Mehr als 20 heimische Fleischer nehmen an Freiwilliger Selbstkontrolle teil

Wurst auf dem Prüfstand

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Schneiden, riechen, genau hinsehen und essen: Bei der freiwilligen Selbstkontrolle nahmen Verbraucher und Experten insgesamt 75 Produkte unter die Lupe. „Sinnvoll, um nicht betriebsblind zu werden“, befanden Gerhard Brühl von der Kreishandwerkerschaft, Obermeister Hans-Georg Schneider, Ehrenlandesinnungsmeister Rudolf Münch und Kreislandwirt Fritz Schäfer.Fotos: Demski

Waldeck-Frankenberg - Was schmeckt, entscheidet der Kunde: Und deswegen gibt es bei der freiwilligen Selbstkontrolle der Fleischerinnung nicht nur Punkte von den Experten, sondern auch vom Verbraucher. In diesem Jahr nahmen 22 Mitgliedsbetriebe mit 75 Proben teil.

Hedi Zielz gabelt genüsslich ein Stück Fleischwurst auf, nimmt es genau unter die Lupe und lässt es sich dann schmecken. „Einmalig gut“, murmelt sie und nimmt den Stift zur Hand. Die Benotung funktioniert wie in der Schule: War es lecker gibt es ein „sehr gut“. Inzwischen hat Sitznachbarin Jutta Rietensek ein weiteres Stück Wurst an Land gezogen. „Sollen wir jetzt mal das hier probieren?“ fragt sie und schneidet ein Stück der geräucherten Bratwurst ab. Insgesamt 75 Wurstproben stehen auf dem großen Tisch, um den die 13 Frauen vom „Netzwerk Haushalt“ Platz genommen haben. Sie sind an diesem Tag zuständig für die Verbraucher-Note. Das ist gute alte Tradition bei der freiwilligen Selbstkontrolle der Fleischerinnung in Waldeck-Frankenberg. Während gleich nebenan Fachleute aus benachbarten Landkreisen die Produkte prüfen, nehmen auch die Korbacher Damen ihre Aufgabe sehr ernst.

Jedes Produkt dreimal unter der Lupe

„Ihre Noten und ihr Rat sind am Ende entscheidend für uns“, sagt Obermeister Hans-Georg Schneider. Denn nicht eine gute Note mache die Wurst zu einer guten Wurst, sondern das Urteil der Verbraucher. Tipps nimmt er gerne an, bessert bei der Rezeptur auch mal nach und hofft so, nicht betriebsblind zu werden. „Wir Fleischer brauchen diese Rückmeldung von außen dringend“, sagt er. 21 Kollegen aus dem Landkreis sehen das ähnlich und haben sich deswegen für die Selbstkontrolle angemeldet. Schneider hätte sich ein bisschen mehr Resonanz gewünscht.

Alle 75 Produkte werden ins unabhängige Labor in Bad Nauheim geschickt, wo sie mikrobiologisch untersucht werden. Als zweites gehen sie über das Frühstücksbrettchen der Verbrauchergruppe und als drittes nehmen die geschulten Sachverständigen aus Lebensmittelüberwachung und Fleischerhandwerk die Produkte unter die Lupe. Wer ihnen gestern im Berufsbildungszentrum der Kreishandwerkerschaft über die Schulter blickt, bekommt einen Eindruck von ihrer Arbeit. Schneiden, genau hinsehen, riechen und schmecken: Wenn alles zu ihrer Zufriedenheit ausfällt, geben die Prüfer die volle Punktzahl - manchmal gibt es dazu noch einen guten Tipp. Jedes Manko bedeutet Punktabzug. Alle Produkte, die von den Fachrichtern nicht mehr als einen Abzug und makellose Ergebnisse aus dem Labor bekommen, erhalten am Ende die Urkunde, die sie als „Qualitätsprodukt aus Hessen“ kennzeichnet. „Das hilft auch dem Verbraucher bei der Orientierung“, sagt der Obermeister.

Die Ergebnisse der aktuellen Prüfung liegen in den nächsten Wochen vor. Wer den Hausfrauen allerdings auf den Teller und ins Gesicht gesehen hat ahnt: Es hat geschmeckt.

Von Theresa Demski

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