Armutsatlas

15,5 Prozent der Niedersachsen leben in Armut

- Niedersachsen ist nach dem Saarland und Bremen das drittärmste Bundesland in Westdeutschland. Das geht aus dem ersten Armutsatlas des Paritätischen Gesamtverbands hervor.

Demnach leben 15,5 Prozent der Niedersachsen an oder unter der Armutsschwelle. In der Region Ostfriesland ist die Quote mit 20,3 Prozent am höchsten, gefolgt von Göttingen (18,5) und Osnabrück (17). Auch die Region Hannover mit Nienburg und Schaumburg liegt mit 16,3 Prozent über dem Landesdurchschnitt.

Lediglich die Gebiete südlich von Hamburg und die Südheide sind weniger betroffen. Als arm gilt, wer über weniger als 60 Prozent des Durchschnittseinkommens verfügt.

Bundesweit ist diese Quote in Mecklenburg-Vorpommern mit 24,3 Prozent am höchsten und in Baden-Württemberg mit zehn Prozent am niedrigsten. Grundlage sind Berechnungen des Mikrozensus für das Jahr 2007, die die Statistischen Ämter des Bundes und der Länder im Rahmen des Projekts „Sozialberichterstattung der amtlichen Statistik“ erstmals erstellt haben. Gemäß einer Definition der Europäischen Union gilt als armutsgefährdet, wer mit weniger als 60 Prozent des mittleren Einkommens der Bevölkerung auskommen muss.

Niedersachsens Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann (CDU) bezeichnete es als positiv, dass die Armut in Niedersachsen in den vergangenen Jahren nicht weiter zugenommen hat. „Dennoch bedrückt mich die Tatsache, dass 15,7 Prozent der Kinder in Niedersachsen als armutsgefährdet gelten“, sagte sie. Die Landesregierung wolle weiterhin die qualifizierte Betreuung von Kindern sichern, damit die Eltern berufstätig sein könnten.

Der Vorsitzende des Paritätischen Niedersachsen, Günter Famulla, sprach von einer „erschreckend hohen Zahl“ in Armut lebender Menschen. Er forderte die Landesregierung auf, eine Armuts- und Reichtumsberichterstattung auf den Weg zu bringen. Niedersachsen liege nach dem Saarland und Bremen an dritter Stelle der ärmsten Bundesländer in Westdeutschland.

Insgesamt betrug die Armutsgefährdungsquote in Deutschland im Jahr 2007 14,3 Prozent. Während in den neuen Ländern (einschließlich Berlin) 19,5 Prozent der Bevölkerung armutsgefährdet waren, lag die Quote im früheren Bundesgebiet mit 12,9 Prozent deutlich niedriger. Besonders von Armut bedroht sind Erwerbslose sowie Alleinerziehende und deren Kinder. In Alleinerziehenden-Haushalten waren die niedrigsten Quoten in den Stadtstaaten Berlin (28,6 Prozent) und Hamburg (29,6 Prozent) festzustellen.

ddp

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