WLZ-FZ-Serie 20 Jahre Mauerfall

„Wir kennen nur ein ungeteiltes Land“

- 19-jährige Ines Kubat beschreibt ihre Sicht auf Mauerfall und Wiedervereinigung

Waldeck - Frankenberg. 20 Jahre Mauerfall bedeuten für mich als Kind der „Nachmauergeneration“ vermutlich etwas ganz anderes als für ältere Generationen. Genau einen Monat nach dem 9. November erblickte ich im Westen das Licht der Welt und kenne die DDR somit nur von Erzählungen und aus dem Geschichtsunterricht.

Natürlich schnappte man als Kind hier und da etwas von der „Mauer“ und den „Ossis“ auf oder hörte abenteuerliche Geschichten von Eltern und Großeltern, die bei der Grenzpassierung „Blut und Wasser schwitzten“, wie sie sagten. Man las auch immer mal von spektakulären Fluchten, konnte all das aber nie wirklich ganz begreifen. Die DDR war ein Staat aus längst vergangenen Zeiten. Auch die Auswirkungen, die die Wiedervereinigung auf die deutsche Bevölkerung hatte, wurde mir als Kind nie bewusst. Ein Erlebnis von damals ist mir allerdings im Gedächtnis geblieben: Ungefähr im Jahr 1998 sah ich als Neunjährige eine Talkshow, in der es um das Thema „Ossis“ und „Wessis“ ging. Es wurde heftig gestritten und sogar wieder die Teilung gefordert. Die Tatsache, dass eine Westdeutsche einem „Ossi“ spöttisch eine Banane zuwarf, verstand ich nicht. Für mich als Kind gab es einfach keinen Grund für diese Handlung.

Später dann, durch Filme wie „Sonnenallee“, der in der DDR der 70er-Jahre spielt, lernte ich die Deutsche Demokratisch Republik etwas besser kennen. Begriffe wie „Stasi“ wurden klarer. Den gesamten historischen Kontext konnte ich jedoch noch immer nicht erfassen. Erst in der Jahrgangsstufe 12, im Zuge eines umfangreichen Referats, wurde mir die ganze Vorgeschichte der Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg, die Blockbildung, klar. Ich lernte die DDR einzuordnen und erfuhr viel über das politische System. Jetzt begriff ich auch die früheren Ängste meiner Verwandten an der deutsch-deutschen Grenze. Erst auf dem Lehrplan der 13. Klassen steht die Teilung Deutschlands und damit die Vermittlung von Geschichtskenntnissen der jüngsten deutschen Vergangenheit, die noch die Generation vor mir in großem Maße geprägt hat.

Ich denke, dass ich für meine Generation spreche, wenn ich sage, dass die Teilung Deutschlands und auch die Wiedervereinigung für uns kein Thema mehr ist. Natürlich sind wir an der Entwicklung Deutschlands in dieser Zeit interessiert, aber es hat keinen direkten Einfluss auf unser Leben. Denn wir kennen Deutschland nur als ein ungeteiltes Land. In unseren Köpfen gibt es kein Ost- und Westdeutschland und schon gar keine Unterschiede zwischen „Ossis“ und „Wessis“. (ik)

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