Es fehle an Qualität und Quantität

Wegen Finanzkrise und Studium: Banken haben weniger Bewerber als früher

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Im zweiten Lehrjahr: Nicole Bruch (links) – hier im Gespräch mit Ausbilderin Herta Tropper – macht eine Ausbildung bei der Spar- und Kreditbank in Gemünden.

Waldeck-Frankenberg – Der Bankkaufmann hat offenbar sein gutes Image als solider und erstrebenswerter Beruf eingebüßt: Ausbildungsplätze bei den Banken und Sparkassen in unserer Region können zwar weiterhin besetzt werden, die Zahl der Bewerber hat in den vergangenen Jahren aber deutlich abgenommen.

Die Frankenberger Bank hatte vor 15 Jahren noch 50 Bewerber pro Jahr, jetzt noch fünf bis zehn. Bei der Sparkasse Waldeck-Frankenberg sank die Bewerberzahl in den vergangenen fünf Jahren aus dem dreistelligen Bereich auf etwa 50. „Sowohl Quantität als auch Qualität der Bewerber haben abgenommen“, bestätigt Herta Tropper von der Spar- und Kreditbank in Gemünden.

Die Bankkaufleute führen das gesunkene Interesse an ihrem Beruf zum einen auf die Finanzkrise vor gut zehn Jahren zurück. „Das Image des Kreditgewerbes hat dadurch sicherlich Schaden genommen“, sagt Gert Gläser, Vorstand der Sparkasse Battenberg. Und das, wie Dirk Paulus von der Frankenberger Bank betont, obwohl die Sparkassen und Genossenschaftsbanken die Krise gar nicht verursacht hätten.

Zum anderen würden sich immer mehr Schulabgänger für ein duales Studium statt für eine klassische Ausbildung entscheiden. „Wir konkurrieren nicht mit anderen Ausbildungsberufen, sondern mit den Hochschulen“, sagt Peter Rausch vom Personalmanagement der Volksbank Mittelhessen. „Dabei bieten auch wir berufsbegleitende Weiterbildungsformen an, zum Beispiel den Bachelor of Arts“, sagt Dirk Paulus von der Frankenberger Bank.

Zudem, so berichtet, Ute Weidemann von der Waldecker Bank, herrsche bei jungen Leuten zunehmend „eine fehlende berufliche Orientierung“, was man an der steigenden Zahl der Studienabbrecher unter den Bewerbern sehe. Auch die Volksbank Mittelhessen verlagert deshalb ihr Personalmarketing „immer mehr in Richtung berufserfahrene Quereinsteiger und ehemalige Studierende“, berichtet Peter Rausch.

Das Berufsbild des Bankkaufmannes und der Bankkauffrau „unterlag in den vergangenen Jahren den starken Veränderungen der Digitalisierung“, sagt Julia Schröder, Ausbildungsleiterin der Sparkasse Waldeck-Frankenberg. Durch diesen Wandel seien die Aufgaben bei der Bank „sehr anspruchsvoll und herausfordernd“, wie Peter Rausch von der Volksbank Mittelhessen sagt. Auch deshalb, so ist sich Julia Schröder sicher, „wird der Beruf bestehen bleiben“.

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