Waldeck-Frankenberg

Wegbereiter auf steinigen Pfaden

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- Waldeck-Frankenberg (resa). Auf den ersten Blick ein Stück Wald, auf den zweiten einer der wertvollsten Flecken Erde der Welt: Mit der Aufnahme in das Weltnaturerbe hat die Unesco den Nationalpark Kellerwald-Edersee geadelt. Ein Rückblick auf stürmische Zeiten.

Sie waren einsame Streiter für den Buchenwald, diskutierten mit der Politik und konsequenten Gegnern und begeisterten am Ende mit einer Idee, die Nationalpark hieß – mit der Aufnahme des Nationalparks in das Weltnaturerbe haben sie ihr Ziel erreicht. WLZ-FZ luden die Vordenker und Väter des Erfolgs des Nationalparks zum Gespräch ein. Drei waren in Urlaub oder verhindert, einer kam und erinnerte sich an stürmische Zeiten: Norbert Panek.

Viele Stunden und viel Energie haben er und die Mitstreiter in den vergangenen 20 Jahren in den Nationalpark investiert. „Wir dachten damals, es wäre ganz einfach, es ginge nur um eine Unterschrift, um unsere Buchenwälder zu schützen“, erinnert sich Panek, „aber wir hatten uns geirrt“. Sein Leben lang hatte der Berliner sich vor allem in der Natur zu Hause gefühlt. „Ich kam aus der großen Stadt und wir Jungs hatten uns schon dort grüne Oasen gesucht.“ Die Liebe zur Natur war es dann auch, die ihn erst Landschaftsgärtner lernen und dann Landespflege studieren ließ. „Eigentlich wollte ich Förster werden“, sagt er, „aber das war in Berlin nicht möglich“.

Als er 1978 nach Korbach kam, war der Weg in die Buchenwälder nicht weit. „Ich wusste, es lohnt sich, diese Gebiete zu schützen und zu erhalten.“ Und diesen Gedanken hatten in Wal­deck-Frankenberg auch andere gehabt: Achim Frede, Carsten Wittern, Rolf Angersbach, Armin Bürgel und eben Norbert Panek gründeten 1992 den Verein „Pro Nationalpark“ – bereits zwei Jahre zuvor hatten sie eine Initiative gegründet.

„Was dann geschah, hatten wir nicht erwartet“, sagt Panek. Viele Jäger und Landwirte seien Sturm gelaufen und die Politik hielt sich zurück. „Das Land betonte, die Region müsse selbst entscheiden, ob sie einen Nationalpark will oder nicht“, erzählt Panek. 1994 formierten sich in Armsfeld die Gegner des Nationalparks in einem Verein. „Der Forst wollte das Land nicht aus der Nutzung nehmen, die Jäger wollten weiter jagen, die Landwirte hatten Sorge, dass ihre Nutzflächen rund um das Gebiet beeinflusst würden“, fasst Panek die Bedenken zusammen, „und viele Naturschutzverbände sorgten sich um die Artenvielfalt.“ Gegen die Ängste sei mit sachlichen Argumenten niemand angekommen. „Die anliegenden Kommunen haben unseren Verein aber finanziell unterstützt“, sagt Panek heute, „das durfte damals aber nicht öffentlich werden“.

Es schien wie ein Kampf von David gegen Goliath. „Ich glaube schon, dass es damals viele Menschen gab, die den Nationalpark wollten, die Gegner aber waren lauter“, sagt er. Mit sieben Buchenfreunden hatte der Verein 1992 angefangen, sechs Jahre später waren es rund 70. Zwei Bürgerentscheide hatten den Gegnern den Rücken gestärkt, bevor Jörg Hahn aus Harbshausen die „Bewegung Nationalpark“ ins Leben rief und rund 12 000 Unterschriften für das höchste Schutzsiegel sammelte. „Aber dann kam die Landtagswahl“, erinnert sich Norbert Panek, „und mit ihr die Ernüchterung“.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Donnerstag, 30.Juni

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