WLZ-Serie über die Arbeit der Polizei Waldeck-Frankenberg

Eine Samstagnacht mit der Polizei: Fliegende Fäuste, falsche Fährte

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Gemeinsam auf Streife: Die Polizeioberkommissare Diana Manthey und Martin Digulla. Die WLZ hat sie bei einem Nachtdienst begleitet. 

Korbach. Schlägereien, orientierungslose Personen, Verkehrsunfälle: Für die Polizei in Korbach ein normaler Samstag. Die Waldeckische Landeszeitung hat die Polizisten für einige Stunden in einer Samstagnacht begleitet.

Erster Einsatz, Willingen: Es wird geweint, diskutiert und geschimpft. Die vier jungen Männer quetschen sich zusammen mit Polizisten und Security-Mitarbeitern in einen kleinen Raum des Willinger Lokals, in dem es schon am frühen Abend zu einer Schlägerei kam. Ein Freund der Jungs wurde angegriffen, ohne Grund, wie sie betonen. Offensichtlich flog ein kleines Bierfass, die Fäuste flogen auch, der Krankenwagen musste anrücken. Während der Freund mit gebrochener Nase bereits ins Briloner Krankenhaus gebracht wurde, setzen sich die anderen – allesamt aus Meschede – mit der Polizei auseinander.

Die Oberkommissare Diana Manthey und Martin Digulla versuchen, die jungen Männer zu beruhigen, fotografieren Verletzungen und nehmen Personalien auf. Doch was sich genau zugetragen hat, wer wann zuschlug und was zuvor passierte, „lässt sich heute Abend nicht mehr zweifelsfrei klären“, sagt Manthey. Das hat auch mit dem Alkoholpegel der Beteiligten zu tun. Zwischen 1,5 und zwei Promille zeigt der Tester jeweils an.

Im Einsatz: Martin Digulla (rechts) mit Karl-Wilhelm Römer von der Feuerwehr nach dem Verkehrsunfall bei Adorf.

Einen Raum weiter, in einem Lager, sitzt der vermeintliche Angreifer und trägt Handschellen. „Er ist nicht besonders kooperativ“, sagt Manthey. Auch wenn der Einsatz an sich typisch ist, „wir wissen nie, was auf uns zukommt“, sagt Manthey. Deshalb wurden noch auf dem Weg in den Kurort zwei Kollegen nachalarmiert.

In diesem Fall die richtige Entscheidung, wie sich schnell herausstellt. Der Festgesetzte hat einen ähnlichen Promillewert wie die Jungs im Nachbarraum und ist durchaus aggressiv. Dass er nicht zum ersten Mal Kontakt hat mit der Polizei, ist nach wenigen Anrufen klar. Der Paderborner, etwa Anfang 20, gilt als Hooligan und gewaltbereit, ist offensichtlich Kampfsportler. Er schimpft in einer Tour, betont dutzende Male, dass er ein Protokoll vom Ablauf des Abends haben will und verweigert den Atemalkoholtest.

Henner Behle, einer der hinzu gekommenen Polizisten, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen. Er erklärt dem Betrunkenen, dass der Promillewert auch zu seinen Gunsten ausfallen könne. „Und wenn Sie jetzt pusten, können wir uns die Fahrt nach Korbach sparen.“ Schließlich willigt der Paderborner ein – er will nicht nach Korbach, sonst, so sagt er, würde er den Bus nach Hause verpassen. Schließlich darf er gehen, auch weil die Kollegen aus der Wache signalisieren, dass die Verletzungen zwar schwer, aber nicht bedrohlich sind. Wiederkommen darf er aber nicht – das Lokal erteilt Hausverbot.

