Raumfahrt

China gelingt erneut Andockmanöver im All

Peking - China ist dem Bau einer eigenen Raumstation ein großes Stück näher gekommen. Ohne Probleme gelang auch das zweite Rendezvous im All. Nächstes Jahr sollen erstmals Astronauten in einem experimentellen Raumlabor um die Erde kreisen.

Elf Tage nach dem ersten chinesischen Rendezvous im All ist dem Raumschiff "Shenzhou 8" auch ein zweites Andockmanöver gelungen. Das "Magische Schiff" koppelte am Montag erneut am Raummodul "Tiangong 1" (Himmelspalast) an, wie das Raumfahrtzentrum in Peking berichtete. Die Manöver sind entscheidende Schritte auf dem Weg zur Entwicklung einer eigenen Raumstation, die um 2020 fertiggestellt werden soll.

Seit dem 3. November hatten beide Raumschiffe - als versuchsweise kleine Raumstation verbunden - in 343 Kilometern Höhe die Erde umkreist. Nach Informationen der Nachrichtenagentur dpa soll "Shenzhou 8" am Donnerstag gegen 20.00 Uhr Ortszeit (13.00 Uhr MEZ) in der Inneren Mongolei landen. Im nächsten Jahr sind zwei weitere Flüge geplant, bei denen erstmals auch Astronauten das Raumlabor bewohnen werden.

"Diese Flüge werden einfacher, weil die Technologie dann erprobt ist", sagte der australische Raumfahrtexperte Morris Jones der dpa. Doch gebe es dann ganz neue Herausforderungen: "Sie müssen die Astronauten über längere Zeit im All am Leben erhalten." Ähnlich äußerte sich der China- und Raumfahrtexperte Dean Cheng von der US-Denkfabrik The Heritage Foundation: "Es ist etwas ganz anderes, wenn das Leben von Astronauten auf dem Spiel steht." Künftig könnten Andockmanöver auch manuell und nicht mehr vom Boden aus ferngesteuert versucht werden. "Die ultimativen Flugkünste können erst getestet werden, wenn auch Astronauten an Bord sind", sagte Cheng. Mit seiner Technologie schließt China zu den großen Raumfahrernationen USA und Russland auf.

Das erste Andockmanöver überhaupt hatten die USA 1966 mit dem Raumschiff "Gemini 8" absolviert. Anders als bei dem ersten chinesischen Rendezvous wurde das zweite, etwa 30-minütige Kopplungsmanöver nicht live im Staatsfernsehen übertragen, sondern erst eine halbe Stunden später als Aufzeichnung. Das Fernsehen feierte die "historischen Bilder" von "Shenzhou 8" aus dem All. An Bord ist auch die "Simbox" genannte deutsche Experimentieranlage, die nach der Landung am Donnerstag ausgebaut und mit einem Hubschrauber nach Peking gebracht werden soll. In der chinesischen Hauptstadt werden die einzelnen Versuchseinheiten mit den organischen Proben ausgebaut. Ein Teil geht an chinesische Wissenschaftler, der andere wird nach Deutschland transportiert. Die Kooperation ist eine Premiere.

Es ist das erste Mal, dass eine nicht-chinesische Versuchsanlage auf einem chinesischen Raumschiff ins All mitfliegt. China ist an einer Ausweitung seiner internationalen Raumfahrtkooperation interessiert. Wie der Experte für Andockmanöver an der Akademie für Raumfahrttechnologie in Shanghai, Tao Jianzhong, der Nachrichtenagentur Xinhua enthüllte, ist der chinesische Kopplungsmechanismus von "Shenzhou 8" kompatibel mit dem der internationalen Raumstation (ISS) sowie den russischen und amerikanischen Systemen.

dpa

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