Quote in Waldeck-Frankenberg steigt um 0,1 Punkte auf 3,9 Prozent

Zahl der Arbeitslosen im Kreis ist im Dezember saisonüblich gestiegen

ARCHIV - 29.02.2016, Brandenburg, Potsdam: Das Logo der Agentur für Arbeit. Die Arbeitsinitiative Letschin wird als vierter Sozialbetrieb bei der Qualifizierung von Langzeitarbeitslosen öffentlich gefördert. (zu „Vierter Sozialbetrieb macht Langzeiterwerbslose für Arbeitsmarkt fit“ vom 19.03.2018) Foto: Ralf Hirschberger/dpa-Zentralbild/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Die Zahl der Arbeitslosen in Waldeck-Frankenberg ist im Dezember saisonüblich gestiegen – allerdings nur in einem geringen Umfang. Die Quote steigt auf 3,9 Prozent.

Die Zahl der Arbeitslosen im Kreis ist im Dezember saisonüblich gestiegen – allerdings nur in einem geringen Umfang. Das berichtete der Chef der Korbacher Agentur für Arbeit, Uwe Kemper, am Dienstag. Der Markt erweise sich auch in der Corona-Krise als „widerstandsfähig“.

  • In Waldeck-Frankenberg waren im Dezember 3428 Menschen auf Jobsuche. Die Arbeitslosenquote steigt leicht auf 3,9 Prozent.
  • 143 Betriebe im Kreis haben im Dezember für bis zu 1321 Beschäftigte neu Kurzarbeit angezeigt.
  • Der Zugang an offenen Stellen war im Dezember im Agenturbezirk erneut rückläufig, es wurde 593 Stellen neu gemeldet, 60 weniger als im November.

Waldeck-Frankenberg –  In Waldeck-Frankenberg waren im Dezember 3428 Menschen auf Jobsuche, 79 mehr als im November, ein Plus von 2,4 Prozent. Aber es sind 494 mehr als im Dezember 2019, ein Plus von 16,8 Prozent. Die Arbeitslosenquote steigt um 0,1 Punkte auf 3,9 Prozent, sie liegt damit um 0,6 Punkte höher als im Dezember 2019.

Zahlen im Agenturbezirk:

Zum Bezirk der Korbacher Agentur gehören die Kreise Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder. Dort waren zum Stichtag 10. Dezember 7081 Menschen arbeitslos gemeldet, 91 mehr als im November, ein Plus von 1,3 Prozent. Gegenüber den Vorjahr sind es 1125 mehr, ein Zuwachs um 18,9 Prozent. Die Quote bleibt bei 3,8 Prozent, im Dezember 2019 hatte sie 3,2 Prozent betragen.

Zunahme zum Teil Corona-bedingt

Ein Zugang von 91 Arbeitslosen sei „absolut normal“, sagte Kemper. Die Zahl liege im Schnitt der vorigen fünf Jahre. Dennoch zeigten sich zum Teil die Auswirkungen des Corona-bedingten Lockdowns. So gebe es Zugänge aus dem Gastgewerbe, das derzeit weitgehend geschlossen ist. Vor dem Lockdown habe das Gastgewerbe noch mehr offene Stellen gemeldet, das zeuge von Optimismus und Leistungsstärke.

Deutlich erkennbar sei, dass der Agenturbezirk eine günstigere Entwicklung aufweise als andere Landesteile. Dies liege auch am guten Branchenmix, der schon seit Jahren dazu beitrage, Krisen gut zu bewältigen. Die Unternehmen seien schnell in der Lage, sich auf Marktveränderungen einzustellen.

Lage im Kreis:

Ein Blick auf die drei Geschäftsstellen der Agentur im Kreis:

