Die Liebe zur Klassik

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Retro-Chic aus Taiwan: Der Like eignet sich besonders für kürzere Fahrten.

Der erste Blick ist oft entscheidend für die Liebe. Das gilt nicht nur für Menschen, sondern auch für Maschinen. Gerade motorisierte Zweiräder...

...werden selten nur nach Vernunftkriterien gekauft, hier spielen Emotionen eine große Rolle.

Der taiwanesische Hersteller Kymco meinte angesichts dieser Tatsache, besonders schlau zu sein und hat ganz einfach mit dem Like 200i einen Roller gebaut, der verblüffend einer schnuckeligen Vespa ähnlich sieht. Und die liebt bekanntlich fast jeder. Wie fährt sich nun der Taiwan-Scooter mit Italo-Flair?

Und ist ein Hingucker: Redakteur Volker Pfau  erntete auf dem Roller manchen bewundernden Blick

Der erste Eindruck ist gut. Der Like sieht ganz hübsch aus, er wirkt ein bisserl altmodisch, aber das ist ja so gewollt. Das nostalgische Konzept zeigt sich auch daran, dass das Cockpit schön klassisch, aber informativ gestaltet ist (leider ohne Tageskilometerzähler, dafür mit Digitaluhr) und dass es für das Fach unter der Sitzbank ein eigenes Schloss gibt (benötigt wird erfreulicherweise nur ein einziger Schlüssel). Da ist Kymco konsequent, denn ansonsten sind sie bei ihren anderen Modellen mächtig stolz auf ihre Multifunktionszentrale, bei der Sitzbankverriegelung und Tankschloss zentral gesteuert werden. Größere Fahrer – und hier sind schon die ab 1,75 Meter gemeint, stoßen bei dem kleinen Klassiker schnell mit den Knien an den Lenker. Piloten sollten also auch möglichst schnuckelig klein sein.

Informativ: Das Cockpit verfügt sogar über eine Digitaluhr, hat aber keinen Tageskilometerzähler.

Der Einzylinder mit 163 ccm Hubraum und 12 PS (8,5 kW) Leistung ist etwas knurrig, nimmt das Gas mit Verzögerung an und wirkt insgesamt etwas behäbig. Was jedoch akzeptabel ist, denn vom Konzept her ist der Like kein Ampelsprinter, ebenso wenig taugt er für flotte und lange Fahrten außerorts. Daran haben auch die 12-Zoll-Räder ihren Anteil, denn der nur 119 Kilogramm leichte Kymco ist zwar ungemein wendig und lässt sich sehr gut lenken, neigt jedoch zu kippeligem Verhalten bei zu schnellen Lenkmanövern und reagiert bei zügigerem Tempo nervös auf unebenem Fahrbahnbelag. Wenigstens sind die Bremsen gut dosierbar und verzögern sehr gut.

Praktisch: Der Kymco Like bietet einiges an Stauraum – hier das Handschuhfach.

Wegen der recht mageren Höchstgeschwindigkeit von 95 km/h sollte man längere Fahrten außerorts meiden, bei unserem Exemplar war zudem eine Windschutzscheibe (99 Euro) angebracht, die zusätzlich bremste. Dafür ist der Like im Stadtverkehr der King, er schwimmt locker mit und erntet bewundernde Blicke. Der Kymco ist das ideale Gefährt für kurze Fahrten, den schnellen Abstecher zur Eisdiele oder für kleine Besorgungen. Die verstaut man unter der Sitzbank, im Handschuhfach in der Verkleidung oder im serienmäßigen Topcase.

Der Verbrauch von 3,8 Liter auf 100 Kilometer geht in Ordnung, da der Like von uns oft auf innerstädtischen Kurstrecken gefahren wurde. Demzufolge muss der nur 6 Liter Sprit fassende Tank, dessen Öffnung unter der Sitzbank liegt, recht bald wieder befüllt werden. Hierbei nervt jedoch eine Metallstrebe in der Tank­öffnung, die für Spritzer auf dem Plastik rundum sorgt. Doch derlei Unbill verschmerzt man beim Blick auf den Preis: 2425 Euro kostet der Kymco Like 200i, der sich im Vergleich zur Vespa ganz wacker schlägt. Auch wenn die Karosserie beim Taiwan-Klon nicht aus klassischem Blech ist.

Volker Pfau

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