Korbacher Finanzamt  Bei zwei Prüfungen mehr als 77.000 Euro erzielt

Mehr Einkommensmillionäre im Landkreis, aber wenige Prüfungen

Waldeck-Frankenberg – Die Zahl der „Einkommensmillionäre“ nimmt seit Jahren zu – allein von 2013 bis 2014 ist sie im Kreis von 73 auf 79 gestiegen.

Doch Finanzbeamte lassen sich bei ihnen immer seltener blicken: Nach einer Aufstellung des Bundesfinanzministeriums ist die Zahl der Betriebsprüfungen bei „Steuerpflichtigen mit bedeutendem Einkommen“ zwischen 2010 und 2017 von 1838 auf 1170 gesunken – ein Minus von 36 Prozent. Dem Staat seien dadurch mindestens 138 Millionen Euro an Steuereinnahmen entgangen, berichtet das ZDF.

Hessen halte seine „Prüfdichte“ auf einem hohen Niveau, beteuert hingegen Finanzminister Thomas Schäfer auf Nachfrage unserer Zeitung: Neben der jährlichen Prüfung der Steuererklärung müssten „Einkommensmillionäre“ alle sieben Jahre mit einer Außenprüfung rechnen, damit liege Hessen bundesweit an der Spitze.

Landesweit 227 Prüfungen

Das Finanzamt Korbach/Frankenberg habe allein 2018 bei zwei Außenprüfungen ein Mehrergebnis von 77 184 Euro erzielt, berichtet Schäfer. Landesweit seien bei 227 Prüfungen 6,7 Millionen Euro zusammen gekommen. Außerdem erhöhe Hessen die Zahl der Finanzbeamten.

Doch bundesweit sei das Steueraufkommen der „Einkommensmillionäre“ zwischen 2010 und 2017 von 404 Millionen auf 266 Millionen Euro gesunken, berichtet das ZDF. Der Bundesrechnungshof habe schon 2006 moniert, dass eine Prüfquote von 15 Prozent zu niedrig sei. Folgen: keine. Dabei führten Prüfungen in 75 Prozent der Fälle zu „deutlichen“ Steuermehreinnahmen, sagt Thomas Eigenthaler von der Deutschen Steuergewerkschaft. Für ihn ist der Rückgang der Prüfungen „ein glatter Fall von Steuerungerechtigkeit“.

2014 waren unter den bundesweit 40,2 Millionen Steuerpflichtigen rund 19 000 „Einkommensmillionäre“ – aktuellere Zahlen haben die Statistik-Ämter nicht. In Waldeck-Frankenberg waren es 79, darunter 19 Einwohner mit einem Einkommen von mehr als einer Million Euro im Jahr.

"Bedeutende Einkünfte"

Der Begriff Einkommensmillionär stammt noch aus der Zeit der D-Mark. Er bezeichnete Steuerzahler, die mit ihrem Gehalt, mit Kapitalzinsen, Mieteinnahmen oder anderen Einkünften mehr als einer Million Mark im Jahr verdienten. Mit der Umstellung auf den Euro wurden daraus 500 000 Euro. Die Finanzbehörden sprechen daher heute lieber von Leuten „mit bedeutenden Einkünften“. Von den Einkommensmillionären zu unterscheiden sind die Vermögensmillionäre.

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