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„Bei einem Golden Retriever hört der Spaß auf“: Autorin Donna Leon sieht Zeit der Zensur gekommen

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Von: Sven Trautwein

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Möglicherweise sind die heutigen Leser zu empfindlich. Krimiautorin Donna Leon sieht die Zeit der Zensur gekommen.

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Mit der Buchreihe um Comissario Brunetti wurde die amerikanisch-schweizerische Autorin Donna Leon, die 1942 in Montclair, New Jersey, zur Welt kam, berühmt. Durch ihre Bücher setzte ein wahrer Italien-Krimi-Boom rund um Venedig ein. 1965 zog die Autorin in das Land ihrer Träume und entwickelte spannende Geschichten, die Einblick in soziale und politische Probleme bieten. Doch für die Autorin ist eine Zeit der Zensur gekommen.

Donna Margaret Leon uf der Frankfurter Buchmesse 2022
Für die Bestsellerautorin Donna Leon leben wir derzeit in einer Zeit der Zensur. Im Mai 2023 erscheint Commissario Brunettis 30. Fall. © STAR-MEDIA/Imago

Laut Medienberichten sieht die Bestsellerautorin Donna Leon eine Zeit der Zensur gekommen. So erinnere die Autorin die Bereinigung von Klassikern an den Kommunismus, wie sie gegenüber der Osnabrücker Zeitung verriet. Die 80-jährige Autorin, die 30 Krimis um Commissario Brunetti geschrieben hat, gefällt nicht, dass man in der jetzigen Zeit nichts mehr so richtig schreiben dürfe. Es gäbe immer einen Leser, den etwas kränke, überrasche oder verletze. „Das gefällt mir gar nicht. Das nennt man Zensur.“

Donna Leon zieht Vergleich zum Kommunismus

Die Autorin zieht bei den Anpassungen der Romane von Astrid Lindgren einen Vergleich zum Kommunismus. Die Bereinigung der Bücher sei mit der Geschichtsklitterung des Kommunismus gleichzusetzen, so die Autorin gegenüber der Osnabrücker Zeitung. Die Kritik an der Änderung von Buchklassikern hält an.

Stattdessen plädiert Leon dafür, die Sprache der Vergangenheit als Teil unserer Geschichte anzuerkennen: „Ich kann verstehen, warum Menschen Bücher überarbeiten wollen. Wir alle würden gern die Grausamkeiten vergessen, die zu uns gesagt wurden. Viele von uns würden sicher auch gern die Grausamkeiten vergessen machen, die sie selbst gesagt haben. Aber es ist eben geschehen.“

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Die ersten Brunetti-Krimis von Donna Leon

Die Krimiautorin sei froh, dass gegen ihre Bücher noch nie ein Proteststurm laut geworden sei. In ihren 30 Brunetti-Krimis habe sie mehr als 50 Personen sterben lassen. Dies hätte niemanden gestört. Als jedoch einmal ein Retriever ums Leben kommt, hätte es Kritik gehagelt. Hier höre anscheinend der Spaß auf, folgerte die Schriftstellerin. Und wie sieht es bei E-Books aus? Ändern sich diese, wenn das Ursprungswerk überarbeitet wird?

Donn Leon: Über Intimes schreiben ist unmöglich

Donna Leon offenbart mit einem schelmischen Blick ein intimes Geheimnis ihrer Protagonisten. Auf die Frage, ob Commissario Guido Brunetti und seine Frau Paola noch eine intime Beziehung haben, gibt Leon zur Antwort: „Natürlich. Sie sind schließlich Italiener.“ Die Tatsache, dass sie das Thema in ihren Büchern ausspart, erklärt sie folgendermaßen: „Es ist nahezu unmöglich, über Sex zu schreiben, ohne dass es lächerlich klingt. Deshalb habe ich frühzeitig beschlossen, es gar nicht erst zu versuchen.“

Ihr neuester Brunetti-Krimi erscheint im Mai unter dem Titel „Wie die Saat, so die Ernte“ (werblicher Link). Donna Leon hat zahlreiche Auszeichnungen für ihre Arbeit erhalten und ist eine anerkannte Größe in der Kriminalliteratur. Mit über 30 Romanen hat sie eine große Fangemeinde auf der ganzen Welt gewonnen. Ihre Bücher bieten nicht nur spannende Unterhaltung, sondern auch einen Einblick in die faszinierende Stadt Venedig und ihre Kultur.

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