Klimawandel

Deutschland wird immer wärmer

Berlin - Man mag es beim Blick aus dem Fenster nicht so recht glauben, doch das Klima in Deutschland wird immer wärmer – und die erste Hälfte des Jahres 2011 bestätigt für die Meteorologen vom Deutschen Wetterdienst (DWD) diesen Trend. Die ersten sechs Monate waren zu warm, zu trocken, zu sonnig.

Selbst der teilweise extrem nasse Juli konnte das Regendefizit der ersten sechs Monate nicht ausgleichen, teilte der DWD am Dienstag auf seiner Klimapressekonferenz in Berlin mit.

Von Januar bis Juni lag die Temperatur in Deutschland nach Sicht der Experten 1,5 Grad über der hierzulande typischen. Der Frühling war mit einer Mitteltemperatur von 10,1 Grad der zweitwärmste seit Beginn der Messungen im Jahr 1881. Wärmer war bisher nur das Frühjahr 2007, gefolgt von den Frühjahren 2000 und 2009. Das Jahr 2011 zeige, dass der Erwärmungstrend in Deutschland und der Welt ungebrochen ist. Weltweit ist bereits das Vorjahr eines der drei wärmsten Jahre seit Mitte des 19. Jahrhunderts gewesen. Nur Deutschland sei mit einem verhältnismäßig kalten 2010 eine Ausnahme gewesen.

In ersten Halbjahr 2011 war es hierzulande nicht nur wärmer als üblich, zugleich fiel von Januar bis Juni nur halb so viel Regen wie im langjährigen Mittel. Wenn es dann aber regnete, prasselte es immer häufiger gleich in extremen Mengen. Das galt auch schon 2010. Es gab ein deutliches Plus von Tagen mit extremen Niederschlägen. In Hamburg nahm die jährliche Niederschlagsmenge im Vergleich zu 1881 mit 17,0 Prozent am stärksten zu. In Niedersachsen stieg sie um 14,8 Prozent. Nur in Sachsen regnet es heute weniger als vor 130 Jahren. Hier sank die jährliche Niederschlagsmenge um 2,3 Prozent.

In der Mitte dieses Jahrhunderts könnten Ausschläge wie diese – mehr Starkregen, intensivere Stürme, nasse Winter, trockene Sommer, höhere Temperaturen – zur Regel werden. Bis zum Ende des Jahrhunderts zeigen die Klimasimulationen für Deutschland eine Erwärmung um zwei bis vier Grad.

„2010 war kein gutes Jahr für den weltweiten Klimaschutz“, bilanzierte DWD-Präsident Gerhard Adrian. Tatsächlich sei mit fast 31 Milliarden Tonnen Kohlendioxid, die in die Atmosphäre geblasen wurden, ein trauriger Spitzenwert erreicht worden. Und in diesem Jahr dürfte es einen weiteren Anstieg geben. „Wir eilen von Rekord zu Rekord“, klagte Adrian. „Wenn wir das Ruder nicht schnell herumreißen – und zwar international verbindlich vereinbart –, werden wir beim Klimaschutz auf Grund laufen“, warnte Adrian.

Der Klimawandel habe auch Folgen für die Bauwirtschaft und erfordere ein Umdenken bei Stadtplanern, so die DWD-Experten. „Die häufigeren und intensiveren Hitzeperioden werden vor allem städtische Ballungsgebiete betreffen“, sagte DWD-Vizepräsident Paul Becker. Die möglichen Maßnahmen reichten vom Ausbau von Frischluftschneisen über mehr Grün- und Wasserflächen bis zu einer aufgelockerten Bauweise.

Arnold Petersen

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