Projekt „Durchstarter“ mit neuem Kurs ab Herbst

Jugendliche in Ausbildung bringen: Zweite Chance für Abbrecher im Landkreis

In der Metallwerkstatt des Berufsförderungswerks: Projektleiter Per-Frederik Pelet, Lehrgangsteilnehmerin Mariam Kurschwili, Werkstattleiter Armin Leye, Teilnehmer Marvin Moos, Rainer Bremmer vom Jobcenter, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl, und Projektleiter Sven Knust.
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In der Metallwerkstatt des Berufsförderungswerks: Projektleiter Per-Frederik Pelet, Lehrgangsteilnehmerin Mariam Kurschwili, Werkstattleiter Armin Leye, Teilnehmer Marvin Moos, Rainer Bremmer vom Jobcenter, der Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, Gerhard Brühl, und Projektleiter Sven Knust.

Jugendliche, für die der Übergang von der Schule ins Berufsleben problematisch ist, sollen mit Hilfe des Projekts „Durchstarter“ den Weg in die Ausbildung finden.

Ein entsprechender Lehrgang richtet sich an junge Menschen, die trotz aller Beratungsangebote nicht den Weg in eine Ausbildung oder in Arbeit finden. Manchen von ihnen fehlt das Wissen um Berufe und Hilfen, andere wollen vom Lernen nichts mehr wissen.

Jeden Sommer verlassen Jugendliche zudem die Schule ohne Abschluss. Nach einer aktuellen Schätzung der Landesjugendämter könnte sich die Zahl der Abbrecher wegen der Corona-Beschränkungen sogar verdoppeln – auf bundesweit rund 210 000 Jugendliche in den Abschlussjahrgängen 2020 und 2021.

Keine Lust zum Lernern, keine Perspektiven fürs eigene Leben: Der Diplom-Sozialpädagoge Sven Knust vom Berufsförderungswerk des Hand-werks in Korbach kennt das: Manche Jugendliche hätten Phasen in ihrem Leben, in denen sie schwer erreichbar seien, schildert er. „Sie haben keinen Bock auf gar nichts.“ Sie bräuchten Hilfestellungen für einen neuen Anlauf.

Denn es gibt Wege, um Jugendliche doch noch ins Berufsleben einzugliedern: Sie können Schulabschlüsse etwa an den Beruflichen Schulen nachholen. Und sie könnten eine „zweite Chance nutzen, die in Arbeit mündet,“ sagt Knust: das von ihm geleitete Projekt „Durchstarter“. Der zwölfmonatige berufsorientierende Lehrgang biete „die Chance zum schulischen und beruflichen Neustart“.

Sven Knust, Leiter des Projekts „Durchstarter“

Teilnehmer müssen mindestens 16 Jahre und dürfen höchstens 26 Jahre alt sein. Derzeit wird der neue Kurs für den Herbst vorbereitet. Grund für die Pressesprecherin des Waldeck-Frankenberger Jobcenters, Julia Rusch, das Projekt vorzustellen.

„Stärken erkennen – Fähigkeiten entwickeln“ – so ist es überschrieben. Der Lehrgang will „Lebens- und Berufsperspektiven entfalten und berufspraktische Fertigkeiten in handwerklichen Berufsfeldern entwickeln“. Außerdem kann bei Bedarf der Haupt- oder der Realschulabschluss nachgeholt werden.

Danach gilt es, einen Arbeits- oder Ausbildungsplatz zu finden. Seit 2013 läuft der Lehrgang, 64 der 148 Teilnehmer bis 2020 haben ihre „zweite Chance“ genutzt: Zwölf haben im Anschluss einen Arbeitsplatz gefunden, 25 gingen in eine Ausbildung und 27 in eine Weiterqualifizierung.

Fördergelder aus der Europäischen Union

Das 2013 ins Leben gerufene Projekt „Durchstarter“ läuft beim Berufsförderungswerk des Handwerks in Korbach. 70 Prozent der Kosten übernehmen die EU und das hessische Sozialministerium. 15 Prozent trägt das Waldeck-Frankenberger Jobcenter, 15 Prozent der Landkreis. Bis 2020 gab es zehn neue Plätze pro Lehrgang, seitdem nur noch acht. Drei sind für Flüchtlinge vorgesehen, einen besetzt die Agentur für Arbeit.

