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Disco-Chic und Kerzenschein: Autodesigner lieben Ambientelicht

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Design-Spielerei: In der BMW-Studie Vision Future Luxury betonen Lichtlamellen in den Holzkonsolen die Linien des Interieurs.

Lippstadt/Pforzheim - Es ist genau wie daheim im Wohnzimmer: Je nach Beleuchtung ändert sich auch im Auto die Stimmung. Das mögen Fahrzeugdesigner und experimentieren mit immer neuem Ambientelicht.

Und drohen dabei übers Ziel hinaus zu schießen.

Frisches Blau für die Freizeit, ein flottes Rot, wenn man es eilig hat, und für den täglichen Weg ins Büro nüchternes Weiß: Im aktuellen Range Rover können Fahrer die Innenbeleuchtung auf Knopfdruck ihrer Stimmung oder dem Fahrzweck anpassen und dafür aus zehn Farben wählen. Der Geländewagen von Land Rover steht damit an der Spitze einer Entwicklung, die in den vergangenen Jahren an Fahrt aufgenommen hat: Immer mehr Autobauer rüsten ihre neuen Modelle mit sogenanntem Ambientelicht aus und lassen ihre Kunden zwischen Disco-Chic, Kerzenschein und anderen Beleuchtungsszenarien hin- und herschalten.

Begonnen hat dieser Trend vor mehr als zehn Jahren in der Oberklasse. Und auch heute stößt man darauf in Luxusmodellen wie dem Range Rover, der Mercedes S-Klasse, die innen in sieben Farben von Mondlicht-Blau bis Dämmer-Rot leuchtet, oder dem Rolls-Royce Phantom mit Sternenhimmel aus Hunderten Leuchtdioden (LEDs).

Seit die Preise für LEDs deutlich gesunken sind und die Entwickler Möglichkeiten gefunden haben, die punktförmigen Lichtquellen auch flächig einzusetzen, gibt es Ambientelicht allerdings auch bis hinunter in die Kompakt- und Kleinwagenklasse, berichtet der Zulieferer Hella. Und zwar weg von der reinen Funktionalität hin zu mehr Ästhetik, sagt Herbert Wambsganß, Entwicklungsleiter für Innenlicht. Egal ob VW Golf mit weißen Lichtleisten im Serienmodell, blauen in der R-Version und roten im GTI, ob Seat Leon, Audi A1 oder der neue Mini - überall treiben es die Designer gerne bunt oder holen ihren Kunden wie zum Beispiel im Opel Adam die Sterne vom Himmel.

Zulieferer wie Hella gehen davon aus, dass es mit dem weiteren Preisverfall der LED-Technik in den nächsten Jahren in nahezu jedem Fahrzeug eine individualisierbare Innenraumbeleuchtung gibt. Die Designer spielen mit immer neuen Möglichkeiten, und die Entwickler füllen den Kreativen die Farbpalette weiter auf. "Hinsichtlich der Farbigkeit sind bei einer mit RGB-LED ausgerüsteten Ambientebeleuchtung keine Grenzen gesetzt," sagt Entwickler Michael Steckel vom Zulieferer Dräxlmaier aus Vilsbiburg: "RGB steht für Rot, Grün und Blau, womit durch die richtige Kombination technisch über 281 Billionen Farben dargestellt werden könnten."

Ganz so bunt treiben es die Autobauer zwar noch nicht. Doch wer sich neben den Serienmodellen die aktuellen Studien mit dem Farbspektrum mancher Dorfdiskothek auf den Automessen anschaut, erkennt, welche Bedeutung dem Thema beigemessen wird.

Für die Oberklasse-Limousine Vision Future Luxury etwa haben die BMW-Designer Lichtlamellen in die Holzkonsolen integriert, um die Linien des Interieurs zu betonen und ein warmes, wohnliches Ambiente zu erzeugen. Citroën und Peugeot experimentieren nach Angaben von Béatrice Daillant-Vasselin, die bei dem französischen PSA-Konzern ein Projekt für mehr Sinnlichkeit und damit Entspannung im Innenraum leitet, mit leuchtenden Fasern, die zum Beispiel in den Dachhimmel oder in Jalousien eingewoben werden. Und wer in der Studie Vision Discovery von Land Rover an die Decke schaut, sieht neben bunten Farbenspielen auf den verschiedenen Glasflächen auch Bilder von Sonnenuntergängen oder dem Sternenhimmel vorbeiziehen.

"Die Ambientebeleuchtung ist für uns Designer eine beliebte Spielwiese, auf der immer mehr los ist", sagt Lutz Fügener von der Fachhochschule Pforzheim. Das liege zum einen an den immer neuen technischen Möglichkeiten, habe aber auch künstlerische Gründe: "Der Innenraum bietet für Designer bei Dunkelheit einen ganz besonderen Reiz", sagt der Professor: "Schließlich kann er ja fast ohne äußeren Einfluss und ohne die bei Tageslicht sichtbaren Skulpturen in beinahe laborhafter grafischer Art gestaltet werden."

Allerdings hebt der Ausbilder der Autodesigner auch mahnend den Zeigefinger: "Die Versuchung, hier einfach Zierrat, also Ornament, zu machen, ist sehr groß. Und leider wird ihr auch gerne nachgegeben."

Dabei könne ein solcher Einsatz von Licht durchaus Ästhetik und Funktion vereinen, ist Fügener überzeugt und appelliert an seine Zunft, die zusätzlichen Kanäle für intuitive Informationsvermittlung zu nutzen. "So könnte man den Fahrer mit speziellen Farbcodes auf den Fahrzeugzustand, das Raumklima, spezielle Gefahrensituationen oder voreingestellte Limits wie das Tempo oder die Fahrzeit aufmerksam machen", schlägt der Experte vor. "Dann wäre die Ambientebeleuchtung nicht nur schön, sondern hätte plötzlich auch noch einen Sinn."

dpa

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