Äste können unter der Last brechen – Hochbetrieb bei Saftpressen

Wegen der Trockenheit: Bäume werfen Äpfel zu früh ab

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Zu schwer für so viele Äpfel: Dr. Norbert Clement, Pomologe und Gartenbauberater aus Marburg, zeigt einen übervollen Ast, der durch sein Gewicht droht, abzubrechen. Der Experte rät dazu, die Äste zu kürzen und somit den Baum zu entlasten.

Waldeck-Frankenberg. Apfelbäume werfen derzeit viele Früchte ab, obwohl diese noch nicht reif sind. Grund dafür ist die Hitze in den vergangenen Wochen. „Die Bäume tragen extrem stark und schaffen es wegen der Trockenheit nicht, alle Äpfel zu versorgen“, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes Frankenberg.

Zu Saft ließen sich die Früchte aber problemlos verarbeiten, erklärt Eckel.

Bei Wilfried Tripp in der mobilen Saftverarbeitung Ernsthausen herrscht deshalb Hochbetrieb. Er presst bereits seit vier Wochen Äpfel – etwa drei Wochen früher als im Vorjahr. „Wir haben eine richtige Apfelschwemme dieses Jahr“, stellt Tripp fest. Der ausbleibende Frost im Frühjahr habe dafür gesorgt, dass die meisten Obstbäume dieses Jahr so viel tragen. Trotz der Trockenheit ist der Ernsthäuser zuversichtlich, dass die Bäume selbst durch die Trockenheit keinen Schaden nehmen. „Alte Obstbäume wurzeln tief und damit nah am Grundwasser, die Bäume halten es deshalb ein paar Wochen ohne Regen aus“, erklärt Tripp.

Dr. Norbert Clement, Pomologe (Obstbaum-Fachmann) aus Marburg, sieht eine große Gefahr darin, dass die Äste aufgrund der vielen Früchte zu schwer werden und abbrechen. Dadurch könnten Wunden am Baum entstehen, die nicht mehr heilen. „Die vielen Früchte sind eine Riesenbelastung für den Baum“, sagt Clement. Es sei daher eine natürliche Schutzreaktion, die Äpfel vorzeitig abzuwerfen.

Clement sieht in der Trockenheit ein langfristiges Problem. „Wir erleben hier eines der ersten Jahre, in denen sich der Klimawandel bemerkbar macht, und das ist erst der Anfang“, sagt Clement. Prognosen zeigten, dass in den kommenden Jahren mit vergleichbaren Hitzewellen wie in diesem Jahr zu rechnen sei. Deshalb seien entsprechende Maßnahmen beim Apfelanbau nötig. 

Von Lilli Elsebach

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