Weniger Tests, mehr Besuche

Altenheimbewohner und Angehörige freuen sich über Lockerungen in der Pandemie

Können sich wieder nahe sein: Kurt und Liselotte Osterhold. Das Ehepaar, das seit 60 Jahren verheiratet ist, durfte sich im Alten- und Pflegezentrum „Haus am Nordwall“ in Korbach viele Monate lang nur eingeschränkt sehen.
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Können sich wieder nahe sein: Kurt und Liselotte Osterhold. Das Ehepaar, das seit 60 Jahren verheiratet ist, durfte sich im Alten- und Pflegezentrum „Haus am Nordwall“ in Korbach viele Monate lang nur eingeschränkt sehen.

Es ist für Bewohner und Angehörige eine große Erleichterung in der Corona-Pandemie: Am Samstag sind in den Alten- und Pflegeheimen weitere Lockerungen in Kraft getreten.

Konkret heißt das: Weniger Tests, mehr Besuche, auch der Mund-Nasenschutz darf gelegentlich abgesetzt werden. In Waldeck-Frankenberg ist die Freude darüber groß, wie eine WLZ-Umfrage in einigen Einrichtungen ergab.

„Wir spüren, wie wichtig unseren Bewohnerinnen und Bewohnern die Besuche sind und wie gut sie ihnen tun“, sagt Katrin Daffner vom Evangelischen Altenhilfezentrum Haus Victorquelle in Bad Wildungen. Die Lockerungen bedeuteten auch eine spürbare Entlastung bei den Tests. „Da 95 Prozent aller Bewohner geimpft sind und auch 70 Prozent aller Mitarbeiter, müssen die Geimpften nicht mehr getestet werden. Das geschieht nur auf Verdacht oder freiwillig“, berichtet die Einrichtungsleiterin. Unterm Strich werde so eine Menge Zeit und Schreibarbeit eingespart. „Die Lockerungen bedeuten auch, dass man langsam wieder ein Stück Normalität in den Heimalltag bekommt. Es dürfen wieder Gruppenangebote und Veranstaltungen stattfinden.“

„Die Bewohnerinnen und Bewohner genießen die Normalisierung ihres Tagesablaufes. Wichtig sind die Begegnungen im Haus mit den anderen Bewohnern, das gemeinsame Besuchen von Aktivitäten, die gemeinsame Mahlzeit. Es ist deutlich wahrnehmbar, dass die vergangenen Monate seit März 2020 für die Bewohner eine schwere Zeit waren“, sagt Pfarrer Oswald Beuthert, Vorsteher des Waldeckschen Diakonissenhauses Sophienheim (WDS) in Bad Arolsen.

Oswald Beuthert vom Waldeckschen Diakonissenhaus in Bad Arolsen

Claudia Schneider vom Alten- und Pflegeheim „Haus am Nordwall“ in Korbach spricht von einem „sehr positiven Gefühl“. Vor allem die von den Lockerungen profitierenden Personen seien froh über die entfallenden Testungen, die auch eine höhere Flexibilität bei den Besuchszeiten mit sich brächten. „Die Lockerungen sorgen insgesamt für eine entspanntere Atmosphäre.“ Das bestätigt auch Kurt Osterhold. Der 93-Jährige darf wieder ohne zeitliche Befristung und so oft er möchte seine Frau im Haus am Nordwall besuchen. „Das hat mir gefehlt. Als die Besuche verboten waren, war das wirklich hart.“

Kurt Osterhold (93) aus Korbach. Er darf seine Frau wieder uneingeschränkt besuchen.

Auch im neuen DRK-Seniorenzentrum in Frankenberg müssen durchgeimpfte Angehörige nicht mehr getestet werden. Zur Eröffnung der Einrichtung am 1. Mai wurde ein Tester eingestellt, der an fünf Tagen in der Woche alle Besucher und Mitarbeiter zwischen 11 und 15 Uhr testet. „Wir wollen es den bislang nicht oder nur einmal geimpften Angehörigen so einfach wie möglich machen“, so Einrichtungsleiterin Sabine Patounis.

„Kann jetzt auch spontan vorbeischauen“

Im Zuge des ersten Corona-Lockdowns vor etwas mehr als einem Jahr durfte Kurt Osterhold gar nicht mehr kommen. Einige Wochen später waren Besuche zwar wieder erlaubt, diese fanden aber nur in einem größeren Raum und hinter einer großen Plexiglasscheibe statt.

Für den 93-Jährigen, der in aller Regel zwei Mal täglich seine pflegebedürftige Frau im „Haus am Nordwall“ in Korbach besucht, war das eine schwierige Zeit. „Viele Monate lang durfte ich Liselotte nur zwei Mal pro Woche und nie länger als eine Stunde sehen. Das war für uns beide schon traurig. Ich bin froh, dass die Besuche jetzt wieder ohne zeitliche Beschränkungen stattfinden können“, sagt der Korbacher.

