Sensationsfund

Archäologen finden gewaltige Mauer aus der Römerzeit

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Ein Ausgrabungsteam auf dem Gelände einer alten römischen Villa in Hechingen-Stein, wo Archäologen eine 16 Meter hohe Gebäudemauer entdeckt haben.

- Wenn Gerd Schollian auf Schatzsuche geht, hofft er nicht auf große Reichtümer: Er will alte Steine aus der Römerzeit finden. In 40 Jahren hat der Hobby-Archäologe die Profis schon manches Mal ins Staunen gebracht. Jetzt ist ihm ein Sensationsfund geglückt.

Irgendwie hatte Gerd Schollian immer schon so ein Gefühl: Dieser kleine Wall mitten im Wald bei Hechingen (Baden-Württemberg) kam ihm seit Jahren komisch vor. Im vergangenen Winter hat er dann, von seiner Neugierde getrieben, ein wenig in die Tiefe gegraben - und stieß prompt auf eine archäologische Sensation: Eine 16 Meter hohe Gebäudemauer aus der Römerzeit. Archäologen wollten das erst nicht glauben, denn kaum ein Experte hielt es bislang für möglich, dass die Römer auf dem platten Land derart gewaltige Gebäude errichtet haben.

Inzwischen sind Archäologen und Denkmalschützer endgültig überzeugt, dass der 69-jährige Rentner eine große Entdeckung gemacht hat. Offensichtlich seien selbst auf einem abgelegenen Landsitz wie dem in Hechingen Gebäude errichtet worden, die nicht nur zweckmäßig sein mussten, sondern vor allem auch repräsentativ. "Die Römer haben hier nicht gekleckert, sondern geklotzt", sagte Klaus Kortüm, Fachbereichsleiter am Landesamt für Denkmalpflege. Das habe auch Auswirkungen auf die Forschung über die Römer: "Wir müssen bei der Rekonstruktion römischer Gebäude jetzt viel großzügiger denken."

Schollian hat die Archäologen schon oft zum Staunen gebracht. Genau 40 Jahre ist es her, dass er nicht weit von der jetzt entdeckten Mauer zum ersten Mal einige alte Steine im Boden fand. Er schaffte es, beim Landesdenkmalamt ein erstes Interesse für das Gelände zu wecken. Doch was dann bei den Ausgrabungen zutage trat, übertraf alle Erwartungen: Ein riesiger Landsitz mit Gutshaus, Badehaus, einem Säulengang und einer Tempelanlage. Für Archäologen hat sich das alte Landgut im Laufe der Jahrzehnte zu einem der wichtigsten römischen Fundplätze Süddeutschlands entwickelt. Seitdem das Gelände als Freilichtmuseum erschlossen ist, kommen rund 30 000 Touristen pro Jahr.

Aber nach dem Fund der 16 Meter hohen Mauer bekomme Hechingen eine Bedeutung weit über die Region hinaus, betonte Kortüm. Die Wand habe vermutlich zu einem riesigen Lagergebäude gehört: 35 Meter lang, 20 Meter breit und eben mindestens 16 Meter hoch muss es gewesen sein. Ein riesiges Gebäude für einen abgelegenen Landsitz. "Hier muss wirklich sehr viel Land bewirtschaftet worden sein, dass so ein großer Speicher gebraucht wurde", sagte Kortüm. Bis die Experten der alten Mauer alle ihre Geheimnisse entlockt haben, wird es aber wohl noch einige Zeit dauern.

In diesen Tagen müssen die Ausgrabungen erstmal wieder beendet werden - es fehlt das Geld. Die Experten hoffen trotzdem, auf dem Gelände noch mehr über das Leben der Römer auf einem Landsitz erfahren zu können. Auch Hobby-Archäologe Schollian ist sicher, dass der Boden rund um die Villa noch so manches Geheimnis birgt: "Ich denke, da lassen sich noch so einige Überraschungen finden."

dpa

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