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WM-Auftakt der Nationalelf im TV sehen? Das machen Arbeitgeber in Waldeck-Frankenberg

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Von: Philipp Daum

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Bei der Fußball-WM in Katar bestreitet die deutsche Mannschaft am Mittwoch ihr erstes Gruppenspiel. Ermöglichen Arbeitgeber in Waldeck-Frankenberg ihren Mitarbeitern, das Spiel zu sehen?

Waldeck-Frankenberg - „Im Grunde geht es dem Mitarbeitern im Stadtkrankenhaus Korbach nicht anders, als den Menschen anderswo in Deutschland“, sagt Klinik-Sprecherin Tanja Jostes. In einer repräsentativen Umfrage von Infratest-dimap hätten aktuell 56 Prozent der Befragten angegeben, keine Spiele der Fußball-Weltmeisterschaft schauen zu wollen. „15 Prozent wollen weniger Spiele schauen und nur 18 Prozent geben an, genauso viele Spiele wie immer anzusehen. Wie überall in Deutschland hält sich die Begeisterung für die WM daher auch unter unseren Mitarbeitern in Grenzen“, berichtet Tanja Jostes.

Es gebe demzufolge auch kein Public-Viewing am oder im Haus. In Gesundheitseinrichtungen sei dies aber ohnehin anders zu betrachten, als in Wirtschaftsbetrieben.

Die Gründe für das Desinteresse an der Fußball-WM sind nach Auskunft der Klinik-Sprecherin vielfältig: „Wir befinden uns zum einen immer noch in der Corona-Pandemie – gerade im Gesundheitswesen sind wir da besonders vorsichtig. Wir halten es daher aktuell nicht für richtig, zu einem gemeinsamen Fußballgucken aufzurufen“, sagt Tanja Jostes. Im Winter könnten gern besuchte Sommerevents unter freiem Himmel und in entspannter Atmosphäre eben nicht stattfinden. Bei Anstoßzeiten um 11 oder 14 Uhr sei es zudem fast nicht möglich, die arbeitende Bevölkerung zum gemeinsamen Fußballgucken zu begeistern.

Tanja Jostes, Sprecherin beim Stadtkrankenhaus Korbach
Tanja Jostes, Sprecherin beim Stadtkrankenhaus Korbach © PR

WM-Auftakt der Nationalelf: Begeisterung in Waldeck-Frankenberg hält sich in Grenzen

„Im Stadtkrankenhaus erfolgen die Dienste am Patienten in drei Schichten rund um die Uhr. Durch eine flexible Dienstplangestaltung haben unsere Mitarbeiter, die privat Fußball gucken möchten, sicherlich in großen Teilen die Möglichkeit dies auch realisieren zu können – zum Beispiel durch den Tausch von Diensten“, sagt die Klinik-Sprecherin. Umstritten seien auch die politischen Entscheidungen: Die undurchsichtige Vergabe durch die FIFA sowie die fehlende Nachhaltigkeit der Stadien seien nicht wegzudiskutieren und für den einen oder anderen sicherlich negativ behaftet.

„Wohl wurde aber das eine oder andere Online-Tipp-Spiel im Haus gestartet. Unserer Nationalmannschaft wünschen wir natürlich einen guten Turnierverlauf“, sagt Tanja Jostes.

Bei der Waldecker Bank hat es laut Sprecher Carsten Stumpe „aus der Belegschaft bisher keine Anfrage zu dem Thema gegeben“. Die Haltung zur WM sei eher reserviert. Stumpe: „Auf eine WM-Dekoration verzichten wir, da die Stimmung in der Belegschaft – wie in der Kundschaft – wenig euphorisch ist. Außerdem haben wir verschiedene Weihnachtsthemen, wie zum Beispiel die Zusammenarbeit mit den Soroptimistinnen bei den Weihnachtspäckchen für Bedürftige. Das würde sich überschneiden.“

Sofern die Geräte das technisch ermöglichten, werden die Werbebildschirme in der Waldecker Bank aber auf TV umgeschaltet. Dort lasse man das Deutschland-Spiel laufen. „Somit haben sowohl Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie unsere Kunden zumindest teilweise die Möglichkeit, der Übertragung zu folgen“, so Stumpe.

Sparkasse in Waldeck-Frankenberg: Mitarbeiter können WM-Auftakt schauen

Die Sparkasse Waldeck-Frankenberg will es ihren Mitarbeitern ermöglichen, das WM-Spiel der deutschen Nationalelf zu schauen. „Wer dafür frei nehmen, Überstunden abbauen oder die Zeit nacharbeiten möchte, kann dies tun – solange unser Betrieb wie gewohnt weiterlaufen kann“, sagt Sparkassen-Sprecher Thomas Behle. „Wir gehen aber nach jetzigem Stand nicht davon aus, dass es so viele Mitarbeiter sein werden, weil die Euphorie durch die berechtigte Kritik an dieser Weltmeisterschaft eher gedämpft ist.“

Es gebe auch schon Meetings und Termine mit Kunden, die zum Zeitpunkt des Spiels vereinbart worden seien. Auf Leinwänden oder Bildschirmen in den Räumen der Sparkasse werde das Spiel nicht zu sehen sein.

Beim Korbacher Baumarkt C.C. Curtze können die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlassen, um die Partie der Flick-Elf zu schauen. „Wir haben Gleitzeit, daher gibt es auch die Gelegenheit, das Spiel am Nachmittag zu verfolgen. Ich bin mir sicher, dass unsere Mitarbeiter das kollegial im Team absprechen. Das Interesse an der WM ist aber dieses Mal nicht so hoch wie sonst“, sagt Prokurist Oliver Schmidt.

„Die diesjährige WM findet bei uns und unseren Mitarbeitern kein bis wenig Interesse. Anders als jemals zuvor“, sagte Anja Schiers vom Autohaus Biebighäuser in Battenberg. „In der heutigen Zeit stehen beruflich wie privat andere Themen im Vordergrund.“

Waldeck-Frankenberg: „Ich spüre überhaupt keine Euphorie“

Unter den 50 Mitarbeitern der Ernsthäuser Firma Kahl & Schlichterle sei die Fußball-Weltmeisterschaft in Katar derzeit kein Thema, sagt Bernd Schlichterle, einer der Geschäftsführer. „Ich spüre überhaupt keine Euphorie.“

In dem Unternehmen, das mit dem Kahl-und -Schlichtlere-Cup den heimischen Amateurfußball unterstützt, könnten die Mitarbeiter zwar am Arbeitsplatz per Radio Spiele verfolgen, aber ein Fernseher werde nicht aufgestellt. Das sei auch bei anderen Weltmeisterschaften so gewesen. „Nur, da fanden die Spiele meist außerhalb der Arbeitszeit statt“, sagt er.

Für Geschäftsführer Schlichterle ist die „Weltmeisterschaft in der Wüste ein ökologisches Desaster, blanker Wahnsinn“.

Er selbst habe bisher noch kein Spiel gesehen, wolle auch heute, wenn die Deutschen spielen, nicht schauen. Allerdings werde er sporadisch schon mal Spiele schauen.

Je nachdem, wie gut sich die deutsche Mannschaft schlage, könne er sich vorstellen, dass doch noch Euphorie in der Belegschaft entsteht. Wenn die DFB-Elf Richtung Finale kommen solle, könnten Mitarbeiter, die das wollten, freimachen, um das Spiel zu sehen, sagt der Geschäftsführer der Firma, die im Bereich Metallbau und Aufarbeitung von Getränkemaschinen tätig ist.

Khalifa International Stadium: Hier wird heute um 14 Uhr das erste WM-Spiel in Katar für die Deutsche Nationalmannschaft angepfiffen. Gegner ist Japan. Die WM-Euphorie ist in Korbach allerdings gedämpft.
Khalifa International Stadium: Hier wird am Mittwoch, 23. November, um 14 Uhr das erste WM-Spiel in Katar für die Deutsche Nationalmannschaft angepfiffen. Gegner ist Japan. © IMAGO/Jonas Ekströmer

WM-Auftakt der Nationalelf: Korbach macht kein Public Viewing

Bei der Stadtverwaltung in Korbach wird es keinen Bereich geben, in dem die WM-Partie der Deutschen Nationalmannschaft gegen Japan gezeigt wird. „Wer will, kann das Spiel daheim verfolgen. Ich werde es mir auf jeden Fall anschauen“, sagt Stadtsprecher Ralf Buchloh. Auch müssen dafür Urlaub genommen oder Überstunden abgebaut werden.

Zur Frage, ob im Stadtgebiet Public Viewing stattfindet, äußerte sich Korbachs Bürgermeister Klaus Friedrich: „Die Kritik an dem ausrichtenden Land und den Umständen, die dazu führten, dass die WM dort ausgerichtet wird, muss mit sehr viel Sachlichkeit begleitet werden. Ich gönne den Fußball-Fans ihre WM und hoffe natürlich auf einen Erfolg der Deutschen Mannschaft“, sagt der Verwaltungschef und betont: „Als Kommune sollten wir aber den besonderen Umständen Rechnung tragen und eine gewisse Zurückhaltung üben. Es wird deshalb keine besonderen Aktionen der Stadt Korbach geben.“ (Philipp Daum)

Auch viele Kneipen in Nordhessen boykottieren die WM in Katar: „Ich hoffe, die Leute gucken sich die WM auch nicht zu Hause an“, sagt der Kasseler Wirt Nasrat Ansari.

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