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Diese neun Spiele entführen in die Natur

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„Cascadia“
Das Spiel „Cascadia“ ist für 1 bis 4 Spielende und kostet ca. 35 Euro. © Kosmos/dpa-tmn

Genug vom Alltagsstress und den aktuellen Krisen? Immer mehr Brettspiele stillen mit Naturthemen die Sehnsucht nach Ruhe und Rückzug. Doch sie bieten auch spannende und knifflige Entscheidungen.

Berlin - Ob Wandern in Nordamerika, bedrohte Wälder retten oder zoologische Artenschutzprojekte aufbauen - bei modernen Brettspielen trendet die Natur: Gleich alle wichtigen Branchen-Auszeichnungen gingen in diesem Jahr an Spiele, die sich mit Flora, Fauna und dem Umwelt-Thema beschäftigen.

„Die Leute sind heute deutlich mehr an solchen Themen interessiert als noch vor fünf, sechs Jahren“, sagt Spiele-Autor Randy Flynn, der im Sommer mit „Cascadia“ den begehrten Preis „Spiel des Jahres“ gewann. Die Kritikerjury beschrieb das Spiel um den Landstrich im Nordwesten Nordamerikas passend als „ein wahres Wohlfühlspiel“.

Auch andere Preisträger schlagen in die gleiche Kerbe: Bei „Living Forest“, dem „Kennerspiel des Jahres“, geht es unter anderem darum, brennende Bäume zu löschen. Und der „Deutsche Spielepreis“ ging an „Arche Nova“ - hier muss ein möglichst moderner Zoo mit dem Schwerpunkt Artenschutz aufgebaut werden.

„Flügelschlag“ als Wegbereiter

„Ich denke, die Natur ist ein Thema, das viele Menschen an sich anspricht“, sagt Autorin Elizabeth Hargrave. Die Amerikanerin bewies 2019 mit ihrem Spiel „Flügelschlag“ den Verlagen, dass es thematisch nicht immer Fantasy, Mittelalter oder Science-Fiction sein muss. Ihr Spiel gewann mehrere Preise. Und was sie noch mehr freut: Es gibt Leute, die wegen Flügelschlag mit der Vogelbeobachtung begonnen haben: „Das ist der erste Schritt auf dem Weg zu mehr Engagement und Verbundenheit mit der Natur“

Zur alljährlichen Spielemesse SPIEL in Essen im Herbst sind bereits etliche weitere Spiele mit dem Trendthema angekündigt. Hargrave hofft, „dass diese Spiele den Menschen helfen, eine Verbindung zur Natur und zu anderen Menschen zu finden, die sie dazu bringt, Lösungen für unsere Krisensituation zu finden.“

Neun empfehlenswerte Spiele mit Natur- oder Umweltthema:

Für Landschaftsplaner: „Cascadia“

Beim „Spiel des Jahres 2022“ muss ein Biotop mit Tieren und Landschaften zusammengestellt werden, um in unterschiedlichen Wertungen viele Punkte zu holen. Die Idee zum Thema ist Autor Randy Flynn beim Wandern durch die gleichnamige Region an der Westküste Nordamerikas gekommen. Die Kritiker-Jury würdigte bei dem Legespiel vor allem die zweigeteilte Puzzleaufgabe mit den verschiedenen Landschaftsplättchen und Tierscheiben als „besonders gelungen“. Die Spielzüge mit Fuchs, Bär, Lachs und Co. sind immer belohnend.

Für Zocker: „Living Forest“

12 unterschiedliche Bäume pflanzen, 12 Brände löschen oder 12 heilige Blumen sammeln - beim aktuellen „Kennerspiel des Jahres“ gibt es gleich mehrere Wege zum Sieg. Um den mystischen Wald zu beschützen, greifen unterschiedliche Mechanismen elegant ineinander: Ein Wettrennen, Plättchen legen und vor allem das spannende Aufdecken der Tierkarten. Hier wird das Zocker-Gen bedient, denn wer zuviel riskiert, darf nur eine statt zwei Aktionen ausführen. Hohe Interaktion und ein hoher Wiederspielreiz sind garantiert.

Für echte Experten: „Arche Nova“

Es ist DER Titel des vergangenen Spielejahrgangs. Kaum ein Spiel wurde mehr gehypt. Aber Achtung: Es handelt sich um ein echtes Schwergewicht. Zwar sind die Regeln für ein Expertenspiel nicht übermäßig kompliziert, doch strategisch verlangt es einiges ab. Auch etwas Zeit sollte eingeplant werden. Inhaltlich geht es darum, im eigenen, wissenschaftlich geführten Zoo nicht nur (Tier-)Attraktionen zu bieten, sondern auch möglichst viele Artenschutzprojekte zu unterstützen. Vor allem der clevere Kartenmechanismus überzeugt.

Für Hobby-Ornithologen: „Flügelschlag“

Ein Vogelhaus als Würfelturm, zahlreiche bunte Eier und wunderschön illustrierte Vogelkarten: „Flügelschlag“ ist ein echter Hingucker. Spielerisch müssen Vögel in drei unterschiedlichen Lebensräumen angelockt werden, um so die drei Hauptaktionen (Futter sammeln, Eier legen und neue Vogelkarten bekommen) immer weiter zu verstärken. Die richtige Kombi an Karten kann so starke Effekte auslösen.

