Der etwas andere Rückblick auf missglückte Pressemitteilungen und Textvorschläge

Wirre Wortschöpfungen

Waldeck-Frankenberg - Einmal im Jahr lassen wir Sie, liebe Leser, teilhaben an Texten, Formulierungen und Wortschöpfungen, die beim Redigieren aus den Texten verschwinden. In diesem Jahr haben wir über ein unbekanntes Lied von Abba, kannibalistische Landfrauen und eine Wunderheilung gelacht. Viel Spaß damit!

Der Beruf der Redakteure besteht nicht nur aus Schreiben und dem Layouten von Seiten, sondern auch aus Redigieren: Texte, die eingereicht werden, müssen in Form gebracht werden - und so manche Pressemitteilung bringt uns dabei zum Schmunzeln.

Das heißt allerdings nicht, dass wir als hauptberufliche Schreiber perfekt sind: Auch uns passieren Fehler, auch wir vertippen uns oder verstehen Namen falsch. Deshalb wie immer an dieser Stelle: Entschuldigung für alle Fehler, die nicht rechtzeitig bemerkt und ausgebügelt wurden. Jetzt aber zu den Schmuckstücken, die es nicht in die Zeitung geschafft haben - bis heute…

So war das hoffentlich nicht gemeint

Zahllose Berichte über Weihnachtsfeiern sind in den vergangenen Wochen in unseren Postfächern gelandet - einer stach jedoch hervor. Denn dort wurde nicht besinnlich gefeiert, sondern erotisch... naja, irgendwie jedenfalls. In einem Reitverein wurde es nämlich laut Pressetext „sinnlich, als der Nikolaus mit dem Wichtel in die Halle ritt“.

Sehr widersprüchlich sind die pädagogischen Ansätze einer Feuerwehr, die zum Vortrag mit dem Titel „Allgemeiner Brandschutz im Haushalt und wie ich mich davor schütze“ einlud.

Gut, dass das niemand wörtlich nehmen konnte: „Treffen ist im Garten bei Hennes. Dort kann auch geparkt werden.“ Das wäre bestimmt nicht so schön für den Rasen in Hennes’ Garten gewesen.

Zusammengesetzte Hauptwörter

Es ist eine Eigenart der deutschen Sprache, dass Wörter schier unendlich zusammengesetzt werden können - berühmtestes Beispiel dafür ist die Donaudampfschifffahrtgesellschaft. Dennoch sollte genau überlegt werden, ob zwei Wörter in Kombination nicht vielleicht eine neue Bedeutung bekommen: Denn beim Nikolausschießen wird’s für den Mann im roten Mantel gefährlich, beim Behördenschießen werden gleich ganze Beamtenhorden angegriffen. Waldarbeiter wollen aus einem „Kinder-Entasten“ einen Programmpunkt machen - schneiden die etwa den Kindern die Arme ab? Gefährlich wird es auch bei den sonst so freundlichen Landfrauen: Sie laden zum „Kinderkochen“ ein. Und die CDU ist auch nicht besser: Bei den Christdemokraten gibt es ein „Partneressen“. Das ist nicht schön.

In Frankenberg werden Babys ohne Umschweife an Koffein und Sahnetorte gewöhnt: Da gibt es regelmäßig ein „Neugeborenen-Kaffeetrinken“. Und auf einem Jahrmarkt im Landkreis floriert der Menschenhandel, denn dort werden „Fahr-, Lauf- und Kindergeschäfte“ angekündigt.

Wunder gibt es immer wieder...

Besonders berührt hat uns dieser Satz aus einer Polizeimeldung, der entweder auf Verschwendung von Steuergeldern, spontane Selbstheilung oder ein kleines Wunder hinweist: „Ein Rettungswagen transportierte den Mann ins Krankenhaus, das er unverletzt verließ.“

Manche wollen einfachganz sichergehen

Nur für den Fall, dass wichtige Bestandteile eines Satzes herausgekürzt werden könnten, gehen manche auf Nummer sicher und bringen sie gleich mehrfach unter: „Der Posaunenchor spielte einige Passionslieder, die der österlichen Zeit angepasst waren“. Und damit der Termin nicht schlimmstenfalls im falschen Jahr besetzt wird, schrieb ein Verein: „Im September 2014 findet der diesjährige Grenzgang 2014 statt“.

