Corona-Effekt am Ausbildungsmarkt – „Befürchteter Einbruch“ bleibt aber aus

Weniger Lehrstellen und weniger Bewerber

Stephanie Paar lässt sich im Korbacher Bauunternehmen Wachenfeld zur Industriekauffrau ausbilden.
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Sie hat eine Lehrstelle gefunden: Stephanie Paar lässt sich im Korbacher Bauunternehmen Wachenfeld zur Industriekauffrau ausbilden.

Waldeck-Frankenberg – Die Corona-Pandemie hat sich auch auf dem Ausbildungsmarkt ausgewirkt: Zwischen Oktober 2019 und September 2020 ist die Zahl der Bewerber und die Zahl der Lehrstellen zurückgegangen. Das berichtete der Leiter der Korbacher der Agentur für Arbeit, Uwe Kemper, am Freitag in einer Ausbildungsbilanz.

Eine „gute Botschaft“ hatte er aber: Von einer „verlorenen Generation“ oder einem „Ausbildungsjahrgang Corona“ könne keine Rede sein –der im Frühjahr befürchtete „breite Einbruch“ bei der Ausbildung lasse sich an den Zahlen nicht ablesen. Dazu hätten die Berufsberater, die Schulen und die Netzwerk-Partner in der Wirtschaft ihren Beitrag geleistet.

In Waldeck-Frankenberg sank die Zahl der gemeldeten Lehrstellen um 50 auf 1229, ein Minus von 3,9 Prozent. Die Zahl der Bewerber sank um 64 auf 1053, das sind 5,7 Prozent weniger als im Vorjahr. Ende September standen 87 offenen Stellen 94 unversorgte Bewerber gegenüber – im Vorjahr waren es 61 offene Stellen und 94 Jugendliche ohne Ausbildungsplatz.

Uwe Kemper

Im Agenturbezirk mit dem Kreisen Waldeck-Frankenberg und Schwalm-Eder habe sich die Zahl unbesetzten Lehrstellen von 3,3 Prozent im vorigen Jahr bis Ende September auf 6,6 Prozent erhöht. „Jede siebte Lehrstelle ist unbesetzt geblieben.“ Die Zahl der unversorgten Bewerber habe sich von 3,5 Prozent im Vorjahr auf 7,8 Prozent verdoppelt. Insgesamt sei es dennoch „ein moderater Anstieg“, urteilte Kemper.

Bei den offenen Lehrstellen handele es sich meist um Berufe, „die nicht auf der Hitliste“ der Jugendlichen stünden. In diesem Jahr seien aber auch die Betriebe zögerlicher gewesen, „Kompromisse einzugehen“ und auch schwächeren Bewerbern eine Chance zu geben.

Viele seien vorsichtig, deshalb sei auch die „Nachvermittlungsaktion“ im Herbst nicht so erfolgreich gewesen wie in Vorjahren – noch immer werden Stellen besetzt. Viele Betriebe warteten wegen der Lage bis 2021, bis sie wieder Lehrstellen anböten.

Auch die Leiterin der Korbacher IHK-Servicezentrums, Carolin Dobersch, und der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Kai Bremmer, berichteten von weniger eingetragenen Ausbildungsverträgen.

Berufsorientierung 2020 deutlich erschwert

In der Corona-Pandemie 2020 war es schwerer, ausbildungsbereite Jugendliche und Betriebe zusammenzubrignen, der „Lockdown“ im Frühjahr mit geschlossen Schulen erschwerte Kontakte zwischen Schülern, Beratern und Betrieben. Ausbildungsmessen fielen aus, Betriebspraktika waren kaum möglich. Dennoch sei es dank gemeinsamer Anstrengung von Arbeitgebern, Kammern und Arbeitsagentur gelungen, dass es keinen „Jahrgang Corona“ gebe, sagte Uwe Kemper.

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