Wer in drei Runden wertvolle Vögel und Eier gesammelt sowie die Rundenziele und Bonuskarten am besten erfüllt hat, gewinnt. Das Grundspiel enthält nur Vögel aus Nordamerika. Doch es gibt bereits eine Europa- und eine Ozeanien-Erweiterung. Die Erweiterung mit Vögeln aus Asien erscheint demnächst.

Für Höhenflieger: „Baumkronen“

Im Duell wetteifern zwei Spielende um den schönsten Regenwald. Um die besten Pflanzen, Bäume und Tiere zu bekommen, kann gezockt werden. Entweder man gibt sich mit dem ersten Kartenstapel zufrieden, oder schaut unter den zweiten und dann den dritten, wo sich zu Beginn je eine Karte mehr befindet. Wem auch der Stapel nicht gefällt, muss blind eine Karte ziehen und einbauen.

„Baumkronen“-Spiel
Im Duell beim „Baumkronen“-Spiel wetteifern zwei Spielende um den schönsten Regenwald. Um die besten Pflanzen, Bäume und Tiere zu bekommen, kann gezockt werden. © Kosmos/dpa-tmn

Gefahren wie Dürre oder Feuer müssen dabei nicht immer etwas Negatives bedeuten. Es wird etwas Platz auf dem Tisch benötigt, wenn der Regenwald über drei Jahreszeiten wächst.

Für Evolutionsbiologen: „Darwin's Choice“

Die Pfoten eines afrikanischen Wildhunds, der Schwanz eines Streifenskunks, der Panzer einer Galapagos-Riesenschildkröte - das alles mit dem Kopf eines Östlichen Weißbartgnus? In „Darwin's Choice“ lassen sich wildeste Kombis zu einem Tier zusammenfügen. Diese hybriden Kreaturen müssen möglichst gut an ihre Umgebung angepasst sein, doch die Welt und damit die Bedingungen wandeln sich ständig.

„Darwin's Choice“
In „Darwin's Choice“ lassen sich wildeste Tier-Kombis zusammenfügen. Diese hybriden Kreaturen müssen allerdings möglichst gut an ihre Umgebung angepasst sein. © Florian Lütticke/dpa-tmn

Tiere, die zu wenig Nahrung ergattern, überleben nicht. Das Spiel mit dem namensgebenden Naturforscher erfordert strategisches Denken, bringt aber durch Ereignisse auch reichlich Unwägbarkeiten mit sich.

Für Forscher: „Keystone: Nordamerika“

Gewisse Ähnlichkeiten zu „Cascadia“ sind nicht von der Hand zu weisen. Auf einem 4x4-Tableau müssen nummerierte Tierplättchen möglichst in auf- oder absteigender Folge gelegt werden. Wenn die Tiere zum gleichen Biotop gehören, entstehen Ökosysteme, für die es Punkte gibt. Hierbei verdoppeln Schlüsselarten die Wertung.

„Keystone: Nordamerika“
Auf einem 4x4-Tableau von „Keystone: Nordamerika“ müssen nummerierte Tierplättchen möglichst in auf- oder absteigender Folge gelegt werden. Dabei sollten Tiere möglichst zum gleichen Biotop gehören, damit sie punkten. © Rose Gauntlet/Asmodee /dpa-tmn

Zusätzlich gibt es für alle am Tisch geheime Ziele. Von den schönen Zeichnungen sollte man sich nicht allzu sehr blenden lassen, denn bei der kniffligen Puzzle-Aufgabe muss allerlei beachtet werden. Ein umfangreicher Solo- und Koop-Modus rundet das Spiel ab.

Für Brettspiel-Politiker: „Kyoto“

Beim kartenbasierten Verhandlungsspiel wird auf satirische Weise die Weltklimakonferenz von Kyoto nachgespielt und dabei ordentlich diskutiert. Jeder vertritt eine große Nation (bzw. die EU) und möchte zur Rettung des Klimas beitragen, in dem auf besorgniserregende Studien mit CO2-Einsparungen reagiert wird. Doch auf wie viel eigenen Wohlstand verzichtet jeder dafür? Und wie werden bestimmte Lobbys (Kohle, Autos, etc,) zufrieden gestellt?

„Kyoto“
Bei „Kyoto“ vertritt jeder Spieler eine große Nation bzw. die EU und möchte zur Rettung des Klimas beitragen, in dem auf besorgniserregende Studien mit CO2-Einsparungen reagiert wird. © Pegasus Spiele/dpa-tmn

Der originelle Kniff: Sollten die Umweltschäden einen kritischen Wert erreichen und die Konferenz scheitern, gewinnt das Land mit den zweitmeisten Punkten. Denn die Vertreter des Staates mit den meisten Punkten haben die Zerstörung des Planeten zu sehr in Kauf genommen.

Für Wanderfreunde: „Parks“

Als Wanderer geht es in die Nationalparks der USA. Spielerisch bietet „Parks“ keine Revolution: Mithilfe von zwei Figuren werden in vier Jahreszeiten auf Wanderwegen Aktionen von Orten ausgelöst, Marker eingesammelt, Parks besucht und Ausrüstung gekauft. Der besondere Hingucker ist das Material: Die aufwendigen Illustrationen der US-Nationalparks sorgen für Fernweh. Tierfiguren, Marker und Karten passen gut sortiert in die kompakte Schachtel. dpa

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