Hitze und Sturzregen

Berlin nähert sich tropischem Klima

- Bis 2050 steigt die Durchschnittstemperatur in Berlin um 2,5 Grad. Die Folge: Mehr heiße Tage über 30 Grad und Tropennächte mit über 20 Grad. Dazu viele Sturzregen. 2100 könnte in Berlin das gleiche Klima herrschen wie heute in Rom.

Derzeit merkt man es deutlich: Die Zahl der warmen und heißen Tage und Nächte in Berlin nimmt weiter zu. Um dem Klimawandel zu begegnen, hat der Senat den seit langem geplanten Klimaplan beschlossen. Er enthält Informationen und Ziele, um Berlin den Veränderungen anzupassen und die sommerliche Aufheizung der Stadt möglichst zu mindern. Bäume sollen erhalten und gepflanzt werden, die den südlichen Temperaturen standhalten. Dächer und Wände sollen bepflanzt, Fassaden möglichst hell gehalten und Parks stärker bewässert werden, zudem seien Kaltluftschneisen in der Stadt nötig, sagte Senatsbaudirektorin Regula Lüscher am Dienstag nach der Senatssitzung.

Der Stadtentwicklungsplan Klima, den der Senat bereits weitgehend im Januar vorstellte, soll dem Senat, den Bezirken und privaten Bauherren die Richtung vorgeben. Zwingend verbindlich ist er aber nicht. Zudem hängt die Umsetzung davon ab, wie viel Geld etwa die Bezirke in den kommenden Jahren in die Modernisierung von Parks, Grünanlagen oder ganzen Stadtquartieren stecken. Und wieweit Investoren bereit sind, mitzuspielen.

Vier Bereiche für die Anpassung der Stadt gibt der Klimaplan vor: Bio- und Kleinklima in Wohngegenden, große Grünflächen, Gewässerschutz wegen Starkregen und allgemeiner Klimaschutz. „Die Sicherung und Steigerung der Lebensqualität ist die größte Herausforderung, vor die uns der Klimawandel stellt“, sagte Lüscher. Dies gelte besonders, weil es immer mehr alte Menschen gebe, die stärker unter der Hitze leiden.

Zusätzliche Speicher zur Aufnahme von überlaufendem Wasser aus der Kanalisation müssten gebaut werden, so Lüscher. Parks würden heute schon anders angelegt als vor 10 oder 20 Jahren: Statt Bäumen wie etwa Platanen, die derzeit stark unter der Hitze und Trockenheit leiden, pflanzten die Gärtner Grauerlen, Sandbirken oder Vogelkirschen.

Zu Palmen oder Kakteen wolle man aber noch nicht wechseln, sagte Lüscher: „Wir werden keine Tropenpflanzen haben.“ Ob dieses Credo auch noch in 100 Jahren gilt, ist zweifelhaft. Nach aktuellen Berechnungen, die von der Stadtentwicklungsverwaltung vorgestellt werden, herrscht in Berlin im Jahr 2100 ein Klima wie derzeit in Mittelitalien. In Skandinavien ist es dann so warm wie jetzt hier. Und Madrid gleicht klimatisch dem heutigen Tunesien.

dpa

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