„Earthrise“-Fotograf William Anders wird 80

Ein Bild bewegt die Welt

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„Earthrise“: Ein Blick über die Mondoberfläche auf die Erde, aufgenommen im Dezember 1968 von der Apollo 8-Besatzung aus etwa 780 km Höhe.

New York - Eher zufällig gelang William Anders am Heiligabend 1968 ein Foto, das die Sicht der Menschheit auf unseren Planeten für immer verändern sollte: „Earthrise“, die kleine aufgehende Erde über dem Mondhorizont. Jetzt wird Astronaut Anders 80 Jahre alt.

Zweimal hatte das Raumschiff den Mond schon umkreist, da änderte Kommandant Frank Borman ein klein wenig dessen Ausrichtung - und traute seinen Augen nicht. „Oh Gott! Seht euch dieses Bild da an“, rief er den beiden anderen Astronauten der „Apollo 8“-Mission zu. „Hier geht die Erde auf. Mann, ist das schön!“ Kollege William Anders griff nach einer Kamera, schraubte das längste Objektiv drauf, was er finden konnte, legte einen Farbfilm ein und knipste los. „Ich habe einfach klick-klick-klick-klick-klick gemacht“, erinnerte sich Anders, der an diesem Donnerstag (17. Oktober) 80 Jahre alt wird, später. Heraus kam eines der wohl bekanntesten Fotos der Welt: „Earthrise“ (Erdaufgang).

Von der US-Raumfahrtbehörde später unter der schlichten Nummer „AS08-14-2383“ veröffentlicht, veränderte das am Heiligabend 1968 aufgenommene Bild die Sicht der Menschheit auf unseren Planeten. Es wurde zum Symbol für die Fragilität und Isolation der Erde und wird von vielen sogar als Auslöser für die Umweltbewegung angesehen.

Fotograf Anders, der heute längst im Ruhestand ist und auf den San Juan Inseln vor dem nordwestlichen US-Bundesstaat Washington lebt, findet es dagegen einfach nur „schlecht“. Es sei einfach nicht ganz scharf, sagte er jüngst der „Seattle Times“. Aber der Anblick der kleinen, blauen Erdkugel, die halb im Schatten liegt, hinter dem Horizont des grauen Mondes habe auch ihn verändert. „Hier sind wir, auf einem unbedeutenden Planeten, der um einen nicht besonders bedeutenden Stern herumfliegt, in einer Galaxie von Millionen Sternen, die nicht bedeutend ist, wo es doch Millionen und Abermillionen von Galaxien gibt im Universum - sind wir also wirklich so bedeutend? Ich glaube kaum.“

Anders wurde 1933 in Hongkong geboren, wo sein Vater bei der US-Marine stationiert war, und wuchs in Kalifornien auf. Er studierte an der Marineakademie, arbeitete bei der Luftwaffe und erlangte später auch noch einen Abschluss als Kernenergietechniker. 1963 wurde er - genau an seinem 30. Geburtstag - als Nasa-Astronaut vorgestellt. Fünf Jahre später wurde ihm seine erste große Mission zugewiesen: „Apollo 8“, der erste bemannte Flug zum Mond, allerdings ohne Landung.

„Ich habe drei Möglichkeiten gesehen, alle gleich wahrscheinlich“, erinnerte sich Anders, der nach seiner Karriere bei der Nasa noch als Präsidentenberater, US-Botschafter und bei verschiedenen Kernenergie- und Luftfahrtunternehmen arbeitete. „Wir hätten erstens eine erfolgreiche Mission haben können, was ja passiert ist. Zweitens hätten wir überleben können und keine erfolgreiche Mission haben können (...). Oder, drittens, wir wären nie wieder zurückgekommen. Die Chancen standen also ziemlich gut.“

Das berühmteste Souvenir der Mission war allerdings nicht geplant: Fotos von der Erde wie „Earthrise“ sollten die Astronauten von „Apollo 8“ gar nicht machen, sondern Bilder und Videos vom Mond - schließlich waren sie die ersten, die dessen Rückseite sahen. Das Material wurde für spätere Mondlandungen benutzt. „Ich bezeichne das immer als "ironisch"“, sagte Anders der „Seattle Times“. „Wir flogen hin, um den Mond zu entdecken. Aber was wir wirklich entdeckt haben ist die Erde.“

dpa

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