Studie

Alleinerziehende sind häufig arm

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Problem einer immer größer werdenden Gruppe: Alleinerziehende Frauen vor allem mit kleineren Kindern kommen nur schwer über die Runden.

Berlin - Alleinerziehende in Deutschland sind besonders häufig von Arbeitslosigkeit betroffen – zwei Fünftel von ihnen beziehen Hartz IV. Wenn sich beide Eltern um das Kind kümmern, brauchen sie dagegen nur in 7,1 Prozent der Fälle Hilfe vom Staat.

Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie im Auftrag der Bertelsmann-Stiftung. „Wer Kinderarmut verbessern will, muss die rechtlichen und familienpolitischen Rahmenbedingungen für alleinerziehende Eltern verbessern“, sagte Jörg Dräger, Vorstand der Bertelsmann-Stiftung.Besonders Mütter, die kleine Kinder unter drei Jahren großziehen, sehen scheinbar oft keine Möglichkeit, Kind und Beruf unter einen Hut zu bringen: Von ihnen gehen nur knapp 41 Prozent arbeiten. Bei älteren Kindern über 15 Jahren sind dies immerhin 81 Prozent. Dabei arbeiten alleinerziehende Mütter in den meisten Fällen länger als Mütter, die einen Partner an der Seite haben. Sie müssen auch häufiger abends, nachts oder an den Wochenenden zum Dienst antreten. In neun von zehn Fällen leben die Kinder bei den Müttern.

Die Zahl der Alleinerziehenden nimmt dabei dramatisch zu: Mittlerweile leben in jeder fünften Familie die Eltern getrennt. Insgesamt müssen 1,6 Millionen Mütter, manchmal auch Väter, ihre minderjährigen Kinder allein großziehen. Das sind fast ein Viertel mehr als 1996. Die Zahl der Familien insgesamt ging dagegen zurück, von 9,4 auf 8,1 Millionen.

Besonders dramatisch ist die Situation in Sachsen-Anhalt, wo 56,9 Prozent der Alleinerziehenden von Hartz IV leben müssen. Aber auch in Mecklenburg-Vorpommern (46,2 Prozent), Sachsen (45,3 Prozent), Schleswig-Holstein (40,9 Prozent), Niedersachsen (40,7 Prozent), Brandenburg (40,1 Prozent) und Hessen (39,5 Prozent) müssen mehr alleinerziehende Mütter oder Väter staatliche Hilfen beantragen als im Bundesschnitt. Vergleichsweise günstig ist deren Lage in Bayern, wo nur 23,6 Prozent Hartz IV beziehen.

Die Autorin der Studie, die Juraprofessorin Anne Lenze von der Hochschule Darmstadt, macht neben der Zunahme von schlecht bezahlten Minijobs besonders die Verschärfung der Rechtslage für die Probleme verantwortlich. So haben Alleinerziehende seit der Unterhaltsrechtsreform 2008 keinen Anspruch mehr auf Geld vom Ex-Partner, sobald ihr Kind älter als drei Jahre ist und ein Kitaplatz oder eine anderweitige Betreuungsmöglichkeit vorhanden ist. Der vereinbarte Unterhalt für das Kind liegt oft unter dem Existenzminimum – wenn er überhaupt gezahlt wird. Bei jedem zweiten Kind drückt sich der Ex-Partner um die Zahlungsverpflichtung oder überweist weniger als vereinbart.

Auch decke das rechtlich festgelegte Existenzminimum oft die steigenden Kosten für Bildung und gesellschaftliche Teilhabe nicht ab, beklagt Lenze. Der staatliche Unterhaltsvorschuss, wenn der Partner nicht zahlt, greift zudem nur bei Kindern unter zwölf Jahren, sagtt Lenze. Kindergelderhöhungen gehen an wenig betuchten Ein-Eltern-Familien vorbei – sie werden komplett auf Hartz IV oder den Unterhaltsvorschuss angerechnet.

Antje Schroeder

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