Prozess gegen drei Männer wird nach sechs Jahren eingestellt

Wildunger Kaffeefahrt beschäftigt die Justiz

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Vorbei: die goldene Zeit der Kaffeefahrten.

Bad Wildungen. Sechs Jahre nach einer Kaffeefahrt mit Ziel Bad Wildungen ist das Verfahren wegen „gewerbsmäßiger Bandenbetrügereien“ gegen drei Männer aus Norddeutschland vor dem Amtsgericht Fritzlar eingestellt worden. Die Angeklagten zwischen 44 und 49 Jahren sollen Senioren durch Tricks um Tausende Euro geprellt haben. Angeklagt: ein Verkäufer, ein Aufbauhelfer und ein Fahrer der Veranstaltung im angemieteten „Homberger Hof“.

Das Verfahren endete erst jetzt, weil sich die Beweisführung als schwierig erwies: Die Opfer, die im Nachgang Anzeige erstatteten, waren 2011 deutlich über 80. Sechs Jahre später sind sie verstorben oder gesundheitlich nicht in der Lage, auszusagen. So klärte das Gericht nicht, wer nach der Verkaufsshow für Nahrungsergänzungsmittel im Saal einzelne Kunden zu Intensivgesprächen ins Nachbarzimmer bat.

Dabei wurde ein Paar überredet, dem Gesprächspartner 6000 Euro „Darlehen“ zu gewähren. Hinter der „Quittung“, die das Paar unterschrieb, verbarg sich laut Polizeiprotokoll der Kaufvertrag unter anderem für einen Fernseher und einen Staubsauger – gegengezeichnet mit dem Namen eines Phantom-Verkäufers, den keiner der Angeklagten zu kennen angab.

Folge: Den „Käufern“ fehlte ein Ansprechpartner, an den sie ihren gesetzlichen Widerruf hätten richten können. Einem dritten Senior wurde ein 1000-Euro-Honorar versprochen, falls er ein TV-Gerät testet – zuvor aber waren, bestätigt per Unterschrift, 3000 Euro „Kaution“ fällig. Tarnung für einen Kaufvertrag, unterzeichnet vom großen Unbekannten. Mangels geschädigter Zeugen identifizierte niemand vor Gericht einen der Angeklagten. Der Vorwurf der Bandenbetrügerei schlug fehl. Gericht, Verteidiger und Staatsanwalt einigten sich auf Einstellung der Verfahren, bei zwei Angeklagten aber gegen Auflagen.

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