Spitzenforschung

Bund fördert Kooperation von Charité und Max-Delbrück Centrum

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Foto: Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sprang über ihren Schatten: der Bund unterstützt die künftige Kooperation bis 2018 mit mehr als 300 Millionen Euro.

Berlin - Ist der gordische Knoten nun durchschlagen? In Berlin soll die Kooperation von Charité und Max-Delbrück-Centrum ein Beispiel dafür geben, wie der Bund künftig Spitzenforschung fördern kann.

Als bedeutenden Meilenstein und „Leuchtturm der Medizin“ loben Wissenschaftler und Politiker das geplante „Berliner Institut für Gesundheitsforschung“ (BIG). Grundlagenforscher des Max-Delbrück-Centrums für Molekulare Biologie (MDC) und Praktiker des Universitätsklinikums Charité sollen dort Spitzenforschung betreiben und eng zusammenarbeiten - um Ergebnisse der Grundlagenforschung schneller an die Patienten zu bringen.

Nicht nur inhaltlich könnte dies einen Sprung nach vorn bedeuten, auch wissenschaftspolitisch ist die institutionalisierte Zusammenarbeit zwischen Bund und Land neu. Denn nach einer Grundgesetzänderung von 2006 darf der Bund Forschungs- und Bildungsprojekte der Länder nicht langfristig mitfinanzieren.

Schon mit der Exzellenzinitiative versuchte der Bund dennoch, Spitzenforschung auch an Universitäten zu unterstützen. Doch die zweite Runde der Initiative läuft 2017 aus. Was passiert danach mit der versammelten Expertise? Schon in Karlsruhe und in Aachen laufen erste Kooperationsversuche.

Seit Jahren wird auch in der Hauptstadt an Alternativen gearbeitet. Aus der Taufe gehoben wurde nun das BIG als Gemeinschaftsprojekt aus MDC - als Mitglied der Helmholtz-Gemeinschaft vom Bund finanziert - und der Charité - als Uniklinikum Ländersache. Das neue Institut soll vor allem neue wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Krankenbehandlung umsetzen. Von einem „deutschen Harvard der Medizinforschung“ ist schon die Rede.

Allein hätte das mit knapp 64 Milliarden Euro verschuldete Berlin dies jedoch nie stemmen können. Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU) sprang über ihren Schatten: Zusammen ersannen Bund und Land neue Wege für eine längerfristige Bundesfinanzierung. 90 Prozent kommen vom Bund, 10 Prozent vom Land Berlin. Bis 2018 fließen so mehr als 300 Millionen Euro. Hinzu kommt in Berlin jedoch noch ein Novum: Als „private Exzellenzinitiative“ wirft die Unternehmerin Johanna Quandt bis zu 40 Millionen Euro zusätzlich in den Topf.„Ich bin gebürtige Berlinerin“, begründete die BMW-Miteigentümerin ihre Geste. An ein solches Stiftervolumen dürfte in Deutschland bestenfalls der Bertelsmann-Konzern mit seiner Finanzierung der Privatuni Witten/Herdecke heranreichen. Hinzu komme ihr großes Interesse an Medizin, das sie wohl von ihrem Großvater Max Rubner geerbt habe, sagt Quandt. Schließlich habe er einst an der Charité geforscht - und so die Kalorientabelle erfunden.

Dennoch ist am BIG noch nicht alles in trockenen Tüchern. Zwar betonte Schavan, dass ein solches Projekt nur langfristig denkbar sei. Gesichert ist die Finanzierung von Bundesseite aus jedoch vorerst nur bis 2018. Zuvor muss das Grundgesetz wieder geändert werden.Den Vorschlag Schavans, nur Kooperationen im Wissenschaftsbereich wieder zu ermöglichen, lehnt die SPD ab, weil er den Bildungssektor ausspart. Unionsgeführte Länder wie Bayern oder Hessen hingegen wollen keine Bundes-Einflussnahme im Bildungsbereich. Dies dürfte auch Schavan nicht fremd sein. Als Bildungsministerin in Baden-Württemberg gehörte sie 2006 zu denjenigen, die die heute umstrittene Änderung befürworteten.

dpa

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