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Förderung bald ganz weg: Macht ein Plug-In-Hybrid wie der Kia Sportage noch Sinn?

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Von: Rudolf Bögel

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Kia Sportage Plug-In-Hybrid weiss
Schneller zapfen an der Wallbox. Der Kia Sportage PHEV braucht dazu im besten Fall eine Stunde und 45 Minuten. © Kia

Mit 265 PS ist der Plug-In-Hybrid des Kia-Sportage das stärkste Modell. Noch gibt es 6.750 Euro Prämie vom Bund für so ein Auto. Fahrspaß und Geld sparen – der Fahrtest.

Schöne alte Verbrenner-Zeiten. Früher hatten die Spitzenmodelle so klingende Namen wie GTI, R, M, GR und zeichneten sich durch mehr Ventile, mehr Turbos, mehr Hubraum und mehr PS aus. Sie waren die Krönung einer Baureihe. Heute nehmen immer häufiger so genannte PHEVs den Spitzenplatz ein. Plug-In-Hybrid-Vehicles sind Autos, die mit der Kraft der beiden Herzen angetrieben werden. Also mit einem Verbrenner und einem E-Motor, darüber hinaus haben sie im Vergleich zum einem MHEV (Mild-Hybrid-Electric-Vehicle) eine aufladbare Batterie, mit der sich so ein PHEV über längere Strecken auch rein elektrisch bewegen kann. Das ist leise, schont die Umwelt und den Gelbeutel. Aber hat natürlich auch noch eine Performance-Seite. Denn E-Motoren lassen sich quasi wie ein Turbolader dazuschalten und pushen so den Verbrenner zusätzlich. Weitere ausführliche Fahrberichte finden Interessierte hier.

Kia Sportage 1,6 T-GDI Plug-in-Hybrid: In 8,2 Sekunden geht es von 0 auf 100

Mit dem Sportage 1,6 T-GDI Plug-In-Hybrid krönt jetzt auch Kia sein beliebtes SUV. Ab sofort gibt es das 265 PS starke Gerät im Handel. Der 1,6 Liter große Turbo-Benziner bringt es in Kombination mit der Elektro-Maschine dabei auf bärenstarke 350 Nm Drehmoment, das schon bei 1.500 U/min anliegt und bis 4.500 seine Leistungskurve hält. Der Sportage– Nomen es Omen – spurtet damit relativ sportlich in 8,2 Sekunden von 0 auf Tempo 100. Warum es nicht zu besseren Sprintzeiten reicht, zeigt ein Blick auf das Gewicht des Kia. Mit knapp zwei Tonnen (inklusive Fahrer) ist das Auto, das grundsätzlich auf allen vier Räder angetrieben wird, alles andere als ein Leichtgewicht. Derartige Höchstleistungen ruft man aber eher selten ab, wie der Fahrtest gezeigt hat. Denn in Kombination mit der Wandler-Automatik läuft der Benziner auf relativ hohen Touren – was man von der Akustik her eher als lästig empfindet und nicht so recht zu einem souveränen kräftigen Antrieb passen will.

Kia Sportage Plug-In-Hybrid Cockpit
Das Cockpit des Kia Sportage lässt sich unter entsprechendem Einsatz von Sonderausstattungen modern aufrüsten. © www.weigl.biz / kia

Energie sparen statt Ampelstart – der neue Fahrspaß

Da macht das elektrische Gleiten dann schon mehr Spaß. Auf Knopfdruck teilt man dem Antriebssystem mit, dass der Benziner nun Pause hat und nur die E-Maschine antreibt. Das macht sie, obwohl sie nur 90 PS hat, relativ kraftvoll. Kein Wunder, schon allein bringt sie ein Drehmoment von knapp über 300 Nm auf die Straße. Aber Vorsicht! Wer zu oft und zu kraftvoll auf die „Tube“ drückt, der verliert schnell Energie. Bei gefühlvoller Bedienung sollen aber rund 70 Kilometer Reichweite drin sein, in der Stadt könnten es sogar knapp 80 Kilometer sein, weil man dort ja durch häufige Ampelstopps einiges an Energie wieder zurückholt. Das ist der neue Spaß beim Fahren. Power zurück holen, statt sie zu verschwenden beim Kavalierstart an der Ampel.

