Premiere im Harz

Automaten sollen gegen Zecken helfen

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Foto: Eine Wanderin probiert den Zeckenschutzautomaten aus. Für einen Euro können sich die Wanderer mit dem Zeckenschutzmittel benetzen.

Thale - Zeckengefahr ist in der Natur immer groß. Per Automat können sich Spaziergänger jetzt im Harz gegen die gefährlichen Bisse der Blutsauger schützen.

Es zischt, dann strömt feiner Zitrusduft aus der Düse des Automaten am Waldesrand. Das Aroma gehört zu einem Schutzmittel, mit dem sich Harz-Touristen einreiben und sich gegen Zecken und deren gefährliche Bisse wappnen können. Die Firma Zeckiness aus Mühlheim (Baden-Württemberg) hat den Blutsaugern den Kampf angesagt. „Wir haben seit Mai zwei Automaten in Betrieb, an denen Wanderer Mittel zum Einreiben gegen Zecken erwerben können“, sagt Firmengründerin Nicole Reuß (34).

Für einen Euro spucken die einer Zapfsäule ähnelnden Apparate, die in Thale und Tresenburg stehen, für etwa 20 Sekunden das Abwehrmittel aus. „Es ist ein handelsübliches Insektenschutzmittel mit jenem Zitrusduft, den Zecken so abstoßend finden“, sagte Reuß. Die Tiere sollen damit nicht getötet, sondern nur abgeschreckt werden. Die Automaten würden bereits rege genutzt.

Der Sprecher des Nationalparks Harz, Friedhart Knolle, sagt, er kenne die Wirkungsweise nicht, deshalb wolle er sich nicht äußern. Aber eines stehe fest: „Die Zeckengefahr ist in der freien Natur immer groß, also auch im Harz.“ Bei Streifzügen durch Wiesen und Wälder werde sie von Wanderern oft sehr unterschätzt.

Zecken können die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und Borreliose übertragen. Nach Angaben des Robert Koch-Institutes (RKI) in Berlin gab es 2013 bundesweit 420 Fälle von FSME, im Jahr davor waren es 195. Die Hirnhautentzündung kann zu bleibenden Schäden führen. Das RKI rät deshalb zu einer Impfung, besonders in den Risikogebieten Süddeutschlands. In Sachsen-Anhalt gab es im vergangenen Jahr 343 Fälle, bis Mai dieses Jahres 76. Borreliose kann zu Gelenk-, Herzmuskel- und Nervenentzündungen führen.

Auf die Idee zu dem Automaten kamen Nicole Reuß und ihr Ehemann Niko zufällig. An einer Raststätte hatten sie sich spontan zu einer Wanderung durch den Harz entschlossen, aber kein Mittel gegen Zecken für sich und die beiden Kinder dabei. So tüftelten und bauten die medizinisch-technische Assistentin und der gelernte Luft- und Raumfahrttechniker und gründeten die Firma Zeckiness.

Zustimmung finden die Automaten nicht bei allen. Die Apothekenkammer Sachsen-Anhalts betrachtet sie mit Skepsis. Sie rät Wanderern, stets ein Mittel gegen Zecken dabei zu haben, damit die Dosis bei längeren Touren erneuert werden kann. Die Familie Reuß denkt unterdessen schon weiter und will am Rande des Mittelgebirges weitere Automaten aufstellen.

Mehr Zecken in Niedersachsen

Ein milder Winter hat die Lebensbedinungen für Zecken begünstigt. „Im Vergleich zum Vorjahr gibt es aufgrund des milden Winters und des schönes Frühlings dieses Jahr wesentlich mehr Zecken in Niedersachsen“, sagte Masyar Monazahian vom Landesgesundheitsamt. Die Wahrscheinlichkeit, an einer Frühsommer-Meningoenzephalitis(FSME) zu erkranken, sei aber in Niedersachsen sehr gering.

Die Krankheit werde durch den Stich von FSME-infizierten Zecken übertragen, die landesweit sehr selten vorkämen. Die Gefahr eines Zeckenstiches besteht den Angaben Monazahians zufolge grundsätzlich in allen Wald- und Wiesengebieten. 60 Prozent der Zecken-Stiche passierten im heimischen Gärten oder in Parks, sagte der Leiter der Mikrobiologie. In den vergangenen drei Jahren gab es insgesamt 42 FSME-Meldefälle in Niedersachsen, nur 8 Betroffene hätten sich den Virus auch in diesem Bundesland geholt.

dpa/mhu

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