Waldeck-Frankenberg

„Wir glauben an das Konzept der BWF“

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- Waldeck-Frankenberg (lb). Es soll weitergehen: Landkreis, Lebenshilfe und Kreishandwerkerschaft wollen den Betrieb der Beschäftigungsgesellschaft (BWF) aufrechterhalten.

Geschäftsführer Volker Heß reichte am Mittwochvormittag den Insolvenzantrag beim Korbacher Amtsgericht ein. Damit ist das vorläufige Insolvenzverfahren eingeleitet. Wer als vorläufiger Insolvenzverwalter für die Beschäftigungsgesellschaft eingesetzt wird, steht noch nicht fest.Noch ist die BWF flüssig. Ohne weitere Zahlungseingänge reichten die liquiden Mittel für sechs Wochen aus, sagte Landrat Dr. Reinhard Kubat. Bis zum Jahresende werden sich nach Berechnungen des Aufsichtsrats die Defizite auf 200 000 bis 250 000 Euro summieren – wenn nicht weiter gegengesteuert wird.

Doch ein halbes Jahr braucht es laut Heß, bis das bereits eingeleitete Sanierungskonzept auch auf dem Konto der Beschäftigungsgesellschaft Wirkung zeigt. „Wir haben nicht die Möglichkeit, den Zeitraum zu überbrücken, bis das Sanierungskonzept greift“, sagte Heß. Dem Unternehmen droht die Zahlungsunfähigkeit.Unternehmen fortführen„Es ist eine ganz schwierige Situation, aber es sind sich alle einig darin, das Unternehmen fortzuführen“, sagte Kubat.

„Wir glauben nach wie vor an das Konzept der BWF“, bekräftigte auch Gerhard Brühl, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, die gemeinsam mit der Lebenshilfe seit 1. Januar neben dem Landkreis Anteilseigner ist. Dabei sind die Aussichten für Einrichtungen zur Eingliederung von Langzeitarbeitslosen in den Arbeitsmarkt bundesweit düster. Im Vergleich zu 2010 hat Bundesarbeitsministerin Ursula von der Leyhen die Mittel für Ein-Euro-Jobs um zwei Drittel gekürzt. „Wir waren im Kreis der größte Arbeitgeber in diesem Bereich“, sagte Heß. „Unser größter Umsatzbereich ist dramatisch eingebrochen.“

„Das ist ein bundesweites Problem, alle sind in Schwierigkeiten“, sagt Dr. Wolfgang Werner, Geschäftsführer der Lebenshilfe. Sollten die Gesetzesüberlegungen, die weitere Kürzungen der finanziellen Mittel vorsehen, in 2012 in Kraft treten, sehen sich viele Einrichtungen nicht mehr in der Lage, die Qualifizierungsarbeit in der bisherigen Form zu leisten. „Öffentlich geförderte Beschäftigung für Langzeitarbeitslose wird faktisch abgeschafft“, kritisiert der Paritätische Wohlfahrtsverband. Schon jetzt sind Kündigungen in der Branche an der Tagesordnung. Auch die BWF hat im Juli 19 Entlassungen ausgesprochen, fünf auslaufende Arbeitsverträge wurden nicht verlängert. Weitere Kündigungen sind vorerst nicht geplant.

Mehr lesen Sie in der WLZ-FZ vom Donnerstag, 17. August

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