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Eine Region steht auf gegen Rechts: Demonstration mit Tausenden Teilnehmern in Kassel

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10.000 Menschen kamen zur der Kundgebung.

In Kassel sind am Donnerstag Tausende Menschen zusammengekommen, um nach dem Mord an Regierungspräsident Walter Lübcke ein Zeichen gegen Hass, Hetze und Rechtsextremismus zu setzen. 

10.000 Menschen waren es nach offiziellen Angaben, die sich am Donnerstagabend auf dem Schlossplatz vor dem Regierungspräsidium in der Kasseler Innenstadt versammelt hatten. Die Kulisse war beeindruckend.

Um 17 Uhr sollte die große Kundgebung vor dem Regierungspräsidium starten, mit der Kassel und die Region ein Zeichen gegen Rechts setzten. Man begann 15 Minuten später - zu viele Menschen strömten noch auf die Wiese zwischen Steinweg und Präsidium.

Ergreifend war es, als Kassels Oberbürgermeister Christian Geselle (SPD) die Familie des ermordeten Walter Lübcke ansprach („Ihnen gilt unser besonderes Mitgefühl“) und um eine Schweigeminute bat. Es herrschte Stille über der Versammlung.

Zuvor gab sich Geselle kämpferisch: „Kassel ist nicht der braune Sumpf der Nation“ sprach er Kommentare an, wonach die Stadt so etwas sei wie eine Nazi-Hochburg.

Deshalb sende man mit der Kundgebung „ein beeindruckendes Signal“ in die Republik: „Wir sind eine liebenswerte, weltoffene, auf dem Grundgesetz stehende Stadt“.

Hessens Justizministerin Eva Kühne-Hörmann (CDU) dankte den Demonstranten, die so zahlreich erschienen waren. „Das ist ein ganz starkes Signal“. Die Justizministerin dankte ausdrücklich der Polizei und der Staatsanwaltschaft für ihre schnellen und offensichtlich erfolgreichen Ermittlungen. Auch dafür gab es viel Beifall.

Ebenso für die Rede von Martin Hein, dem Bischof der Evangelischen Kirche von Kurhessen-Waldeck. Die Kundgebung sei auch Ausdruck der Hochachtung, des Respekts und der Dankbarkeit gegenüber dem mutigen Eintreten von Walter Lübcke für Nächstenliebe und Humanität, sagte der Bischof.

Hein erinnerte auch an den Mord an Halit Yozgat im Jahr 2006. Es sei erschreckend, dass 13 Jahre später wieder ein politisch motivierter Mord in Kassel geschehen sei. Hein: „Das rüttelt uns als Stadtgesellschaft auf und eint uns, unseren Widerstand gegen alle Formen rechtsradikaler Gewalt zu zeigen.“ Der Bischof weiter: „Menschenrechte und Humanität dürfen bei uns niemals zur Disposition stehen. Die Würde des Menschen zu schützen, ist unser aller Aufgabe. Wer sie missachtet, sei es gewaltsam oder mit Worten, stellt sich außerhalb unseres demokratischen Gemeinwesens.

Die Kundgebung, betonte auch Bischof Hein, sei ein starkes Zeichen: „Mit uns nicht“.

Hein dankte auch den vielen Demonstranten. Dass es eine derart große Demo in Kassel schon einmal gab, an der sich Firmen, Gewerkschaften und viele andere Institutionen und Organisationen der Region beteiligten, daran konnte sich niemand erinnern.

Die Demo, bei der Kassel Flagge zeigte, wird so vielen in Erinnerung bleiben. Spätestens, als 10.000 das Lied „Imagine“ von John Lennon, vorgetragen von der Kasseler Musikschule, mitsummten oder sangen..

Zu der Kundgebung hatte ein breites Bündnis von Kirchen, Stadt und Kreis Kassel, Land Hessen, Gewerkschaften, Unternehmen sowie von allen nordhessischen Landkreisen und Landräten aufgerufen, um dreieinhalb Wochen nach dem Mord an Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke vor dessen ehemaligem Amtssitz für eine offene und friedliche Region zu demonstrieren.

Der Mord am Regierungspräsidenten und die Aufarbeitung waren am Donnerstag auch Thema einer Aktuellen Stunde im Bundestag sein. Schon am Mittwoch hatte Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble zu Beginn der Sitzungswoche Stellung bezogen. „Menschenfeindliche Hetze war in der Vergangenheit und sie ist auch heute der Nährboden für Gewalt, bis hin zum Mord“, sagte Schäuble. Wer diesen Nährboden dünge, mache sich mitschuldig. Schäuble: „Das sollte jetzt auch der Letzte verstanden haben.“

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