Kaum haben Manthey und Digulla das Lokal verlassen, kommt ein Funkspruch: Verkehrsunfall zwischen Adorf und Sudeck. An solch einem Abend, sagt Diana Manthey, als sie wieder im Streifenwagen sitzt, könne man sich von Schlägereien wie der in Willingen nur ein grobes Bild machen. „Nur mündliche Aussagen, das reicht sowieso nicht. Alle werden vorgeladen zur Befragung.“ Im nüchternen Zustand. Seit knapp 30 Jahren ist sie bei der Polizei. Sie weiß: „Oft geraten sich die Leute wegen Nichtigkeiten in die Haare. Ein Wort ergibt dann das andere. Und Schuld ist sowieso niemand.“

Auf der Wache: Polizeihauptkommissar Thomas Buthmann am Wachtresen. Die Weste tragen Polizisten dort regulär nicht – er kam allerdings just von einem Einsatz. 

Zuckendes Blaulicht weist schon aus der Ferne den Weg zum Unfallort. Dort angekommen, teilen sich die Polizisten sofort auf: Während seine Kollegin das Unfallauto aus allen Perspektiven fotografiert und die Straße auf der Suche nach Hinweisen entlang schreitet, spricht Digulla mit dem Einsatzleiter der Feuerwehr. Was ist bereits bekannt? Wie geht es der jungen Frau? Die liegt im Krankenwagen, lässt sich vom Notarzt behandeln. Glücklicherweise ist sie nur leicht verletzt, stellt sich heraus. Während der Einsatzleiter versucht, die Eltern der Autofahrerin zu erreichen – er kennt die Familie – klettert Digulla in den Rettungswagen und spricht mit der Diemelseerin darüber, was passiert ist, dann wird sie ins Korbacher Krankenhaus gebracht.

Die Feuerwehr hatte die junge Frau aus einem verhedderten Gurt befreit, die Unfallstelle ausgeleuchtet und abgesichert. „Die Feuerwehren hier sind super engagiert, hilfsbereit und sehr schnell“, sagt Diana Manthey. Sie hat alle Daten rund um den Unfall gesammelt. Im Bericht muss später alles ganz genau stehen, bis hin zur punktgenauen Kilometrierung. Als die Angehörigen der jungen Frau eintreffen und klar ist, dass sich die Familie um einen Abschleppwagen kümmert, fahren Digulla und seine Kollegin wieder nach Korbach.

Dort kann dann auch Jakob mal für ein paar Minuten aus dem Streifenwagen. Der belgische Schäferhund ist der Diensthund von Martin Digulla, zu jedem Einsatz kommt er mit. Meistens, so erklärt der Hundeführer, bleibt der Vierbeiner jedoch im Auto.

Keine zehn Minuten sind die beiden Polizisten auf der Wache, als der nächste Einsatz ansteht. Ein möglicher Einbrecher in ein Ferienhaus in Waldeck, Nachbarn haben Unbekannte mit einer Taschenlampe ums Haus schleichen sehen. Minuten später sind die beiden Kollegen schon auf der Bundesstraße. Das Blaulicht schaltet Fahrer Digulla nur kurz in Meineringhausen an – weil er zu schnell unterwegs ist und geblitzt wird. „So wissen die Mitarbeiter der Stadt gleich, dass wir im Einsatz sind“, erklärt er. Und auch andere Verkehrsteilnehmer sind dann im Bilde.

Doch die Fahrt endet früher als gedacht. Die Kollegen aus Bad Wildungen waren schneller in Waldeck und liefern auch gleich des Rätsels Lösung: Der Hausbesitzer lief mit Taschenlampe ums Haus.

Zurück auf der Wache wird es für einige Minuten still. Die anderen Kollegen sind unterwegs zu Einsätzen, während Manthey und Digulla anfangen, Berichte zur Schlägerei und zum Unfall zu schreiben. Ein zeitraubendes Muss, für das sie jede freie Minute nutzen. Doch lange währt die Ruhe nicht. Manthey übernimmt das klingelnde Telefon, während Digulla wieder im Auto sitzt: Schlägerei an einer Korbacher Tankstelle.

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