Telefonaktion von WLZ und HNA mit Arbeitsagentur, IHK und Handwerk

Appell an heimische Firmen: Auch in Corona-Zeiten weiter Praktikanten nehmen

Ausbildung im Handwerk: Ein angehender Maurer verwendet bei der Arbeit auf der Baustelle eine Wasserwaage und ein Lasermessgerät. Symbol
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Ausbildung im Handwerk: Ein angehender Maurer verwendet bei der Arbeit auf der Baustelle eine Wasserwaage und ein Lasermessgerät.

In der Corona-Pandemie ist es für junge Menschen schwierig geworden, einen Praktikumsplatz zu finden.

Das ist eines der Ergebnisse aus der kreisweiten Telefonaktion zum Thema Ausbildung, die die Waldeckische Landeszeitung vergangene Woche mit der Kreishandwerkerschaft, der Agentur für Arbeit, dem IHK-Servicezentrum Waldeck-Frankenberg und der HNA Frankenberger Allgemeine durchgeführt hat.

„Viele Betriebe sind derzeit sehr zurückhaltend, wenn es darum geht, Praktikanten zu nehmen. Das ist nachvollziehbar, sie wollen ihre Belegschaft so gut wie möglich vor einer Corona-Infektion schützen“, sagt IHK-Bildungsberater Björn Duen. Er appelliert dennoch an die Firmen in Waldeck-Frankenberg, Jugendlichen Praktika anzubieten. Schnelltests seien hierbei ein geeignetes Mittel, um innerhalb des Unternehmens das Ansteckungsrisiko deutlich zu reduzieren.

Auch das Handwerk bittet Betriebe darum, in der Corona-Zeit nicht auf Praktikanten zu verzichten. „Wir haben zuletzt oft Anrufe von Lehrern heimischer Schulen erhalten, die Schwierigkeiten hatten, für ihre Schülerinnen und Schüler Praktikumsplätze zu finden. Wir leisten natürlich Unterstützung, benötigen aber auch die Bereitschaft der Unternehmen“, sagt Hans-Peter Marks von der Kreishandwerkerschaft. Er weist in diesem Zusammenhang auf eine Frage bei der Telefonaktion hin. „Jemand wollte von mir wissen, ob er mit einem guten Hauptschulabschluss überhaupt eine Chance auf einen Ausbildungsplatz habe – oder ob es besser sei, den Realabschluss nachzuholen.“ Marks‘ Antwort dazu: „Ein Hauptschulabschluss ist für viele Berufe ausreichend, wobei es in der Ausbildung vorrangig auf die Motivation ankommt. Deshalb ist ein Praktikum auch so wichtig. Dort können die Schüler und Schülerinnen zeigen, was in ihnen steckt.“ Sehr viele Hauptschüler fänden auch über diesen Weg eine Ausbildungsplatzzusage.

Hans-Peter Marks  von der Kreishandwerkerschaft

Viele Schüler wüssten zudem gar nicht, dass der Realabschluss auch berufsbegleitend gemacht werden könne. Man müsse zum Berufsschulunterricht Englischstunden und eine Prüfung absolvieren. So habe man nach bestandener Abschlussprüfung Berufsabschluss und Realabschluss zugleich – in wesentlich kürzerer Zeit.

Informationen zur Berufsausbildung

Für Waldeck-Frankenberg sind bei der Arbeitsagentur Korbach derzeit noch fast 800 unbesetzte Ausbildungsstellen für den Ausbildungsbeginn im Sommer/Herbst 2021 gemeldet, quer über alle Berufsfelder. Junge Menschen erhalten zahlreiche Informationen rund um das Thema Ausbildung unter anderem bei der IHK (ihk-kassel.de), der Kreishandwerkerschaft (khkb.de) und der Agentur für Arbeit (arbeitsagentur.de).

Beim Berufswunsch auch flexibel sein

Grundsätzlich ging es bei der Telefonaktion von WLZ, HNA, Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur und Kreishandwerkerschaft um folgende Kernfrage: Was kommt nach der Schule und welcher Berufsweg ist für mich der richtige?

Aber auch die Problematik, dass in Corona-Zeiten viele Betriebe in Waldeck-Frankenberg auf Praktikanten verzichten, spielte immer mal wieder eine Rolle. „Die Handwerkskammer Kassel hat eine neue Internetplattform ,Komm ins Team Handwerk!‘ eingerichtet. Dort kann man sich mithilfe von Videofilmen oder Textbeiträgen einerseits über einzelne Berufsbilder informieren. Bei Eingabe der Postleitzahl werden zum anderen die Betriebe aus der Nähe aufgeführt, die Ausbildungs- sowie Praktikumsstellen bereithalten“, lautete im Rahmen der Telefonaktion daher auch eine Antwort von Hans-Peter Marks von der Kreishandwerkerschaft.

Man könne sogar einen persönlichen Termin mit der Firma zu einem Telefon- oder Videochat vereinbaren. Die Berufsberatung der Agentur für Arbeit sei in solchen Fällen auch ein guter Ansprechpartner.

In den allermeisten Fällen riefen Eltern bei den drei Berufsberatern von Arbeitsagentur, IHK und Kreishandwerkerschaft an. Eine Mutter stellte folgende Frage: „Mein Sohn macht dieses Jahr seinen Realschulabschluss und ist noch auf der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Bisher gab es nur Absagen oder gar keine Antwort. Was für Alternativen gibt es? Darauf antwortete sagte Laura Tenbusch von der Agentur für Arbeit in Korbach: „Wir unterstützen auch bei der Suche nach einer Ausbildungsstelle. Dafür bietet sich ein Termin mit der Berufsberatung an, um die aktuellen Stellenangebote zu besprechen.“

Laura Tenbusch von der Agentur für Arbeit in Korbach

Es könne helfen, sich beim Berufswunsch etwas breiter aufzustellen, auch mal nach rechts und links zu schauen, welche ähnlichen Berufe in Frage kämen. „Wenn es mit einem Ausbildungsplatz nicht gleich klappt und eine weiterführende Schule nicht in Frage kommt, gibt es Überbrückungsmöglichkeiten. Das kann eine berufsvorbereitende Bildungsmaßnahme, ein Jahrespraktikum oder auch ein freiwilliges soziales oder ökologisches Jahr sein“, so Tenbusch.

„Wie finde ich den richtigen Ausbildungsplatz für mich“, lautete eine weitere Frage, die Björn Duen von der Industrie- und Handelskammer während der Telefonaktion am vergangenen Mittwoch erreichte.

 Björn Duen von der Industrie- und Handelskammer

Seine Antwort dazu: „Wenn du mehr über Ausbildungsberufe erfahren möchtest und welcher zu deinen Neigungen und Fähigkeiten passt, ist die Broschüre ,Schule – und was dann?‘ genau richtig. Diese Broschüre hilft Schülern, den richtigen Weg zu finden. Lehrern und Eltern erleichtert sie die Aufgabe, Jugendliche bei der Berufswahl zu unterstützen.“ Die Broschüre, die online auf der Seite der IHK Kassel-Marburg im Bereich „Berufsorientierung“ abzurufen ist, vermittelt laut Duen einen Überblick über Ausbildungsberufe in Industrie, Handel und Dienstleistungen.

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