Audi A7: Der Chef-Dirigent

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Zwei Typen vor der Oper: Der Audi A7 will mit seinen Assistenzsystemen gerne dirigieren; Tester Michael Dürr mag sich das Steuer aber nicht aus der Hand nehmen lassen

Keine Frage: Audi hat mit dem A7 Sportback eine Reiselimousine par excellence auf die Räder gestellt. Der Komfort ist in der getesteten Ausführung mit Luftfederung...

...(belüfteten) Komfortsitzen und Dämmglas hervorragend die Straßenlage dank Vierradantrieb exzellent und der Vortrieb der Drei-Liter-Dieselmaschine mehr als ausreichend. Die 245 PS lassen sich zwar etwas Zeit, bis sie in die Puschen kommen, dann aber sorgen 500 Nm Drehmoment für nachdrücklichen Schub. Der Verbrauch ist dabei erfreulich moderat. Obwohl immerhin runde zwei Tonnen zu bewegen sind und flott gefahren wurde, gab sich der Audi im Test mit 7,6 Litern Diesel auf 100 Kilometer zufrieden.

Der neue Audi A7 Sportback

Der neue Audi A7 Sportback

AUDI A7 Sportback 3.0 TDI Quattro

6-Zylinder-Dieselmotor mit 7-Gang-Automatik Hubraum 2967 ccm Max.

Drehmoment 500 Nm
Höchsttempo: 250 km/h

Von 0 auf 100 km in 6,3 sec

Verbrauch: innerorts 7,2 Liter - außerorts: 5,2 Liter auf 100 k; kombiniert 5,9 Liter auf 100 km

Testverbrauch: 7,6 Liter auf 100 km

Tankinhalt: 75 Liter

Kofferraumvolumen 535/1390 Liter

Grundpreis: 58.100 Euro Testwagenpreis: 92.495 Euro

Dass der Sportback mit dem schrägen Heck und der riesigen (natürlich per Knopfdruck elektrisch zu öffnenden) Heckklappe kein Wunder in Sachen Raumökonomie sein kann, muss jedem Interessenten klar sein. Auf der anderen Seite dürften die 535 Liter Gepäckraumvolumen auch für die Ferienreise reichen, zumal bei umgeklappten Rücksitzen 1.390 Liter zur Verfügung stehen. Obwohl die Ingolstädter (im Gegensatz zum 5er GT von BMW) aus optischen Gründen auf eine hohe Abrisskante verzichtet haben und stattdessen bei 120 km/h einen kleinen Heckspoiler ausfahren lassen, wirkt der Rücken des Audi irgendwie nicht ganz stimmig gezeichnet. Wie’s schöner geht, hat Audi übrigens selbst schon gezeigt: beim A5 Sportback. Wer auf einige Tausend Euro hin oder her nicht achte nmuss und beim Bestellen von Extras in die Vollen geht, bekommt so ziemlich alles, was gut und teuer ist. Oder auch das, was nicht so gut–odersogareherschlecht –und trotzdem teuer ist. Beispiel Assistenz-Paket. 2.760 Euro kostet es, und es beeinhaltet unter anderem einen Abstandsregeltempomat.

Mächtig: Die Heckklappe des A7

Theoretisch eine geniale Sache, in der Praxis aber leider noch nicht ausgereift. Der Automat fährt nämlich und sehr zum Schrecken des Beifahrers ziemlich flott auf denVordermannauf,bremst dann nachdrücklich ab und gibt, wenn die Überholspur wieder frei ist, erst mit sehr deutlicher Verzögerung wieder Gas. Mindestens überflüssig ist darüber hinaus der ebenfalls in dem Paket enthaltene Spurhalteassistent, der recht ruppig ins Geschehen eingreift und die Freude am Fahren deutlich mindert. Der Audi schwingt sichsozumChef-Dirigenten auf, ohne das Gefühl für die Feinheiten des Fahrens zu haben. Das beste an diesen Systemen ist also, dass man sie abschalten kann – oder sie erst gar nicht ordert.

Und wo wir gerade am Meckern sind: Das Soundsystem von Bang & Olufsen klingt zwar gut und hält mit seinen ausfahrbaren Satellitenlautsprechern auch einen kleinen optischen Gag bereit, ist aber mit 6000 (!) Euro nicht nur ein bisschen zu teuer.

Fazit

Wer oft lange Strecken zurückzulegen hat, findet im A7 Sportback einen absolut tauglichen Reisewagen. Dem Studium der Liste mit den Extras sollte man sich aber mit kühlem Kopf und einiger Disziplin nähern – damit aus den 58 100 Euro, die der A7 „nackig“ kostet, nicht die unglaublichen 92 495 Euro des Testwagens werden.

MICHAEL DÜRR

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