Für junge Leser erklärt

Kinderarbeit bleibt ein Problem für Millionen

Zwei Mädchen, die in einem Steinbruch in Indien Kinderarbeit verrichten.
+
Schon junge Kinder müssen in indischen Steinbrüchen Felsen zerschlagen und bewegen – eine furchtbare Belastung für Knochen und Muskeln, zudem atmen sie viel Staub ein.

Am 12. Juni macht der Welttag gegen Kinderarbeit auf ein weltweites Problem aufmerksam. Jung und Alt können etwas dagegen unternehmen, auch in Korbach.

Kakaobohnen ernten, sie mit scharfen Macheten aufschlagen, vom an ihnen haftenden Gift gegen die Insekten krank werden und viel mehr durch die Gegend schleppen, als Kinderkörper auf Dauer aushalten: Millionen von Kindern in Westafrika gehen einer Arbeit nach, die schlecht für sie ist. „Und die meisten wissen nicht mal, was Schokolade ist“, erklärt Gabriele Harbecke. Und das ist nur ein Beispiel für ausbeuterische Kinderarbeit.

Gabriele und Franz Har-becke arbeiten im Korbacher Weltladen und erklären dort etwa Schulgruppen, welche Folgen die weit verbreitete Kinderarbeit für die Betroffenen hat. Gestern war der Welttag gegen Kinderarbeit, mit dem die Internationale Arbeitsorganisation auf die Probleme damit aufmerksam macht.

Babysitten, auf dem Bauernhof helfen, Nachhilfe geben: Arbeiten, die Kinder in Deutschland verrichten dürfen, sind dabei nicht das Problem. Es geht um ausbeuterische Kinderarbeit. Mehr als 150 Millionen Mädchen und Jungen arbeiten auf der Welt wegen bitterer Armut unter menschenunwürdigen oder gefährlichen Bedingungen und können deshalb die Schule nicht besuchen. Viele sind auch Schuldknechte, deren Lohn für Unterkunft und Essen drauf geht. Damit haben sie kaum eine Chance, jemals bessere Arbeit zu finden – und ihren Kindern geht es dann später nicht besser.

Diese in einem indischen Steinbruch schuftenden Jungs fotografierte der Journalist Benjamin Pütter.

So entstandene Produkte kommen auch nach Europa. Zurück zum Beispiel Schokolade: Da die Hälfte des weltweiten Kakaobedarfs aus Westafrika kommt, verwenden auch große Hersteller Rohstoffe aus Kinderarbeit, erklären Harbeckes. Ob eine Süßigkeit unter solchen Bedingungen entstanden ist, ist aber schwer festzustellen: Wenn ein Produkt sehr billig ist, sei es sehr wahrscheinlich so – was aber nicht heißt, dass teurere Sache automatisch frei davon sind.

Für Produkte mit „Fair Trade“-Siegeln wie es sie auch in den meisten Supermärkten gibt, muss hingegen nachgewiesen werden, dass sie nicht durch ausbeuterische Kinderarbeit entstanden sind – das gilt nicht nur für das Beispiel Schokolade. Und die Regierung diskutiert gerade über ein „Lieferkettengesetz“: Das würde Firmen zwingen, darauf zu achten, dass bei Rohstoff-Gewinnung und Produktion die Menschenrechte eingehalten werden – und damit auch die Kinderrechte.

Es gibt noch viel mehr Bereiche, in denen Kinder unter schlimmen Bedingungen schuften. Sie sind billig zu haben – und kleine Hände sind etwa beim Weben und Färbern billig produzierter Kleidung gefragt. Ähnlich sieht es in Bergwerken aus, in die Kinder besonders gut hineinpassen. Journalisten decken die Zustände in indischen Steinbrüchen auf: Schon die kleinsten verrichten schwerste Arbeiten, viele werden nicht älter als 25 Jahre.

Allerdings würde es nicht funktionieren, Kinderarbeit vollständig zu verbieten: Die Familien brauchen das Einkommen. Doch wenn Kinder unter vernünftigen Bedingungen arbeiten und vor allem auch Zeit für die Schule haben, ist das schon viel wert. Wenn faire Preise bezahlt werden und in Schulen und Projekte investiert wird, ist das möglich, sagt Franz Harbecke.

Kinderarbeit in Deutschland war lange Alltag

Auch in Deutschland mussten Kinder früher schuften, statt zur Schule zu gehen: „Etwa mit sechs oder sieben Jahren begann im Mittelalter für die meisten das harte Arbeitsleben“, erklärt Dr. Marion Lilienthal, Lehrerin an der Alten Landesschule: „Damit war die Kindheit beendet.“

Im Mittelalter, der Zeit bis vor gut 500 Jahren, mussten die Jungen etwa Vieh hüten, die Mädchen Wäsche waschen. „Söhne haben den Beruf ihres Vaters fortgeführt“, erklärt sie – also arbeiteten sie von klein auf mit, um ihn zu lernen. Bauernkinder, für die auf ihrem Hof kein Platz mehr war, kamen als Mägde und Knechte in andere Betriebe. Öffentliche Schulen gab es kaum, Rechnen, Schreiben und Lesen lehrten, wenn überhaupt, die Eltern. Bessere Bildung gab es nur für Kinder reicher Patrizier oder Adliger.

Ob Bergbau, Landwirtschaft oder Alltags-Arbeiten wie das Schleppen von Wasser für den Haushalt: Die Arbeiten nutzten die Körper der Menschen stark ab – was dazu beitrug, dass sie im 14. Jahrhundert im Schnitt nur rund 35 Jahre alt wurden.

Langsamen Wandel brachte erst die Neuzeit: Fabriken und Bergwerke hatten schlechte Arbeitsbedingungen, doch schränkten Gesetze schließlich ein, was Kinder machen dürfen. Nach und nach führten die deutschen Länder die Schulpflicht ein, 1919 kam sie in die Verfassung. Aber noch im vorigen Jahrhundert rückten teils ganze Schulklassen aus, um bei der Ernte zu helfen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare