445 Haushalte im Landkreis auf Sozialwohnung angewiesen

Wohnen in Waldeck-Frankenberg kostet mehr

Geld auf einem Mietvertrag
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Die vom Jobcenter übernommene Miete für Single-Haushalte in Waldeck-Frankenberg ist laut Pestel-Institut innerhalb von sechs Jahren um 26,6 Prozent gestiegen.

Wohnen zur Miete entwickelt sich seit Jahren zu einem teurer werdenden Unterfangen. Besonders für Geringverdiener kann dies zu einer belastenden Herausforderung werden.

Waldeck-Frankenberg – Auch im vermeintlich ländlich geprägten Landkreis Waldeck-Frankenberg entwickeln sich die Mieten rasant nach oben. „Das Angebot an günstigen Wohnungen ist rar. Gerade Neuvermietungen werden genutzt, um Maximalmieten zu erzielen“, stellt Matthias Günther, Leiter des Pestel-Instituts in Hannover, im Rahmen einer Wohnungsmarkt-Analyse für den Landkreis fest.

Die vom Jobcenter übernommene Miete für Single-Haushalte sei innerhalb von sechs Jahren um 26,6 Prozent gestiegen, während die Verbraucherpreise in diesem Zeitraum nur um 6,5 Prozent zulegten – nicht alle Preisanstiege seien aber für Wohnungssuchende nachvollziehbar. Mit einem neuen Qualitätssiegel will der Initiator daher für mehr Markttransparenz sorgen.

„Bei den Mieten wird oft rausgeholt, was rauszuholen ist. Dabei bauen Vermieter auf die Jobcenter als ‘zuverlässige Zahlstelle’. Diese übernehmen zwar nur die Kosten für Wohnungen ‘einfachen Standards’. Auf genau diese Wohnungen sind aber nicht nur Hartz-IV-Empfänger angewiesen, sondern eben auch die vielen anderen Haushalte mit niedrigen Einkommen“, sagt Günther. Dass diesem Trend nicht jeder Wohnungssuchende im Landkreis folgen kann, zeigt ein Blick auf die Personen, deren Jahreseinkommen nicht mehr für eine Wohnung des einfachen Standards ausreicht und in eine sozialgeförderte Wohnung beziehen dürfen. 2020 gab es 445 wohnungssuchende Haushalte in Waldeck-Frankenberg, die auf eine solche Unterstützung angewiesen waren. Zehn Jahre zuvor waren es 452. Das teilt die Kreisverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung mit.

Dabei verteilen sich die Wohnungssuchenden aktuell auf insgesamt 21 Städte und Gemeinden, die jeweils einen bis 221 wohnungssuchende Haushalte meldeten. Spitzenreiter ist Frankenberg (221), gefolgt von Bad Arolsen (92), Korbach (91) und Bad Wildungen (19). Die übrigen Kommunen verzeichneten deutlich weniger Haushalte.

Dem Bedarf an günstigem Wohnraum steht eine sinkende Zahl an geförderten Mietwohnungen gegenüber. So gab es 2010 im Kreisgebiet laut Hessischem Wirtschaftsministerium 2775 Wohneinheiten, zehn Jahre später sank ihre Zahl auf 1112. Häufige Ursachen sind, dass die errichteten Sozialwohnungen nach einer Verjährungsfrist aus der Mietpreisbindung fallen oder Wohnungsbaugesellschaften vorzeitig Förderdarlehen zurückzahlen und so aus der Zweckbindung fallen.

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