Prima Klima für die Laus

Erderwärmung erhöht Schädlingsbefall an Stadtbäumen

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Schildläuse mögen es warm: Nach einer aktuellen Studie der Uni tauchen die Insekten deshalb auf Bäumen in wärmeren Stadtteilen häufiger auf als in kälteren

Berlin - Schildläuse mögen es heiß: Deshalb befallen die Insekten nach einer US-Studie mehr Bäume in wärmeren Stadtteilen als in kühleren. Auch in Deutschland könnten Schädlinge von steigenden Temperaturen in den Städten profitieren.

Die Erderwärmung im Zuge des Klimawandels macht auch Bäumen in den Städten zu schaffen. Dabei geht es nicht nur um Wasser. Steigende Temperaturen können bei Stadtbäumen den Schädlingsbefall erhöhen, wie Forscher der amerikanischen Universität in North Carolina in einer Studie nachgewiesen haben. Dafür nahmen sie die Verbreitung von Schildläusen genau unter die Lupe. „Städtische Erwärmung kann zu einem höheren Aufkommen von Ungeziefer führen“, sagt die Wissenschaftlerin Emily Meineke. Dies liege an der Anpassung der Schädlinge an höhere Temperaturen. In Deutschland gibt es dazu ähnliche Beobachtungen.

Für ihre Studie untersuchten die Forscher Weideneichen in der Stadt Raleigh im US-Bundesstaat North Carolina. Dazu wählten sie bewusst Stadtteile mit unterschiedlichen Durchschnittstemperaturen aus. Die Zahl der Schildläuse in den Weideneichen der wärmeren Bezirke sei bis zu 13 Mal höher gewesen als in den kühleren Stadtregionen, berichten sie.

Die Forscher berücksichtigten in ihrer Untersuchung auch andere Faktoren wie natürliche Feinde der Insekten und den Zustand der betroffenen Pflanzen. Schildläuse ernähren sich vom Saft der befallenen Bäume, zum Beispiel Eichen. Dabei können sie Viren übertragen, durch die sich die Blätter zusammenrollen.

In einem weiteren Experiment setzten die Forscher die gesammelten Schildläuse in unterschiedlich warmen Gewächshäusern aus. Hier zeigte sich ein ähnliches Ergebnis: Von den Insekten aus wärmeren Stadtteilen überlebten in den wärmeren Gewächshäusern mehr Schildläuse als in den kälteren.

Dass sich die Insekten je nach Umgebung unterschiedlich stark vermehrten, konnten die Forscher nicht feststellen. Daraus schlossen sie, das unterschiedliche Aufkommen der Schädlinge liege an den besseren Überlebenschancen der Insekten in wärmerer Umgebung.

Auch in Deutschland haben Bäume in Innenstädten mit Schädlingen zu kämpfen. Miniermotten zum Beispiel fressen sich durch die Blätter von weißblühenden Kastanienbäumen. Der Eichenprozessionsspinner ernährt sich mit Vorliebe von Eichenblättern und macht die Bäume dadurch anfälliger für Trockenheit oder andere Schädlinge. Die giftigen Härchen der Tiere können sogar für den Menschen gefährlich sein.

Der Klimawandel kommt dabei zumindest einigen dieser Insekten zugute. „Es wird sicherlich Arten geben, die davon erheblich profitieren werden“, sagte Magnus Wessel von der Umweltschutzorganisation BUND. Eine Bedrohung für ganze Baumarten sieht Wessel allerdings nicht. „Bis auf wenige Ausnahmen haben Bäume immer mit Schädlingen klarkommen müssen“, sagte der Experte für Naturschutz. „Es wird einem deswegen keine Art aussterben.“

dpa

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