Über Nacht aufladen – auch an der Haushaltssteckdose

Apropos Kraft. Die holt sich die Elektromaschine aus der 13,8 kWh großen Bordbatterie, die das Ladevolumen des Sportage um moderate 50 bis 60 Liter im Vergleich zu einem Verbrenner verknappt. Im schlechtesten Fall, also an einer herkömmlichen 230-Volt-Haushaltsteckdose, wird sie in knapp fünfeinhalb Stunden aufgeladen. Bei optimalen Bedingungen (öffentliche AC-Ladesäule) füllt der 7,2 kW starke Onboard-Lader den Akku in knapp zwei Stunden. Wer eine Wallbox zu Hause hat, braucht rund drei Stunden. Das alles sind Zeiten, die praxistauglich sind. Aber immer unter der Voraussetzung, dass man zu Hause anstecken kann. Alles andere ist umständlich. Auch der Einkaufs- und Ladestopp beim Diskounter bringt wenig, weil man in da der kurzen Zeit nur relativ wenige Reichweite abgreift. Wenn die Batterie voll ist, dann soll der PHEV-Sportage nur rund 1,1 Liter schlucken – zuzüglich des verbrauchten Stroms. Wir brauchten mit 5,1 Litern ein gutes Maß mehr. Aber wie der Name schon sagt, handelt es sich um Testfahrten und da reizt man die Leistung gerne auch mal häufiger aus.

Kia Sportage Plug-In-Hybrid gelb Detail Leuchten
Lässiges Designdetail. Die Bumerang-Lichter geben dem Sportage eine Star-Wars-Note. Hinten und vorne sind diese Leuchten im Einsatz. © Kia

Wie lang wird die fragwürdige Technik noch subventioniert?

Auch wenn die Verbrauchswerte noch so gut klingen – die tatsächlichen Verbrauchskosten liegen natürlich höher, weil man zum Sprit ja noch die Stromkosten addieren muss. Elektrizität ist schon nicht mehr günstig und wird tendenziell noch teurer. Von daher stellt sich die Frage, ob so ein Hybridauto unter ökonomischen Gesichtspunkten eine gute Wahl ist. Zumal, wenn die Förderung von derzeit 6.750 Euro wegfällt, oder – wie vom deutschen Wirtschaftsministerium angekündigt - immer weniger wird. Der Kia Sportage PHEV schlägt mit rund 37.000 Euro nach Abzug der staatlichen Subventionierung zu Buche. Sonst würden mehr als 44.000 Euro fällig werden. Viel Geld für eine auch von Experten immer wieder angezweifelte Technik. Denn mit dem zweiten elektrischen Antriebsstrang holt man sich auch entsprechend mehr Gewicht (im Schnitt sind es je nach Batteriegröße zwischen 200 und 250 Kilogramm) an Bord – und die will bewegt werden, unter entsprechendem Energieeinsatz.

Kia Sportage Plug-In-Hybrid weiß Aufladen
Wer nicht zu Hause aufladen kann, der wird mit einem Plug-In-Hybrid-Fahrzeug kaum zufrieden sein. © Kia

Aber für wen eignet sich dann so ein Plug-In-Hybrid?

Deshalb sollte man genau überlegen, ob man sich so einen PHEV zulegt. Grundvoraussetzung ist schon einmal, dass konsequent aufgeladen wird. Und das am besten unkompliziert zu Hause. Oder noch besser auch noch an der Arbeitsstelle. Dann ist man bei der von den Deutschen durchschnittlich gefahrenen Pendel-Strecke von 30 Kilometern (einfach) immer rein elektrisch unterwegs. Warum dann nicht gleich ein E-Auto kaufen? Ein berechtigter Einwand, der für all diejenigen gilt, die keine Langstrecken fahren müssen. Denn die Reichweiten von heutigen E-Autos, die Ladetechniken und auch die Infrastruktur sind immer noch mangelhaft. Von daher ist es manchmal notwendig, einen Verbrenner an Bord zu haben. Gerade, wenn man an Urlausfahrten und ähnliches denkt. Unser Fazit: So lange es die Förderung noch gibt, wenn man zu Hause auftanken kann und wenn man häufiger über längere Distanzen unterwegs ist – dann kann so ein PHEV Sinn machen. Und wer auf ordentliche Performance mit einem Elektro-Turbo steht, der wird auch das Verschwinden von GTI, GR & Co verschmerzen können.

Technische Daten Kia Sportage 1,6 T-GDI Plug-in-Hybrid

Rudolf Bögel

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