Schnellere Hilfe bei Notfällen

Wunsch nach einem eigenen Rettungshubschrauber für zwei Landkreise

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Soll schnelle Hilfe bringen: Der Rettungshubschrauber Christoph 7 ist in Kassel am Rotkreuz Krankenhaus stationiert. Dies ist einer der Standorte, von wo aus Waldeck-Frankenberg angeflogen werden kann.

Rettungshubschrauber waren im vergangenen Jahr in Waldeck-Frankenberg 182 mal im Einsatz, bei 25 650 Notrufen.

Im Schwalm-Eder-Kreis wurde im selben Zeitraum 145 Mal ein Rettungshubschrauber angefordert. „Er ist das schnellste Rettungsmittel“, sagt der dortige Landrat Winfried Becker. Er hatte Anfang des Jahres den Gedanken geäußert, sich für einen Hubschrauber für die Kreise Schwalm-Eder und Waldeck-Frankenberg stark zu machen. 

Becker hatte die Gründe für seine Idee erläutert: Der Schwalm-Eder-Kreis sei ein großer Flächenkreis mit weiten Wegen. Um diesen „bodengebunden zu bedienen, braucht man ein dichtes Rettungswachennetz“.

Zudem sei es mitunter schwierig, im Notfall tatsächlich einen Hubschrauber zu bekommen. Für Waldeck-Frankenberg sind das die Standorte Kassel, Göttingen, Siegen, Fulda, Gießen und Bielefeld. Mal spiele das Wetter nicht mit, dann wieder die Auslastung. Einsätze an den jeweiligen Rettungshubschrauber-Standorten hätten im Ernstfall Vorrang. Man müsse die Diskussion anstoßen, ob in ländlichen Regionen mehr Unterstützung aus der Luft nicht schneller und sinnhafter wäre.

Ministerium macht wenig Hoffnung

Die Landkreise haben aber auf die Verteilung der Standorte für die Luftrettungswachen keinen Einfluss, sagt die Kreisverwaltung von Waldeck-Frankenberg auf Nachfrage. Der Träger der Luftrettung ist das Land Hessen. Wenn es einen zusätzlichen Hubschrauber geben soll, müsse der Bedarf nachgewiesen werden, erklärt Alice Engel, Pressesprecherin des zuständigen Sozialministeriums. Ihre Aussage macht wenig Hoffnung: „Der Wunsch nach Zuweisung eines Hubschraubers für zwei Landkreise ist nicht sehr realistisch.“

Die vorhandenen Hubschrauber würden sehr große Bereiche abdecken, die deutlich über zwei Landkreise hinausgingen. Zudem koste ein Hubschrauber mehrere Millionen Euro. Hinzu kämen die Kosten für die notwendige Infrastruktur. Diese Kosten würden über die Abrechnung der Einsätze von den Krankenkassen getragen.

Es kann zu Verzögerungen kommen

Das Land legt fest, wo Rettungshubschrauber stationiert sein sollen. Ein Hubschrauber muss den Einsatzort demzufolge nach höchstens 60 Kilometern erreichen können. Nach Einschätzung der Kreisverwaltung können die Notfälle im Kreisgebiet gut abgedeckt werden. „Die Einsätze werden im Notfall so disponiert, dass die Flugzeit so gering wie möglich gehalten werden kann.“ Zu Verzögerungen könne es wetter- oder einsatzbedingt kommen. Dann werde der nächste verfügbare Rettungshubschrauber eingesetzt.

Nach der Gewalttat am Rosenmontag in Volkmarsen, bei der ein Auto in eine Menschenmenge gefahren war und viele Menschen verletzt wurden, waren drei Rettungshubschrauber im Einsatz. Diese haben die Verletzten in Fachkliniken und Traumazentren gebracht, antwortete die Kreisverwaltung, bei der die Leitstelle angesiedelt ist. „Es hätten weitere acht Rettungshubschrauber zur Verfügung gestanden, die jedoch wetterbedingt nicht starten konnten.“ Für den Tag hatte der Deutsche Wetterdienst vor Sturm gewarnt.

Schnelle Versorgung auch bei Kindern

Rettungshubschrauber können auch entscheidend sein, wenn es um eine möglichst schnelle Versorgung von verletzten Kindern geht, auch weil es in Waldeck-Frankenberg keine Kinderklinik gibt. Babys und Kleinkinder werden bei Notfällen im Kreis erstversorgt und üblicherweise in einer nächstgelegenen Kinderklinik wie in Kassel, Paderborn oder Marburg weiter behandelt. Grundsätzlich ist jeder, der einen Notfall bemerkt, verpflichtet, direkt vor Ort Erste Hilfe zu leisten. „Knochenbrüche von Kindern können im Allgemeinen auch in den Krankenhäusern im Landkreis gut behandelt werden“, heißt es auf Nachfrage beim Kreis. 

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