Wetterstress hat zur physiologischen Knospenwelke geführt

Winterraps: Landwirte erwarten Ernteeinbußen im Frankenberger Land 

So sollte es nicht aussehen: Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbandes, an einem seiner Rapsfelder. An den Pflanzen haben sich kaum Schoten ausgebildet. „Der Ertrag wird in diesem Fall die Kosten nicht decken“, sagt Eckel.

Waldeck-Frankenberg. Landwirte werden in diesem Jahr eine außergewöhnlich schlechte Rapsernte einfahren. Grund dafür sind starke Temperaturschwankungen in der Wachstumsphase und Käferbefall.

„Schon die Grundlagen waren schlecht“, erklärt Friedrich Göge vom Landesbetriebes Landwirtschaft Hessen. Durch den langen, feuchten Winter hätten sich die Wurzeln schlecht ausgebildet. „Auch der Wintereinbruch Mitte März und die starken Temperaturschwankungen um Ostern haben dem Raps nicht gut getan“, sagt Göge.

Dieser Wetterstress hat zur physiologischen Knospenwelke geführt. Und dieses Phänomen ist selten: „In meinen 30 Jahren als Landwirt habe ich das noch nicht erlebt“, sagt Matthias Eckel, Geschäftsführer des Kreisbauernverbands.

Mit dem plötzlichen Einsetzen der Schönwetterperiode um Ostern sei der Raps in die Höhe geschossen, erklärt Göge. Die Wurzeln seien aber nicht im gleichen Tempo mitgewachsen und hätten nicht genug Nährstoffe nachliefern können. Statt zu blühen vertrockneten die Knospen und fielen ab. Somit können sich auch keine oder nur wenige erntereife Schoten ausbilden.

Verstärkt wird das Problem durch einen vermehrten Befall mit Rapsglanzkäfern, so Göge. Diese Käfer ernähren sich von Blütenstaub und werden bei warmen Temperaturen aktiv. „Wenn die Pflanze schon blüht, dann ist der Käfer ein Nützling, davor aber leider ein Schädling“, ergänzt Eckel. Denn gelangt er nicht an die Pollen, beißt er die Knospe auf und zerstört die Blüte. Der Käfer sei aufgrund von Resistenzen und Zulassungsstau nur schwer mit Pestiziden zu bekämpfen.

„Wir rechnen bei einigen stark beeinträchtigten Flächen mit Ertragsausfällen von bis zu 70 Prozent“, sagt Göge. Die befänden sich zumeist im Altkreis Frankenberg. Matthias Eckel ergänzt: „Aber wir wollen nicht jammern, so ist die Natur halt manchmal.“ 

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