Er könne sich mit seiner Frau „zwar leider nicht mehr unterhalten“. „Sie nimmt mich aber wahr. Ich versuche, immer zum Mittagessen und zur Kaffee- und Kuchenzeit da zu sein. Dann reiche ich ihr das Essen und erzähle, was alles so passiert ist“, sagt der 93-Jährige. Dass die Begegnungen im Alten- und Pflegeheim nicht mehr hinter Plexiglas und im sogenannten großen „Besucherzimmer“ stattfinden müssen, sei eine große Erleichterung. „Gemeinsam Zeit in ihrem Zimmer und damit in ihrer gewohnten Umgebung zu verbringen, ist natürlich viel schöner“, sagt Kurt Osterhold. Als Geimpfter dürfe er dort den Mund-Nasenschutz abnehmen. Außerdem entfalle für ihn die Testpflicht. Telefonisch anmelden müsse er sich für seinen Besuch ebenfalls nicht mehr. „So ist es mir auch möglich, einfach mal spontan bei meiner Frau, die natürlich auch schon längst geimpft ist, vorbeizuschauen“, sagt der 93-Jährige.

Er sei zudem froh, dass sich mit den Lockerungen auch sein Leben wieder etwas normalisiert habe. „Nicht nur die regelmäßigen Besuche bei meiner Frau sind in den vergangenen Monaten weggefallen. Ich bin in Korbach ja auch noch als Stadtführer unterwegs. Das fällt momentan flach, weil sich nicht so viele Menschen treffen dürfen. Außerdem habe ich mich mittags immer in der Kantine des Stadtkrankenhauses verpflegt und bin dort auch mal mit dem einen oder anderen ins Gespräch gekommen“, erzählt Kurt Osterhold. In die Kantine dürfe er wegen des Besuchsverbots in der Klinik aktuell aber auch nicht. Die Besuche bei seiner Frau im Haus am Nordwall, die nun wieder leichter und regelmäßiger stattfinden dürfen, seien daher ein wichtiger und vor allem schöner Schritt hin zu mehr Normalität.

Geimpfte oder Genesene dürfen die Maske im Zimmer abnehmen

„Bei uns können die Bewohner nun täglich Besucher in ihrem Zimmer empfangen. Eine zeitliche Begrenzung des Besuchs ist nicht mehr vorgesehen“, teilt Claudia Schneider vom Qualitäts- und Sozialmanagement des Hauses am Nordwall in Korbach mit. Die Besucher benötigten für den Einlass den Nachweis über einen negativen Corona-Schnelltest (nicht älter als 24 Stunden) oder einen Nachweis über einen negativen PCR-Test (der Test darf maximal drei Tage zurückliegen). Wer vollständig geimpft oder genesen sei und darüber einen Nachweis vorlegen könne, dürfe auch eintreten. „Sofern ein Besucher einen Corona-Schnelltest in unserem Haus durchführen lassen möchte, ist dies nach Anmeldung zu unseren Testzeiten möglich“, fügt Claudia Schneider hinzu.

Alle Personen müssten beim Betreten des Hauses eine FFP 2- oder KN-95-Maske ohne Ausatemventil tragen. Sofern Besucher und Bewohner nachgewiesen geimpft oder genesen seien, könne auf das Tragen der Maske im Zimmer des Bewohners verzichtet werden. „Für einen Besuch bei uns ist keine Voranmeldung mehr erforderlich. Besucher kommen zu unseren Besuchszeiten an den Haupteingang und füllen dort den Covid-19-Fragebogen aus. Nach Prüfung der Einlass-Voraussetzungen und des Fragebogens können sie direkt in das Zimmer des Bewohners gehen“, so Claudia Schneider.

„Besuche werden über die Luca-App nachverfolgt“

Im Waldeckschen Diakonissenhaus Sophienheim (WDS) in Bad Arolsen setzen die Verantwortlichen voll auf die neueste Corona-Technik. „Jeder, der zu Besuch in unsere Einrichtungen kommt, wird getestet – sofern nicht eine Bescheinigung über die vollständige Impfung gegen Covid-19 oder eine Bescheinigung des Gesundheitsamtes über den Status ,Genesen’ vorgelegt wird. Die Besuche werden seit dem 10. Mai 2021 über die Luca-App nachverfolgt“, berichtet Pfarrer Oswald Beuthert, Vorsteher des Waldeckschen Diakonissenhauses Sophienheim.

Die Pandemie stellt nach Auskunft Beutherts auch weiterhin eine Arbeitsverdichtung für die Mitarbeitenden dar. Neben den Tests, die seit einigen Tagen wieder durch das eigene Personal ausgeführt werden müssten, seien die Nachverfolgung und die sehr engmaschigen Hygieneregelungen – zum Beispiel das häufige Desinfizieren bestimmter Flächen – genannt. „Von einer deutlichen Entspannung kann daher noch keine Rede sein“, sagt der WDS-Vorsteher.

Gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern genieße man derzeit die nun möglich gewordenen Lockerungen. „Wie sich Mutationen auf das Infektionsgeschehen auswirken, lässt sich allerdings nur schwer sagen. Hier sehen wir die größte Gefahr, dass Lockerungen wieder zurück genommen werden können. Ein komplettes Schließen unserer Einrichtungen, wie es in den vergangenen Monaten immer wieder der Fall war, können wir uns dagegen nicht mehr vorstellen“, so Beuthert.

