Initiativen in Waldeck-Frankenberg bitten um Unterstützung für Erdbebenopfer in Nepal

„Wir teilen auch das Leid“

Ein junges Bild aus besseren Tagen: Im November brachten Mitglieder der Hundsdorfer Klettergruppe persönlich Spenden für ihre Patenschule nach Nepal.Foto: pr

Waldeck-Frankenberg - Mehr als 2000 Menschen verloren beim Erdbeben in Nepal ihr Leben. Mehrere Initiativen in Waldeck-Frankenberg haben besondere Verbindungen in die Himalaya-Region und bitten um Unterstützung für die Opfer der Katastrophe.

Als Sybille Courtin von dem verheerenden Erdbeben in Nepal hörte, ging ihr erster Griff zum Telefon. „Ich habe meine Freunde angerufen und gefragt, ob es ihnen gut geht“, erzählt die Vorsitzende der Himalaya-Initiative für Bildung in Waldeck-Frankenberg. Seit 2009 pflegt der Verein intensive Beziehungen nach Nepal, unterstützt mit Spenden Schulen und Kinderdörfer. „Unsere Partnerschule hat Entwarnung gegeben“, erzählt Sybille Courtin gegenüber WLZ-FZ, „aber mit Projektpartnern im Pabat-District war bisher kein Kontakt möglich.“ Die Telefonnetze seien völlig überlastet und die Angst der Menschen vor Nachbeben sei groß. Ein Freund habe ihr berichtet, dass viele Menschen aus Angst nur noch auf unbebauten Plätzen schliefen, berichtet sie.

„Wir sind sehr in Sorge“, sagt Sybille Courtin. Diese gelte vor allem den Menschen in Nepal. „Aber auch die Zerstörung vieler Kulturdenkmäler könnte dem Land nachhaltig schaden“, weiß sie und erinnert sich traurig an ihre Besuche auf dem Durbar Platz oder der Stupa in Bodnath. „Der Tourismus ist eine der Haupteinnahmequellen des Landes“, erzählt Sybille Courtin, „wenn keine Besucher mehr kommen bedroht das die Zukunft Nepals.“ Ein Freundin habe ihr per E-Mail geschrieben: „Ich bin dankbar, dass du die Schönheit unserer Altstadt in den vergangenen Jahren noch erleben konntest, jetzt ist alles kaputt.“

Im Sommer wollte Sybille Courtin das nächste Mal zu den Projektpartnern in die Himalaya-Region fahren. „Eine Mitreisende hat bereits abgesagt“, erzählt sie, „die Angst ist zu groß.“ Aber Sybille Courtin fährt trotzdem. „Für mich steht fest: Ich habe mit diesen Menschen die Freude geteilt und wir werden auch das Leid teilen.“ Und sie mache bereits jetzt die Erfahrung, dass die Menschen im Katastrophengebiet sehr dankbar für die Anteilnahme seien. „Und sie bitten uns, für sie zu beten“, erzählt Sybille Courtin.

Arolser Eine-Welt-Gruppe bittet um Hilfe für Nepal

Aber auch ganz materielle Hilfe ist möglich. „Von Sachspenden bitten wir erstmal Abstand zu nehmen“, erklärt die Lichtenfelserin. Neue Kleidung könne allerdings über das Deutsche Rote Kreuz gespendet werden. „Wir glauben, dass die Menschen dort jetzt vor allem finanzielle Zuwendung brauchen“, erklärt Sybille Courtin. Die heimische Initiative leite das Geld an die bestehenden Projektpartner weiter (siehe Kasten).

Auch die Eine-Welt-Gruppe Arolsen um Dr. Harald Ise pflegt seit vielen Jahren Beziehungen nach Nepal. Sie unterstützt die „Women‘s Foundation of Nepal“. Diese Frauenstiftung bietet misshandelten und bedrohten Frauen und ihren Kindern Zuflucht in einem Frauenhaus, dazu medizinische und psychologische Beratung, Rechtshilfe, Ausbildung und Weiterbildung in Schneiderei und Elektroinstallation, Weberei und Blockprinting.

Außerdem unterstützt die Frauenstiftung Existenzgründungen durch die Vergabe von Mikrokrediten an 3000 Frauen in elf Distrikten. In einem Produktionszentrum haben 80 Frauen in Vollzeit und 47 in Teilzeit, Arbeit gefunden. Von dort stammen auch die in Bad Arolsen schon bekannten Schals aus Seide und Pashmina.

Die Präsidentin der Women‘s Foundation, Renu Sharma, konnte inzwischen von Vertretern einer weiteren Partnerorganisation in Bochum erreicht werden. Von dort wurden die Bad Arolser Mitglieder der Eine-Welt-Gruppe über den aktuellen Stand informiert. In dem Brandbrief heißt es: „Acht unserer Partnerorganisationen liegen im Epizentrum des Bebens in Pokhara, Bhaktapur und Kathmandu.

Häuser und Straßen sind zerstört, die Elektrizität und die Wasserversorgung in Kathmandu, Bakhtapur und Pokhara sind weitgehend ausgefallen. Helfen Sie uns, unsere Partner zu unterstützen. Unmittelbar benötigt werden Spendengelder für Decken, Medikamente, Lebensmittel, Wasser und Werkzeuge wie Schaufeln, Hacken, Spaten. Dann benötigen wir Wiederaufbaumittel für Gebäude, Wasserversorgung und Elektrizität.“ Die Eine-Welt-Gruppe Arolsen will sich heute treffen, um weitere Infos zu sammeln und um Spenden für die Erdbebenopfer aufrufen.

Hundsdorfer pflegen Kontakt nach Anapurna

Sorgen um die vielen einheimischen Menschen, die sie bei ihren Touren nach Nepal kennengelernt haben, machen sich auch die Mitglieder der Klettergruppe des SV Hundsdorf. Sie unterstützt seit Jahren eine Schule in der Nähe des Anapurna. „Sie liegt 80 Kilometer entfernt vom Epizentrum des Erdbebens, in der entgegengesetzten Richtung wie die Hauptstadt Kathmandu“, berichtet Wilhelm Bock von der Klettergruppe. Gerade im November erst hatten Hundsdorfer Bergsteiger persönlich Spenden abgegeben. „Wir haben keine Nachricht von der Schule, fürchten aber, dass sie zerstört ist“, fügt Bock hinzu.

Eine gute Nachricht immerhin erreichte die Hundsdorfer aus Nepal. Der Kontaktmann, dem sie die Bindungen zur Schule verdanken, und dessen Familie haben das Erdbeben unversehrt überstanden. „Das hat er am Sonntag bei Facebook gepostet. Darin berichtet er aber auch, dass die Familie nichts zu essen hat“, sagt Wilhelm Bock. (es, resa, su)

Spendenkonten

• Auch heimische Initiativen leiten Spenden in die Erdbebenregion weiter. Das Spendenkonto der Eine-Welt-Gruppe hat bei der Waldecker Bank Bad Arolsen die IBAN DE46 5236 0059 0000 2261 49.

• Spenden an die Himalaya-Initiative sind auf folgendes Konto möglich: Sparkasse Waldeck-Frankenberg DE 65 5235 0005 0005 0585 24unter dem Stichwort „Erdbeben“

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