Lösungsansätze sind gefragt

Zwischenbilanz: Kassenbon-Pflicht wird akzeptiert, aber auch kritisiert

Kassenzettel und Münzen auf einem Ablagebrett
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Pflicht bei jedem Einkauf: Der Kassenbeleg muss auch bei kleinen Beträgen ausgedruckt werden. Häufig nehmen die Kunden den Bon aber gar nicht mit.

Steuerbetrug soll verhindert werden, doch um welchen Preis? Durch die Kassenbon-Pflicht haben die Einzelhändler seit Januar nicht nur mit viel Müll, sondern auch mit höheren Kosten und einem größeren Zeitaufwand zu kämpfen.

Wie gehen die Waldeck-Frankenberger Betriebe mit dem Gesetz um? Die WLZ fragte zwei Inhaber nach ihren Erfahrungen mit der Bon-Pflicht.

Bereits im Dezember berichteten wir über Dirk Weber. Der Sachsenberger ist Inhaber einer Bäckerei mit vier Filialen im gesamten Landkreis. Der Unmut bei seinen Kunden war groß. Sie schmissen die Kassenbelege vor die Ladentür und beschwerten sich lautstark und das, obwohl Weber nur das neue Gesetz erfüllte.

Mittlerweile hat sich die Lage wieder etwas entspannt. „Die Kunden haben sich daran gewöhnt“, sagt er, „trotzdem nehmen nur die Wenigsten den Bon mit nach Hause.“ Der Bäckermeister zeigt Verständnis: „Für ein Plunderteilchen ist ein Beleg nicht unbedingt nötig.“

Inhaber einer Bäckerei: Dirk Weber

Deshalb schlägt er vor: „Als Kompromiss fände ich es sinnvoll, wenn ab fünf Euro ein Beleg ausgedruckt würde. Bei Wunsch des Kunden natürlich immer.“ Die digitalen Kassen dokumentieren nämlich sowieso alle Verkäufe. „Die vielen Belege werden im Restmüll entsorgt“, sagt er, „so könnte ein Teil eingespart werden.“

Warum sind viele Kassenzettel auf einmal blau?

Seit Januar 2020 ist die Chemikalie Bisphenol A in Thermopapier verboten, da diese die Gesundheit schädigen kann. Die Substanz wurde als Farbentwickler auf der Oberfläche des weißen Kassenbon-Papiers aufgebracht und färbte sich unter dem Einfluss von Wärme schwarz. Viele Hersteller nutzten daraufhin als Alternative Bisphenol S, das jedoch aus Sicht des Umweltbundesamtes und der Umweltverbände kein wirklicher Fortschritt ist. Umweltfreundlicher soll nun der blaue Kassenzettel sein. Auf dem eigentlichen Papier wird eine dünne, schwarze Pigmentschicht aufgetragen, darüber eine Polymerschicht, die dem Papier die besondere, blaue Farbe gibt. Werden die Polymerkugeln Wärme ausgesetzt, verändern sie ihre Struktur und die Zahlen sind daraufhin in Schwarz zu sehen. Dieser Prozess funktioniert ohne chemische Farbentwickler, die Schrift hält deutlich länger als zuvor und die Belege können sogar im Altpapier entsorgt werden. (red)

Einen besonderen Einfall hatte Franz Kirchner. Der Inhaber der Korbacher Hirsch-Apotheke stellte Ende Januar eine Spendenbox vor der Kasse auf. Seine Idee: Die Kunden haben die Möglichkeit die unerwünschten Kassenbelege einzuwerfen und sorgen damit für eine Spende an einen guten Zweck. „Mit diesem Projekt möchten wir die Arbeit des TSV Korbach fördern“, berichtete er Anfang des Jahres.

Inhaber einer Apotheke: Franz Kirchner

Fünf Prozent jedes eingeworfenen Bons werden zu einem Gesamtbetrag addiert, der dann von der Apotheke gespendet wird. Über ein halbes Jahr nach dem Start der Aktion verrät er nun: „Der Verein kann sich schon jetzt auf eine schöne Summe freuen.“ Mit dem Gesetz ist Kirchner jedoch immer noch unzufrieden. „Die Bon-Pflicht kostet uns nach wie vor viel Zeit und ist meiner Meinung nach völlig überzogen.“

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