Großes Angebot, wenig Personal

"Grenzwelten" um Waldeck-Frankenberg sind seit zehn Jahren „Nationaler Geopark“

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Symbol des Geoparks: Der "Urzeitdackel" Procynosuchus, hier ein Modell am Geofoyer Kalkturm nahe des Funorts in der Korbacher Spalte.

Waldeck-Frankenberg. Seit zehn Jahren sind die "GrenzWelten" als nationaler Geopark anerkannt. Für Freunde der Erdgeschichte bieten sie viel - und stehen vor Herausforderungen.

Seit 2009 darf sich der Geopark „GrenzWelten“ mit dem Prädikat „Nationaler Geopark“ schmücken. Drei Jahre nach der Gründung bestätigte die Verleihung des Zertifikats damit seine bundessweite Bedeutung. Um das Qualitätssiegel zu behalten, muss sich das Projektbüro in Korbach alle fünf Jahre neu darum bewerben – so auch 2019.

Laut Norbert Panek, dem Leiter des Projektbüros, wurde ein 35-seitiger Fortschrittsbericht im Mai bei der „GeoUnion Alfred-Wegener-Stiftung“ in Potsdam eingereicht. Eine Experten-Kommission wird den Antrag begutachten und den Park voraussichtlich bereisen. Mit dem Ergebnis wird im Herbst gerechnet.

Geopark Grenzwelten bietet weltweit einzigartige Orte

Der Geopark „GrenzWelten“ erstreckt sich über 3730 Quadratkilometer im Übergangsbereich vom Rheinischen Schiefergebirge zur Niederhessischen Senke. Er beherbergt ein gutes Dutzend national und international bedeutender Erdaufschlüsse und Fossilienfundstätten, teilt das Projektbüro mit. 

Mindestens fünf davon haben Welt-Bedeutung, darunter die „Korbacher Spalte“ und die Saurierfährten-Fundstelle bei Wolfhagen. Aktuelle Forschungsergebnisse zum Fundmaterial der „Korbacher Spalte“ belegen die global einzigartige Zusammensetzung der nachgewiesenen fossilen Fauna. Sie sei somit neben der als UNESCO-Welterbe anerkannten „Grube Messel“ das bedeutendste paläontologische Bodendenkmal in Hessen, erklärt Panek. 

Die Korbacher Spalte liegt inmitten des Geoparks und bietet einzigartige Funde.

In den vergangenen Jahren wurde die Infrastruktur des Geoparks kontinuierlich ausgebaut. Mit der Eröffnung des „Geo-Foyers Kalkturm Korbach“ im Jahr 2015 bestehen drei Einrichtungen dieser Art, zwei weitere sind in Hochsauerland und Wolfhager Land geplant. Zudem gibt es 22 Geo-Wanderpfade und 45 Geo-Infostationen. Einrichtungen wie das Info-Center an der „Grube Christiane“ in Adorf, der Goldwelten-Claim in Mehlen, die Geo-Infostube im Ohl bei Usseln und die neun Besucherbergwerke bereichern das Angebot des Geoparks. 

Seit 2017 wird dieses in einer „Geotouristischen Übersichtskarte“ beworben, die kostenlos beim Projektbüro erhältlich ist. Rund 20 ausgebildete Geoparkführer bieten regelmäßig Wanderungen durch die Erdgeschichte an. Die jährlich rund 80 Führungen frequentieren im Schnitt von rund 500 Gäste. 

Geopark Grenzwelten soll Aushängeschild und Lernort sein

Rund 139 000 Euro aus Kreiszuwendungen hat das Projektbüro in den vergangenen fünf Jahren investiert. Der Hauptteil floss in die Öffentlichkeitsarbeit und den Anschub örtlicher Infrastruktur-Projekte. Durch die Beteiligung an den Hessentagen in Hofgeismar 2015 und Korbach 2018 habe sich der Bekanntheitsgrad des Geoparks erheblich verbessert, so Panek: Er habe sich unverkennbar zu einem weiteren „Aushängeschild“ der Region entwickelt. 

Neun Besucherbergwerke bietet der Geopark, hier das in Goldhausen.

Die Arbeit des Projektbüros konzentriere sich seit vergangenem Jahr auf den Umweltbildungsbereich und die Etablierung als „außerschulischen Lernort“. Hierzu wurde 2014 das Projekt „Geopark-Schule“ ins Leben gerufen; es soll ausgebaut werden. Außerdem wird der Geopark den „Geotopschutz“ zukünftig stärker ins Visier nehmen.

Personaldecke des Geoparks Grenzwelten ist kritisch

Die erfolgreiche Arbeit im Geopark werde vor allem von einem Netzwerk ehrenamtlicher Helfer getragen, sagt Norbert Panek. Ohne könne er nicht existieren, doch es müsse betreut und gepflegt werden, was viel Zeit und Kraft koste. Das Projektbüro sei aber erst seit einem halben Jahr mit einer weiteren halben Fachstelle zusätzlich zu Panek selbst besetzt: „Mit dieser schwachen Personaldecke kann ein Gebiet in dieser Größenordnung – 60-mal größer als der Nationalpark Kellerwald – auf Dauer nicht vernünftig betreut werden.“ Zuvor hatte es eine Viertelstelle für Hilfe bei der Verwaltung gegeben. Er weise darauf seit Jahren hin, auch die Evaluierungskommission habe die Situation angemahnt.

Viele gute Projekt-Ideen landeten in der Schublade, weil die Kapazitäten fehlen, um sie umzusetzen: Das seien ganz alltägliche Dinge wie die Publikation von Broschüren zu Fossilien-Funstätten und Umweltbildung, das Verteilen von Werbematerial, auch die Arbeit mit den Geopark-Schulen liege etwas auf Eis. 20 bis 30 Geotope im Kreis müssten betreut werden, um den Bedarf an Pflegemaßnahmen festzustellen und diese anzuleihern.

Die Spuren der Erdgeschichte und die Eingriffe des Menschen lassen sich im Geopark Grenzwelten nacherleben - etwa im Braunkohlemuseum Borken.

„Ich vermisse eine Wertschätzung unserer Arbeit und in der Personalfrage eine nachhaltige Unterstützung seitens des Landkreises Waldeck-Frankenberg als Träger des Geoparks“, konstatiert Panek.

Zukunftsvisionen für den Geopark Grenzwelten

Auch vom Land Hessen wünsche er mehr Unterstützung. Die Beiträge zu Geotopschutz, Regionalentwicklung und Umweltbildung liegen im staatlichen Interesse und sollten finanziell gefördert werden – ähnlich wie die Naturparke, die vom Land eine „Verwaltungskostenpauschale“ erhalten. Die Aufgaben seien ähnlich – nur würden Geoparks bundesweit stiefmütterlich behandelt.

Zudem sollte die Fossilienfundstätte „Korbacher Spalte“ als potenzielles UNESCO-Weltnaturerbe stärker in den Fokus der Öffentlichkeit rücken, gerade im Licht neu entdeckter, vorher unbekannter Amphibienarten. Das Projektbüro hatte dazu bereits beim Land Hessen die Erstellung einer „Machbarkeitsstudie“ angeregt. Das Land halte sich bislang sehr zurück. „Wir haken noch einmal nach“, kündigt Norbert Panek an.  red/wf

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