Böse automatische Worterkennung

Wer seine E-Mails mit bestimmten Programmen verschickt, kann der automatischen Worterkennung (und -verbesserung) zum Opfer fallen. In einer E-Mail passierte das gleich zweimal: Darin wurde ein Handarbeitsnachmittag im DGB angekündigt, was uns in der Redaktion doch in Erstaunen versetzte: Das ist mal eine Veränderung! Und dann waren auch noch „Bestseller, Besteck und Glas mitzubringen“. Das war bestimmt ein ungewöhnlicher Nachmittag für die Gewerkschafter. Eigentlich ging es um Landfrauen, die ins DGH kommen sollten. Ob die wohl einen Teller dabei hatten? Oder doch ein Buch?

Fremde Sprache,schwere Sprache

Wir versuchen so weit wie möglich auf Anglizismen zu verzichten. Diese beiden englischen Wortschöpfungen möchten wir Ihnen allerdings nicht vorenthalten: In einem Text war vom Ständchen „Happy Burstday“ die Rede. Wer platzte und warum er darüber auch noch glücklich sein sollte, ging daraus leider nicht hervor. Ein anderer sandte uns einen Artikel, in dem ein Lied von Abba erwähnt war, das nicht einmal unsere Disco-Experten jemals gehört hatten: „Tank you fort he music“. Der Sinn dieses Titels erschließt sich trotz guter Englischkenntnisse nicht: „Panzer du Festung er Musik“? Ich nehme ein „H“, verschiebe ein Leerzeichen und möchte lösen.

Kleiner Buchstabe, großer Unterschied

Immer wieder ist es nur ein Buchstabe, der einem ganzen Satz eine andere Bedeutung gibt. Wie in diesem Fall: „Er wusste aus den Analen zu berichten...“. Das will doch höchstens ein Proktologe hören!

Krankheiten bitte erste Tür links: In einem Kindergarten sollte laut Pressetext übergangsweise im Bewegungsraum eine „Kindergrippe“ eingerichtet werden. Im gleichen Dorf fand dann auch noch ein Grippenspiel statt. Da werden Husten und Schnupfen realistisch vorgetäuscht!

In einer Kirche gibt es seltsame pädagogische Ansätze: Dort „werden Opferstöcke täglich gelehrt“. Schön fanden wir auch die Worte „Mitgliederinnen“ und „Korrigierung“.

Bei „Hupschrauber“ wussten wir nicht, ob das ein Flugobjekt ist oder ein Werkzeug, das Geräusche macht, wenn die Schraube festsitzt.

Da hat sich der Verfasser solche Mühe gegeben ...

Warum langweilige Wörter wie „Akkordeon“ oder „Ziehharmonika“ benutzen, wenn es auch so geht: „Aus unserem Liederbuch singen wir immer wieder gemeinsam mit Wilhelm und seinem Zerrwanst.“

Blumige Worte fand ein Reporter, der über ein Schachspiel schrieb. Er brachte den „Marsch zum Angriff“, Friedenspfeifen und Gewitterwolken und Trümmerhaufen in dem bildgewaltigen Text unter. Er machte aus Wehlheiden zudem „Wehleiden“ - obwohl der heimische Gegner dazu mehr Anlass hatte. Und er steigerte auch auf höchst ungewöhnliche Weise: „Pech, Pecher, Arolsen“, lautete sein Vorschlag für die Überschrift.

Das richtige Wort an der richtigen Stelle

Ein kleines Wort kann einen gewaltigen Unterschied machen. So lud eine Behörde zur Veranstaltung „Mahnung an den Frieden“ ein. Weshalb der Frieden ermahnt werden sollte, ging daraus nicht hervor. Kein Wunder, gemeint war schließlich eine „Mahnung für den Frieden“.

Schöne Wortwahl: „Bei der Kontrolle stellten die Beamten fest, dass er erheblich alkoholisiert war. Der Mann musste sich einer Blutentnahme unterziehen und seinen Führerschein abgeben“... so weit, so gewöhnlich. Aber dann kommt die Bilanz: „Das Ergebnis der Kontrollen ist schon ernüchternd.“

Das Wort „Wanderung“ ist ein dehnbarer Begriff. Für die meisten beginnt eine solche frühestens bei fünf Kilometern. Anders bei den Damen eines Vereins, der Folgendes ankündigte: „Die Teilnehmerinnen fahren mit dem Linienbus bis zum Parkplatz Hessensteinkurve. Von dort Wanderung zur Burg Hessenstein.“ (apa)

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