Angaben privater Stiftung

26 atombombenartige Asteroidentreffer seit 2000

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Foto: Ein Asteroid, der vergangenes Jahr über der russischen Stadt Tscheljabinsk niederging.

Seattle/Berlin - Es klingt nach Katastrophenfilm: Ein Asteroid schlägt mit voller Wucht auf die Erde und vernichtet eine Großstadt. Dass dies kein reines Fantasieszenario ist, hat der Asteroid von Tscheljabinsk 2013 gezeigt. Eine private Stiftung will nun ein Frühwarnsystem starten.

Die Erde ist seit der Jahrtausendwende nach Angaben einer privaten Stiftung von mindestens 26 großen Asteroiden getroffen worden. Die kosmischen Bomben hätten eine Sprengkraft zwischen einer und 600 Kilotonnen TNT gehabt und damit im Atombombenbereich gelegen, berichtete die Stiftung B612 am Dienstag (Ortszeit) in Seattle (US-Staat Washington) zum internationalen Tag der Erde. Die vom amerikanischen Astronauten Ed Lu mitgegründete Organisation will Geld für ein Weltraumteleskop sammeln, das gefährliche Geschosse rechtzeitig entdecken soll.

Die Erde kollidiere ständig mit Bruchstücken von Asteroiden, argumentierte die Stiftung. Sie ist nach dem Heimat-Asteroiden der Romanfigur „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry benannt. Die meisten kosmischen Geschosse explodierten allerdings zu weit oben in der Atmosphäre, um große Schäden anzurichten. „Da wir nicht wissen, wo und wann der nächste große Einschlag passieren wird, ist das einzige, was eine Katastrophe durch einen "City-Killer"-Asteroiden verhindert hat, pures Glück gewesen“, betonte Lu in einer Mitteilung der Stiftung.

In den vergangenen zwölf Jahren habe es Treffer mit mehr als 20 Kilotonnen Sprengkraft in Indonesien, dem Südpolarmeer, dem Mittelmeer und in Russland gegeben. Die Stiftung bezieht sich dabei auf Messungen des Atomteststopp-Überwachungsnetzwerks. Der Asteroid, der vergangenes Jahr über der russischen Stadt Tscheljabinsk niederging, habe eine Sprengkraft wie 600 Kilotonnen des Sprengstoffs TNT gehabt - 40 Mal mehr als die Hiroshima-Bombe. Eine Kilotonne entspricht 1000 Tonnen. Die Vereinten Nationen hatten daraufhin die Einrichtung einer internationalen Asteroiden-Warngruppe beschlossen.

„Während die meisten großen Asteroiden, die ein ganzes Land oder einen gesamten Kontinent zerstören können, entdeckt sind, haben alle existierenden Observatorien im Weltraum oder auf dem Erdboden weniger als 10 000 der mehr als eine Million gefährlichen Asteroiden gefunden, die eine Metropolregion zerstören können“, erläuterte Lu.

Die B612-Stiftung will ein privat finanziertes Infrarot-Teleskop im All stationieren.Es soll potenziell gefährliche Geschosse Jahre im Voraus erspähen, so dass Zeit für Abwehrmaßnahmen bleibt. Das Weltraumteleskop namens „Sentinel“ (Wache) soll 2018 ins All geschossen werden und bereits im ersten Jahr mehr als 200 000 Asteroiden aufspüren. Dazu soll es nach der Wärmesignatur der Asteroiden spähen, die leichter zu entdecken sei als das nur schwach reflektierte Sonnenlicht von den meist sehr dunklen Himmelskörpern.

dpa

„Wenn wir Asteroiden, die eine Stadt auslöschen können, früh genug entdecken, ist nicht viel nötig, nur ein kleiner Schubser, um sie auf einen ungefährlichen Kurs zu lenken“, betonte „Apollo 8“-Veteran Bill Anders auf einer Pressekonferenz im Flugmuseum von Seattle. „Die Erde ist in der Vergangenheit wiederholt von Asteroiden getroffen worden, was das Leben auf dem Planeten verändert hat“, ergänzte Astronautenkollege Tom Jones. „Heute haben wir die Technologie, dies zu verhindern.“

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