Nach zehnjährigem Flug

Endspurt für Weltraumsonde „Rosetta“

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Foto: Die Computerillustration zeigt den ESA-Satelliten „Rosetta“ bei seiner Annährung an die Erde. Nach rund zehnjährigen Flug ist die Raumsonde kurz vor ihrem Ziel angekommen, dem Kometen 67P/Tschurjumow-Gerassimenko.

Darmstadt - Nach zehnjährigem Flug durchs All erreicht die Raumsonde „Rosetta“ am Mittwoch ihr Ziel: den Kometen “67P/Tschurjumow-Gerassimenko“.

Mit dem Einschwenken der Sonde in die Umlaufbahn beginnt das spannende Finale einer rund sechs Milliarden Kilometer langen Reise, die im November mit der ersten Landung auf einem Kometen gekrönt werden soll. Verfolgt wird der Anflug von Experten der Europäischen Raumfahrtorganisation ESA und Vertretern der Medien im Europäischen Raumflugkontrollzentrum (ESOC) in Darmstadt(ab 09.30 Uhr).

Ziel der Mission ist es, einen der ursprünglichsten Himmelskörper überhaupt zu erkunden: Kometen sind die wahrscheinlich ältesten weitgehend unveränderten Reste der gigantischen Staubscheibe, aus der vor 4,6 Milliarden Jahren unser Sonnensystem entstand. Die Landeeinheit „Philae“, die im November ihren großen Auftritt haben soll, und wesentliche Instrumente der Mission entstanden unter der Leitung deutscher Institute, insgesamt sind 17 Nationen an der „Rosetta“-Mission beteiligt.

Das gut eine Milliarde Euro teure Projekt steckt voller Premieren und Superlative: Nie zuvor wurde die Energie einer Raumsonde in so großer Sonnenentfernung von Solarzellen geliefert. Noch nie zuvor schwenkte eine Sonde auf eine Umlaufbahn um einen Kometen ein. Und noch nie wurde ein Forschungsmodul darauf abgesetzt.

Die „schmutzigen Schneebälle“ bestehen aus Gestein, Eis und Staub – zu welchen Teilen, ist bei „Tschuri“ noch unklar. Der Komet kann weich sein wie Pulverschnee oder hart wie Gletschereis. Die vielen Ungewissheiten lassen die Landung von „Philae“ zur heikelsten Phase der Mission werden. „Vieles von dem Kometen wissen wir noch nicht“, sagt Stephan Ulamec, der „Philae“-Projektleiter beim Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). „Das ist gerade die größte Herausforderung, dass wir auf einem Kometen landen wollen, den wir noch nicht kennen.“

Zur Erde geschickte Bilder des Kamerasystems an Bord zeigten kürzlich, dass der Komet nicht wie erwartet einer Kartoffel ähnelt, sondern eher einer schnabellosen Gummi-Ente. „Das hat uns wahrscheinlich alle überrascht", sagt Ulamec. „Wir wussten immer, dass wir uns ins Unbekannte vorwagen“, betont der Esa-Kometenexperte Detlef Koschny im niederländischen Noordwijk.

Die Landeeinheit und wesentliche Instrumente entstanden unter der Leitung deutscher Institute, insgesamt sind 17 Nationen an der „Rosetta“-Mission beteiligt. „Philae“ wird aus dem Lander-Kontrollzentrum des DLR in Köln gesteuert. Möglichst viel Sicherheit sollen etliche Testläufe bringen – wie kürzlich ein Harpunentest beim DLR in Oberpfaffenhofen bei München.

Damit die Landeeinheit trotz geringer Anziehungskraft auf dem rund fünf mal drei Kilometer großen Himmelskörper stehen bleibt, sollen nach dem ersten Bodenkontakt zwei Harpunen in den Boden geschossen werden. Mit einer Art Katzenstreu in einem selbst zusammengezimmerten Holzkasten wurde nun der Kometenboden simuliert, mit dem die Wissenschaftler das Ankerwerfen übten. Demnach ist es wohl ganz gut, dass noch einige Monate Zeit zum Nachjustieren bleiben: Der Test klappte keineswegs reibungslos, die Harpune durchbohrte das Sperrholz der Kiste.

Gestartet war „Rosetta“ am 2. März 2004. Auf ihrer Reise durchs Sonnensystem wurde sie für 957 Tage in einen Tiefschlaf versetzt, um Energie zu sparen. Nach dem Weckruf am 20. Januar 2014 legte sie als Kometenjägerin wieder richtig los, testete Systeme, schickte Bilder. Zur Freude der Forscher gab es keine großen Probleme – was keineswegs selbstverständlich war: Die Instrumente waren zehn Jahre ohne jede Wartung unterwegs.

Im November wird „Rosetta“ etwa 480 Millionen Kilometer von der Erde entfernt sein – insgesamt hat sie dann schon mehr als 6,4 Milliarden Kilometer zurückgelegt. Auf dem Rücken des Kometen soll „Philae“ begleitet von „Rosetta“ Richtung Sonne fliegen. Bis August 2015 wird sich das Dreiergespann dem Feuerball auf 195 Millionen Kilometer nähern – mit Teleskopen ist der Komet dann auch von der Erde aus zu sehen.

„Philae“ erleidet wohl den Wärmetod, die kreisende Sonde hingegen könnte die Sonnenpassage noch Monate überleben. Der Treibstoff könnte bis Juli 2016 reichen. Das allerdings ist nur eine Schätzung: Eine Tankanzeige gibt es nicht.

dpa/mhu

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