Kreisverbindungskommando der Bundeswehr probt für den Katastrophenfall gemeinsam mit Hessen-Forst

Wenn der Burgwald plötzlich brennt

+
Oberstleutnant Reinhold Brückert bei der Lagebesprechung mit seinem Team des Kreisverbindungskommandos aus Waldeck-Frankenberg. Inszeniert wurde bei der Übung das Vorgehen der Bundeswehr bei Waldbränden im Burgwald und im Raum Stadtallendorf.

Waldeck-Frankenberg - Es gibt Katastrophen, bei denen Feuerwehr und das Technische Hilfswerk an ihre Grenzen stoßen. Dann kann die Bundeswehr zu Hilfe gezogen werden. Sollte so etwas in Waldeck-Frankenberg passieren, tritt eine eigene Einheit in Aktion.

In Deutschland herrschen seit Wochen Trockenheit und hohe Temperaturen. Das hessische Innenministerium hat bereits Alarmstufe 2 (außerordentlich hohe Waldbrandgefahr) ausgerufen. Dennoch entwickeln sich zwei große Brandherde - einer davon im Burgwald. Der Landkreis ruft den Katastrophenfall aus, ein Krisenstab kommt zusammen. Im Korbacher Kreishaus sitzen Landrat Dr. Reinhard Kubat, Kreisbrandinspektor Gerhard Biederbick, Katastrophenschutzbeauftragter Hans Hiemer sowie Vertreter von Polizei, Technischem Hilfswerk (THW) und Bundeswehr.

Auf alles vorbereitet sein

Solch ein Szenario kann eintreten, die Katastrophe könnte aber auch eine Überschwemmung sein. Damit die Abläufe in solch einem Fall sitzen, hat die Bundeswehr in Nord- und Mittelhessen an drei Wochenenden den Ernstfall geprobt. Seit gestern sind auch Vertreter aus Waldeck-Frankenberg auf dem Stützpunkt in Winterberg.

„Die Bundeswehr wird nur auf Antrag des Landes in solchen Fällen aktiv, und auch nur dann, wenn zivile Hilfsdienste wie Feuerwehr und THW an ihre Grenzen stoßen“, erklärt Hauptmann Matthias Tross. Er gehört dem Landeskommando Hessen an und ihm ist somit das Kreisverbindungskommando aus Waldeck-Frankenberg unterstellt (siehe Hintergrund).

Doch damit die Bundeswehr auf alle Fälle vorbereitet ist, gehört sie normalerweise schon vor der Beauftragung durch das Land dem Krisenstab an. „Denn die Wege bei der Bundeswehr sind länger als bei anderen Organisationen“, beschreibt Tross die Situation, wenn tatsächlich ein Bergepanzer nach Rosenthal rollen müsste.

Das KVK Waldeck-Frankenberg wird geführt von Oberstleutnant Reinhold Brückert. An vier Stationen mussten er und sein Team ehemaliger Soldaten ihr Können anwenden.

Dafür trainiert die Truppe mehrmals im Jahr. Auf großen Karten wurde jede Veränderung und jeder Vorfall festgehalten. So waren auf einer Straße bei Rosenthal 30 Menschen in einen Unfall verwickelt. Durch die Waldbrände war der Unfallort aber nur von einer Seite zugänglich.

Das KVK überprüft in solch einem Fall, welche Mittel die Bundeswehr zur Verfügung stellen kann. Werden Hubschrauber zum Löschen gebraucht oder Fahrzeuge zur Rettung? Müssen Notunterkünfte gestellt werden? Stellt der Landrat den Antrag auf Unterstützung, muss der Einsatz koordiniert werden - immer in Absprache mit dem Landeskommando, vor allem aber der Feuerwehr vor Ort. Ein Beispiel für den Einsatz der Bundeswehr in der „zivil-militärischen Zusammenarbeit“ war das Elbehochwasser, als Tausende Soldaten unter anderem Sandsäcke schleppten.

Eine entscheidende Rolle bei den Übungen spielte auch Hessen-Forst. Dr. Horst Gossenauer-Marohn von der Landesbetriebsleitung führte die Reservisten vorher in die Thematik ein. Denn mit 41 Forstämtern und 438 Revierförstern im Land ist Hessen-Forst bei Waldbränden mit in die örtliche Einsatzleitung eingebunden.

Das KVK im Landkreis

Über Jahre hat die Bundeswehr Standorte abgebaut und Kasernen geschlossen. Damit dennoch in jedem Landkreis im Katastrophenfall schnell gehandelt werden kann, wurden in Hessen 2007 drei Bezirks- und 26 Kreisverbindungskommandos (KVK) errichtet. Diese Teams bestehen aus normalerweise zwölf Reservisten, also ehemaligen Soldaten. In Waldeck-Frankenberg wird das KVK von Oberstleutnant Reinhold Brückert angeführt. Jeder im KVK muss auch aus dem jeweiligen Landkreis kommen. Zum Team gehören auch Sanitäter. Tritt eine Katastrophe in Waldeck-Frankenberg ein und die Hilfe der Bundeswehr wird benötigt, ist das KVK Vermittler zwischen dem Krisenstab im Landkreis und der Landesbehörde der Bundeswehr in Wiesbaden.(tt)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare