Unternehmen schätzen ihre Lage erstmals in diesem Jahr schlechter ein

Wolken am Konjunkturhimmel

Waldeck-Frankenberg - Die Konjunktur in Nordhessen und Marburg zeigt erste Ermüdungserscheinungen: Während in der ersten Jahreshälfte noch Optimismus pur angesagt war, trübt sich jetzt die Stimmung.

Die Industrie- und Handelskammer (IHK) Kassel-Marburg beurteilt die aktuelle geopolitische Lage als Konjunkturbremse. „Leider sind hier unsere negativen Erwartungen eingetreten und die geopolitische Weltlage ist durch die Situation in Syrien und im Irak noch angespannter, als man befürchten konnte“, erläutert IHK-Sprecher Thomas Rudolff. Der in einer Umfrage unter 441 Unternehmen aus Nordhessen ermittelte Klimaindex über alle Branchen fällt demnach auf 111,1 Punkte. Im Sommer hatte der Wert noch bei 116,7 Punkten gelegen, im Vorjahr allerdings nur bei 108,9.

Ihre gegenwärtige Lage bezeichneten 30,3 Prozent der befragten Unternehmen mit gut, 58,7 Prozent als befriedigend. Insbesondere Einzelhandel und Gastronomie melden gute Werte. Das größte Risiko für ihr Geschäft sehen die Firmen in der Inlandsnachfrage.

Bedenklich sei die Tatsache, dass eine große Anzahl von Unternehmen die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen als größtes Risiko für die kommenden zwölf Monate benenne. Rudolff: „Das sollte die Politik zu Kenntnis nehmen und nicht einfach zur Tagesordnung übergehen.“

Denn auch für 2015 verdunkele sich der konjunkturelle Himmel zusehends. Für Europa gelte, dass die Ukraine-Krise gelöst werden müsse. Gleichzeitig müssten die Hausaufgaben in den einzelnen Ländern der Europäischen Union gelöst werden. „An vorderster Front stehen hier Italien und Frankreich. Diese beiden europäischen Schwergewichte kommen nur in homöopathischen Dosen voran. Wenn dann auch noch der Musterschüler Deutschland schwächelt und wesentliche Punkte der Agenda 2010 wieder rückgängig gemacht werden, dann ist das Feld für eine gefährliche Mischung in Sachen Konjunkturrisiken bereitet“, sagt der IHK-Sprecher. Die Exporteure haben ihre Erwartungen bereits heruntergeschraubt: 10,8 Prozent (Vorbericht 3,8 Prozent) gehen von einem fallenden Exportvolumen aus.

Die Dynamik am Arbeitsmarkt sei ebenfalls fürs erste vorbei, analysiert Rudolff. Nur noch 6,4 Prozent der Unternehmer in Nordhessen rechnen mit einem steigenden Beschäftigungsniveau (Vorbericht 10,6 Prozent, Vorjahr 9,5 Prozent). Fachkräfte hätten aber nach wie vor gute Chancen am Markt, so der IHK-Sprecher.

Von Lutz Benseler

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