Industrie, Handel und Handwerk in Nordhessen erwarten gute Zahlen in diesem Jahr

Wirtschaft freut sich über gute Konjunktur

Waldeck-Frankenberg - Eine hohe Binnen-Nachfrage und gute Exportzahlen sorgen für eine positive Stimmung bei den heimischen Unternehmen, wie die Konjunkturumfrage der IHK belegt. Auch das Handwerk erwartet weiter gute Zahlen.

„Das Wirtschaftsjahr 2015 entwickelt sich aktuell im Kammerbezirk noch besser als erwartet“, sagt IHK-Geschäftsführer Thomas Rudolff. Die Unternehmen in Marburg und Nordhessen vermeldeten bei der aktuellen Lagebeurteilung hervorragende Zahlen. Und auch für die kommenden Monate seien die Aussichten recht gut. Zuversichtlich blickt auch das Handwerk auf das laufende Jahr: „Wegen des ausgezeichneten Konsumklimas erwarten die meisten Betriebe eine Fortsetzung der guten Konjunktur“, sagt Heinrich Gringel, Präsident der Handwerkskammer Kassel.

Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen sind gut, wie Thomas Rudolff erläutert: „Aktuell geht es kaum besser. Die Benzinpreise sind moderat, die Löhne steigen angemessen. Das stärkt die Binnen-Nachfrage. Der Euro-Dollar-Wechselkurs stärkt wiederum den Export, und dieser ist wichtig für die heimische Industrie“, sagt der IHK-Geschäftsführer. Alle konsumtiven Bereiche vermeldeten laut der Umfrage gute Zahlen. Zurückzuführen sei dies auf eine starke Binnennachfrage. Das Gleiche gelte für den industriellen Sektor: Die gut aufgestellte mittelständische Industrie vermelde ebenfalls gute bis sehr gute Zahlen. Hier ist weiterhin der Export Wachstumstreiber.

Im Handwerk bleiben in erster Linie die Ausbauhandwerke als beschäftigungsintensive Branche sowie die Betriebe für den gewerblichen Bedarf Träger der guten Konjunktur, aber auch das Nahrungsmittelhandwerk. Unzufriedener waren die Befragten im Bauhauptgewerbe, die zwar immer noch den Schwung vom privaten Wohnungsbau spüren, aber auf mehr öffentliche Aufträge warten. Recht schwach war die Lage im Kfz-Handwerk. Nach den deutlichen Aufschwungtendenzen der letzten Quartale prägten Umsatzrückgänge die aktuelle Situation, was laut Handwerkskammer angesichts der wieder angestiegenen Kfz-Zulassungen verwundert.

IHK erwartet einige Störfaktoren für die Wirtschaft in diesem Jahr

Etwas zurückhaltend gibt sich Thomas Rudolff mit Blick auf die kommenden Monate: „Wir bleiben bei unserer vorsichtigen Wachstumsprognose von gut einem Prozent für das Gesamtjahr, da durchaus einige Störfaktoren im dritten und vierten Quartal zu erwarten sind“, so der IHK-Geschäftsführer. Das fange mit den USA an, deren Wachstum aktuell unter den Prognosen liege, und gehe über sinkende Wachstumsraten in China und die Ukraine-Krise weiter. Dieses prognostizierte „Schwächeln der Weltwirtschaft“ sieht Rudolff als eine Eintrübung am Horizont.

Als „bürokratisches Monster“ bezeichnet Rudolff den Mindestlohn. „Die Gastronomie kann davon ein Lied singen. Ich gehe davon aus, dass die Auswirkungen bei einer rückläufigen Konjunktur schnell sichtbar werden und gerade im ländlichen Raum der eine oder andere Gasthof auf der Strecke bleiben wird“, verdeutlicht Rudolff. Insgesamt sei das Vertrauen „in die wirtschaftspolitische Kompetenz der Politik stark zurückgegangen“.

Erschreckend sei indes die Situation bei den Kreditinstituten. „Wie will man in diesem Niedrigzinsumfeld eine vernünftige und nachhaltige Geschäftspolitik betreiben? Hier wird es sicher zu weiteren Konzentrationen kommen“, ist sich Rudolff sicher.

Ausgerechnet die kleinen Kreditinstitute, die weder Zinsmanipulationen, riskante Terminkontrakte und undurchsichtige Hedge-Fonds-Aktivitäten vorgenommen hätten, „scheinen nun mit ihrer Ertragsschwäche die Fehler der ,Großen‘ bezahlen zu müssen. Bleibt das niedrige Zinsumfeld erhalten - wovon aktuell auszugehen ist - dann wird es zu deutlichen Anpassungsreaktionen im Kreditsektor kommen“, erklärt Rudolff. Dabei bezeichnet der IHK-Geschäftsführer vor allem die heimischen Kreditinstitute als wichtig, denn sie seien „die Transmissionsriemen für die Wirtschaft“.

Von Lutz Benseler

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