Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg im Korbacher Rathaus empfangen

Wenn die Menschen zum Konvoi kommen

+
Blicken auf 25 Jahre Konvoigruppe (v. l.): Wilfried Vogel, Landrat Dr. Reinhard Kubat, Kreistagsvorsitzende Iris Ruhwedel, Hans-Dieter Hiller, Wilfried und Marlies Müller, Wolfgang Theile, Arnold und Heide Wilke, Stadtverordnetenvorsteherin Lieselotte Hiller und Bürgermeister Klaus Friedrich.Fotos: Wilhelm Figge

Waldeck-Frankenberg - Seit 25 Jahren liefert die Konvoigruppe Hilfsgüter nach Osten. Zum Jubiläum lief es andersrum, Gutes kam zu ihnen: gern gesehene Gäste, Beispiele osteuropäischer Kultur und Auszeichnungen aus Wiesbaden.

Ein Lademeister, ein Hintergrundmann, ein Verpflegungsobmann und ein „zuverlässiges Arbeitstier“: Das sind nicht die einzigen Aufgaben, die Hans-Dieter Hiller, Wilfried Müller, Wolfgang Theile und Arnold Wilke bei der Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg erfüllen. Landrat Dr. Reinhard Kubats Aufzählung zeigt aber, wie viel Arbeit in verschiedenen Bereichen hinter einem Vierteljahrhundert Lieferungen steckt. Für die vier „zuverlässigen Stützen“ hatte der Landrat eine Anerkennung im Gepäck: Ehrenbriefe des Landes Hessen. Auch den Vorsitzenden Wilfried Vogel hat die Politik nicht vergessen: „Seine Ehrung befindet sich aber noch auf dem Postweg aus Berlin“, verriet Kubat.

Freunde, Vertreter der heimischen Politik sowie Weggefährten fanden sich zu einem Empfang im Korbacher Rathaus zusammen, um der Konvoigruppe Waldeck-Frankenberg zu ihrem Jubiläum die gebührende Anerkennung zu zeigen. „Unsere Gesellschaft braucht Menschen, die mehr tun als ihre Pflicht“, befand Bürgermeister Klaus Friedrich. Es solle selbstverständlich sein, die Augen zu öffnen und seinen persönlichen Beitrag zu leisten - die Mitglieder der Konvoigruppe täten dies. Die Dankredner berücksichtigten auch ihre Frauen, die ihre Männer in die Ungewissheit fahren ließen.

Dankbarkeit aus Zielgebieten

Einige der Redner hatten selbst weite Strecken hinter sich gebracht: Sowohl aus der russischen Region Pereslavl als auch aus dem ukrainischen Wolhynien kamen Gäste. Serhiy Martyniak, Parlamentarier in Kiew und Vorsitzender der Hilfsorganisation „Europäischer Vektor“, bedankte sich für fünf Jahre Kooperation - wenn er alles nennen wolle, wofür er dankbar sei, reiche der Abend nicht aus. Die aktuelle Situation in der Ukraine lasse derweil nicht hoffen, dass künftig keine Hilfen mehr nötig seien.

Aktiven und Sponsoren brachte er einige Stücke Ukraine mit: Bilder Wolhyniens, gestaltet mit ukrainischem Bernstein. Eine fünfköpfige Band spielte ukrainische Volksmusik, aber auch die „Modranska Polka“ des Tschechen Jaromir Vejvoda und James Lasts „Einsamer Hirte“ - die Stücke sind hierzulande auch als „Rosamunde“ und als Schlussmelodie von Tarantinos „Kill Bill“ bekannt.

Pereslavls Landrat Vladimir Denisiuk überreichte Wilfried Vogel die Ehrenurkunde seines Kreises. Auch er hinterließ Bilder seiner Heimat, mit einem schmucken Notizbuch gab er den Mitgliedern der Konvoi-gruppe Gelegenheit, ihre besten Erinnerungen festzuhalten. Für das Wort „Danke“ benötigte er keinen Übersetzer. Galyna Vedrych vom Europäischen Vektor und ihr russisches Gegenstück Tatjana Peckina schlossen sich an, Peckina lud die Gruppe nach Pereslavl ein. Kubat dankte den Gästen aus der ehemaligen Sowjetunion: „Ohne Zustimmung des russischen Volkes wäre die Wiedervereinigung niemals möglich gewesen.“ Deutsche Hilfe sei auch eine Reaktion darauf gewesen, es bleibe eine alte Freundschaft. „Die Zeiten, in denen Deutschland und Russland ihre Gemeinsamkeiten entdeckt und in den Vordergrund gerückt haben, waren die glücklichsten unserer Geschichte.“

Viele Helfer in 25 Jahren

Wilfried Vogel dankte vielen Wegbegleitern: Burkhart Fleige von den westfälischen Landeskliniken etwa, der viel Krankenhausmaterial für die Konvois organisierte. Ebenso Eberhard Neurath und Fritz Saure vom Immobilienverwaltungsamt, welche die Lagerung ermöglichten. Und seiner ehemaligen Chefin Gertrud Geisler-Brandt, die ihm immer „den Rücken freigehalten“ habe. Er gedachte verstorbenen Helfern, dankte Sponsoren wie Markus Brass und bedauerte, dass es mit einigen Mitgliedern nicht immer rund lief.

Die Geschichte der Gruppe umriss er mit Anekdoten über die Fahrkünste ihrer Mitglieder und ungewöhnliche Begegnungen. Der scheidende Vorsitzende fasste die Zeit noch einmal zusammen: „Wir haben Menschen kennenlernen dürfen, sie schätzen und lieben gelernt.“

Von Wilhelm Figge

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare