500 Zwischenfälle 2013

Alte Ölplattformen bedrohen die Nordseeküste

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Foto: Die Brage-Plattform in der Nordsee. Solche Öl-Plattformen bedrohen die Nordseeküste, das zeigt eine Studie.

Berlin - Die Nordsee ist vor der deutschen Küste stark mit Öl und schädlichen Chemikalien verschmutzt. Auf maroden, veralteten Ölplattformen ist es allein im vergangenen Jahr zu mehr als 500 Zwischenfällen mit teilweise schwerwiegenden Folgen gekommen.

Stark gefährdet sind die Küsten von Niedersachsen und Schleswig-Holstein. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des renommierten Hamburger Energieökonomen Steffen Bukold im Auftrag der Grünen-Bundestagsfraktion.Eine große Gefahr liegt nach seinen Untersuchungen auch darin, dass sich große Konzerne wie Shell und BP aus den Förderfeldern vor England und Norwegen zurückziehen und an ihre Stelle kleine, finanzschwache Förderunternehmen treten, die auf den mehr als 30 Jahre alten Anlagen schlampig mit der Sicherheit umgehen. Das Fazit der Studie lautet: „Schon mehrfach stand die Nordsee in jüngerer Zeit kurz vor einer Katastrophe.“

Bärbel Höhn, Vorsitzende des Umweltausschusses im Bundestag, teilt die Schlussfolgerungen des Wissenschaftlers: „Wir sind an einem mehr als kritischen Punkt angekommen. Wenn man jetzt nicht in die Sicherheit der Anlagen investiert, steigt die Gefahr massiv, dass es früher oder später eine größere Öl­katastrophe in der Nordsee gibt. Auf den Bohrinseln in der Nordsee scheint eine ähnliche Sorglosigkeit zu herrschen, die im Golf von Mexiko 2010 die Explosion der Bohrinsel ,Deep Water Horizon‘ mit verursacht hat“, sagte Höhn der HAZ.

Die Sorgen sind sehr konkret: Nur ein Zufall rettete 2011 die große norwegische Ölplattform Gullfaks C vor einer Explosion (Blow-out). Der Untersuchungsbericht der norwegischen Behörden kam zu dem Schluss, dass es letztlich glückliche Umstände waren, die eine Katastrophe verhinderten. Erst vor wenigen Wochen traten an der ohnehin störanfälligen Plattform Statfjord C erhebliche Mengen Öl aus.

Nach Einschätzung der Aufsichtsbehörden fehlt einigen Betreibern der notwendige Willen zur Sorgfalt und Vorsicht. Insbesondere der Öl- und Gaskonzern Shell fiel über die Jahre mit einer langen Liste von Sicherheitsverstößen und Störfällen auf. Der Konzern hat zusammen mit BP eine der schlechtesten Sicherheitsbilanzen aller Ölfirmen in der britischen Nordsee. Die Fehlerquote könnte sich durch die kleinen Firmen noch verschlechtern.

Die naturschutzpolitische Sprecherin der Grünen-Fraktion, Steffi Lemke, sieht die Bundesregierung in der Pflicht: „Sie muss mit Norwegen und insbesondere mit den Briten sprechen. Es kann nicht sein, dass wir irgendwann die Küsten hier für mehrere Milliarden Euro säubern müssen, nur weil die gut verdienenden Ölfirmen zu wenig in die Sicherheit ihrer Anlagen investieren.“

Reinhard Urschel

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