Marvin hat seine Chance genutzt

Marvin Moos ist einer, der „durchgestartet“ ist: Im Herbst will der junge Korbacher beim Berufsförderungswerk des Handwerks in der Metallwerkstatt eine Ausbildung beginnen.

Nachdem er die Hauptschule mit Abschluss verlassen hatte, wusste er nicht, wie es für ihn weitergehen sollte. Eine Ausbildung im Kfz-Handwerk zerschlug sich. Beim Jobcenter in Korbach sprach er mit Rainer Bremmer, der einer der Ansprechpartner für das Projekt „Durchstarter“ ist. Bremmer erläuterte es ihm – und nachdem Marvin 16 geworden war, kam er im vorigen Oktober ins Projekt.

„Er hat seine Stärken und eine Menge Fähigkeiten hier entdeckt“, sagt Sven Knust vom Berufsförderungswerk, der das Projekt mit dem Betriebswirt und Ausbilder Per-Frederik Pelet leitet.

Marvin durchlief die Recyclingwerkstatt, in der Holzwerkstatt merkte er, dass der Umgang mit dem Werkstoff nichts für ihn ist. Auch in der Kfz-Werkstatt habe er Probleme gehabt, berichtet er.

So kam er in die Metallwerkstatt. Und siehe da: „Es macht mir sehr viel Spaß“, sagt Marvin, zwei, drei Monate sei er schon da. „Je länger die Leute hier sind, desto besser geht es voran“, sagt Werkstattleiter Armin Leye. Die flexiblen Praktikumszeiten der Projektteilnehmer sind für den erfahrenen Meister kein Problem: „Wer kommt ist da, wir integrieren alle.“

„Die Aufgaben sind simpel“, sagt Marvin und zeigt stolz eine selbstgebaute Uhr mit mehreren dreieckigen Metallschichten. Er durfte auch schon an einem Metallschrank schweißen. Derzeit arbeite er an einer Gewindeplatte, berichtet er. „Ich hoffe, dass ich meine Ausbildung hier machen kann.“

Marvins Ausbildung werde überbetrieblich im Berufsförderungswerk und in einem Praktikumsbetrieb laufen, berichtet Bremmer. Für Marvin sei es kein leichter Weg gewesen, sagt Pelet. Aber er sei ein „tolles Beispiel“ dafür, wie das Projekt „Durchstarter“ in eine Lehre münde.

Um die Plätze passgenau zu besetzen, habe das Jobcenter in jedem der vier Standorte im Kreis ein bis zwei feste Ansprechpartner für das Projekt, berichtet Pressesprecherin Julia Rusch. Sie werben gezielt um Teilnehmer.

Seit 2013 hat Knust mit dem Team des Berufsförderungswerks 164 Teilnehmer betreut – den jetzigen Lehrgang mitgerechnet. Die Teilnehmerzahl schwankte zwischen 16 und 25 pro Jahrgang. Seine Bilanz:

- Zwölf Teilnehmer haben danach Arbeit gefunden,

- sechs haben eine Lehre im Betrieb begonnen,

- 18 traten eine außerbetriebliche Ausbildung an,

- ein Teilnehmer begann eine schulische Ausbildung,

- 27 Teilnehmer gingen in weiterqualifizierende Bildungsgänge.

Außerdem schafften elf Teilnehmer während des Lehrgangs den Hauptschulabschluss und weitere vier die Mittlere Reife. Für die 16 Teilnehmer des aktuellen Lehrgangs lassen sich noch keine Angaben machen.

Allerdings hätten 14 Teilnehmer die Lehrgänge verlassen, berichtet Knust: Manche zogen weg, Frauen gingen in Elternzeit. Und trotz einer intensiven sozialpädagogischen Betreuung halten nicht alle durch und erscheinen einfach nicht mehr.

Es gebe immer wieder Abbrecher, erklärt Knust. Das Team versuche zwar, „Kein Bock“-Phasen abzufangen, „aber das klappt nicht immer.“ Julia Rusch, weiß aus ihrer Beratungserfahrung beim Jobcenter: „Manche brauchen ein paar Anläufe – und packen es dann.“

Um so wichtiger sei, das Projekt fortzusetzen, findet Knust: „Wir hoffen, Anfang September zum neun Mal durchstarten zu können.“

Weitere Infos zu dem Projekt gibt es hier

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