  • In Korbach mit Bad Wildungen waren im Dezember 1585 Menschen ohne Arbeit gemeldet, neun mehr als im November, aber 142 mehr als vor einem Jahr – ein Plus von 9,8 Prozent. Die Quote liegt unverändert bei 3,8, im Vorjahr lag sie bei 3,5 Prozent.
  • In Frankenberg sind 1074 Arbeitslose erfasst, 38 mehr als im November, ein Plus von 3,7 Prozent. Gegenüber dem Vorjahr sind es 238 Arbeitslose mehr, ein Anstieg von 28,5 Prozent. Die Quote steigt um 0,1 Punkte auf 3,7 Prozent, im Vorjahresmonat lag sie bei 2,9 Prozent. Im Agenturbezirk hat nur Fritzlar-Homberg mit 3,5 Prozent eine bessere Quote.
  • In Bad Arolsen sind 769 Menschen auf Arbeitssuche, 32 mehr als im November, ein Plus von 4,3 Prozent. Im Dezember des Vorjahres waren es 114 Betroffene weniger, das macht 17,4 Prozent aus. Die Quote steigt auch in Bad Arolsen um 0,1 Punkte auf 4,3 Prozent, im Dezember 2019 lag sie um 0,6 Prozentpunkte niedriger.

Kurzarbeit auf dem Niveau des Vormonats

143 Betriebe im Kreis haben im Dezember für bis zu 1321 Beschäftigte neu Kurzarbeit angezeigt – im November waren es 186 Betriebe, im Oktober elf.

Im Agenturbezirk bewegten sich die Anzeigen auf dem Niveau des Vormonats, berichtet Kemper: Bis zum Stichtag 28. Dezember haben 286 Betriebe für bis zu 2018 Beschäftigte neu Kurzarbeit angezeigt, im November waren es 292, im Oktober nur 23 Unternehmen.

Auf Kreisebene liegen Hochrechnungen zur tatsächlichen Kurzarbeit bis Juli vor: Danach waren in Waldeck-Frankenberg 7298 Beschäftigte in 626 Betrieben in Kurzarbeit, im Juni waren es 11 199 in 792 Unternehmen. Die Kurzarbeit habe entlastend auf den Arbeitsmarkt gewirkt, betonte Kemper.

Weniger offenen Stellen

Der Zugang an offenen Stellen war im Dezember im Agenturbezirk erneut rückläufig, es wurde 593 Stellen neu gemeldet, 60 weniger als im November. Insgesamt liegt der Bestand weiter auf niedrigem Niveau bei 2516, das sind 92 weniger als im November und 278 weniger als im Dezember 2019.

Beim Arbeitslosengeld I habe es im Dezember ein Steigerung im 24 Prozent gegeben, berichtete Kemper. Bei der Grundsicherung seien es zehn Prozent mehr im Vergleich zum November und sogar 18,1 Prozent mehr im Vergleich zum Vorjahr.

Mehr Langzeitarbeitslose

Seit April verzeichnet die Agentur einen kontinuierlichen Anstieg der Langzeitarbeitslosen – davor waren die Zahlen jeden Monat etwas zurückgegangen. Ein Grund für den Anstieg: Bei den Firmen sei der Druck nicht mehr so groß, mehr Leute einzustellen, um die hohe Auftragslage zu bewältigen, berichtet Uwe Kemper. Vorher hätten sie Zugeständnisse bei Bewerbern gemacht. Zweiter Grund: „Firmen heben ihre Mitarbeiter auf ein höheres Qualifikationsniveau.“ Im Gegenzug gebe es weniger Helferstellen. Dabei hätten gerade Langzeitarbeitslose Nachschulungsbedarf oder persönliche Hemmnisse.

Die Agentur müsse trotz Corona ihre „Gestaltungskraft“ weiterentwickeln. „Wir müssen sehen, wie es uns gelingt, diese Menschen in qualifizierende Maßnahmen einzubinden“, sagte Kemper.

Ausländer sind vom Wirtschaftswandel betroffen

Neben Langzeitarbeitslosen und über 55-Jährigen traf es besonders Ausländer. Im Dezember waren 1567 arbeitslos gemeldet, das entspricht einem Plus von 29,2 Prozent gegenüber dem Dezember 2019 – viele Flüchtlinge hatten einfache Helfertätigkeiten angenommen, viele davon sind in der Corona-Krise weggefallen.

Ohnehin findet in der Wirtschaft ein Wandel statt, der schon im dritten Quartal 2019 erkennbar war und sich durch die Corona-Krise noch verstärkt: Unternehmen setzten zunehmend auf die Weiterbildung ihres Personals, einfache Helfertätigkeiten fallen damit weg. Konsequenz für die Agentur: Mehr Qualifizierung ist erforderlich, um Arbeitslose wieder in den Markt zu integrieren. (-sg-)

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