentlich aufwendigere Technik steckt als etwa hinter Waschmaschinen oder Kühlschränken, wird es zum Produktlabel zusätzlich ein Verbundlabel geben. „Ganz verschiedene Komponenten wie Heizkessel, Regelung oder Warmwasserspeicher beeinflussen die Effizienz der Gesamtanlage“, erklärt Scriba, „das Verbundlabel gibt Aufschluss darüber, wie diese Komponenten aufeinander abgestimmt sind.“ Funktioniert die Zusammenarbeit gut, kann die Kennzeichnung für den Verbund auch mal besser ausfallen als für die einzelnen Produkte.

Das Verbundsiegel stellt die ausführende Heizungsfachfirma aus, wenn das System aus einer Hand geliefert wird, übernimmt das gleich der Hersteller.

Die Anbringung der Labels ist übrigens kostenfrei. Es soll aber nicht als Akquiseinstrument missbraucht werden, informiert die Energieagentur NRW. Deswegen dürfen die Etiketten nur angebracht werden, wenn der Aussteller mit dem Eigentümer ohnehin in Sachen Heizgeräte oder energetische Sanierung zusammenarbeitet - oder wenn er vom Eigentümer mit der Untersuchung der Heizgeräte beauftragt worden ist.

Von Theresa Demski

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