Angehörige können sich auch vor Ort testen lassen

Im Evangelischen Altenhilfezentrum Haus Victorquelle in Bad Wildungen muss man sich für einen Besuchstermin telefonisch anmelden. „Es gibt aber keine festgelegten Zeiten mehr, wie lange der Besuch dauert und auch keine feste Anzahl von Besuchen“, berichtet Einrichtungsleitung Katrin Daffner. Für die Besucher gelten grundsätzlich aber die allgemeinen Regelungen zur Kontaktbeschränkung inklusive der Regelungen im Zuge der Bundesnotbremse.

In Waldeck-Frankenberg gilt aktuell Folgendes: Private Zusammenkünfte im öffentlichen oder privaten Raum sind nur zwischen Personen eines Haustandes mit einer weiteren Person aus einem anderen Hausstand möglich (Kinder bis zur Vollendung des 14. Lebensjahres werden nicht mitgezählt – auch vollständig Geimpfte und Genesene werden nicht mitgerechnet. Treffen mit mehr Menschen sind dagegen nicht erlaubt. „Am Eingang unseres Hauses wird abgefragt, ob der Besucher geimpft oder genesen ist. Dafür gibt es ein Dokument zum Ausfüllen. Der Impfnachweis oder der Genesenen-Brief muss vorgezeigt werden oder der Besucher muss ein negatives Testergebnis haben“, sagt Katrin Daffner. Der Test dürfe höchstens 24 Stunden und ein PCR-Test höchstens drei Tage alt sein. Des Weiteren bestehe für Besucher die Möglichkeit, sich in der Einrichtung montags und freitags von 9 bis 12 Uhr testen zu lassen.

Die Lockerungen sind für die Bewohner und Besucher sehr wichtig, damit der Familien- und Sozialkontakt wieder intensiviert werden kann“, betont Katrin Daffner. „Ich würde es mir persönlich sehr wünschen, dass die Lockerungen länger Bestand haben und dass es eventuell noch weitere geben wird, um die Normalität wieder zu erreichen. Aber das wird die Zeit bringen.“

Ob und wann die Lockerungen zurück genommen werden, könne sie nicht beantworten. „Dazu müsste ich einen Blick in die Glaskugel werfen“, sagt Katrin Daffner. Definitiv zurück genommen werden sie nach Auskunft der Einrichtungsleitung, wenn es zu einem Corona-Ausbruchsgeschehen im Altenhilfezentrum komme. „Damit dies nicht passiert, bitten wir alle Bewohner, Besucher und Mitarbeiter, die geltenden Regeln wie Abstand halten, Mund-Nasen-Schutz tragen, Hände desinfizieren und Lüften zu befolgen, damit wir alle gesund bleiben.“

„Mitarbeit eines Testers ist große Unterstützung“

Im neuen Seniorenzentrum des Deutschen Roten Kreuzes, DRK-Kreisverband Frankenberg, an der Bottendorfer Straße der Illerstadt könnten die Besucher durch die Testungen vor Ort jederzeit in der Einrichtung mit einem Negativtest ungehindert Besuche abstatten und sich auch in der neuen Verwaltung Informationen einholen. Dies berichtete Einrichtungsleiterin Sabine Patounis. Nach ihren weiteren Angaben hat sich das Ganze in Frankenberg inzwischen gut eingespielt, „mal abgesehen davon, dass aus meiner Warte die Impfung von Anbeginn die einzige Möglichkeit war, die Pandemie einzudämmen“.

Sabine Patounis, Leiterin des neuen DRK-Seniorenzentrums in Frankenberg.

Die bislang 30 Bewohner des neuen Seniorenzentrums an der Bottendorfer Straße „sind so gut wie zu 100 Prozent geimpft und dadurch immunisiert. Die Pflegekräfte gehen zweimal pro Woche zum Testen. Das Ganze ist eingespielt und wir haben uns alle daran gewöhnt. Auch die Masken werden brav getragen. Dies war zu Beginn äußerst schwierig“, schilderte die 55-Jährige.

Wie wichtig für die Bewohner der uneingeschränkte Besuch sei, könne sie nicht sagen. Sabine Patounis: „Mein Eindruck war dahingehend ja schon immer, dass die Bewohner gut damit zurechtkamen, wenn es Einschränkungen gab. Aber den Angehörigen ist es nach wie vor sehr wichtig, wie sich der Eintritt in eine Gemeinschaftseinrichtung während der Pandemie gestaltet. Die Mitarbeit eines Testers ist von daher unerlässlich und eine große Unterstützung.“

Die Einrichtungsleiterin hofft, dass die dritte Welle der Pandemie die letzte war. Sabine Patounis: „Schließlich bin ich positiv denkend. Ich glaube daran, dass wir nach dem Sommer so viele Menschen geimpft haben könnten, so dass der nächste Winter hoffentlich immunisiert kommen darf.“

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