Jahresbilanz

Erneuter Wilderei-Rekord in Afrika

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Foto: Die Wilderei in Afrika hat sich seit 2012 noch verschlimmert. Die kriminelle Jagd gilt vor allem dem Elfenbein und dem Horn des Nashorns.

Kapstadt - Schon 2012 schlugen die Tierschützer Alarm, doch 2013 wurde noch schlimmer. Etwa 30 000 Elefanten und fast 1000 Nashörner fielen in Afrika Wilderern bisher zum Opfer. Die Vorwürfe richten sich vor allem gegen die Elfenbein- und Nashornmärkte Asiens.

„Vietnam, Laos und Thailand tun fast gar nichts, China macht wenig, aber zu wenig!“ - diese heftigen Vorwürfe erhebt Südafrika-Direktor Jason Bell von der Naturschutzorganisation IFAW. Denn vor allem diese Staaten seien zu passiv im Kampf gegen den illegalen Handel mit Elfenbein, Rhinozeros-Horn oder Löwenknochen. Die strengen Vorgaben des Washingtoner Artenschutzabkommen würden so ausgehebelt. „Organisierte Kriminalität macht wegen enormer Gewinne systematisch Jagd auf bedrohte Tiere.“ Schließlich gehe es um Geschäfte im Wert von vielen Hundert Millionen Euro. Die kriminelle Jagd gilt vor allem dem Elfenbein und dem Horn des Nashorns, aber auch Löwenknochen sind gefragt - alles begehrte Ingredienzien ominöser asiatischer Medikamente und Potenzmittel.

Bis Mitte Dezember sind Wilderern vorliegenden Zahlen und Schätzungen zufolge etwa 30 000 Elefanten und 950 Nashörner zum Opfer gefallen. Wilderei bedrohe langfristig ernsthaft die Bestände der etwa 450 000 Elefanten und 25 000 Nashörner Afrikas, warnen Tierschützer. Inzwischen haben wegen der brisanten Lage Interpol und die für organisierte Kriminalität zuständige UN-Organisation Unodoc eine gemeinsame Einsatzgruppe gegen Wilderer gebildet. Hintergrund der Tier-Massaker ist der Konsumhunger wachsender Mittelschichten in Asien. Einer von der Naturschutzorganisation WWF finanzierten Studie zufolge ist in Vietnam noch immer die Nachfrage für Nashorn weit höher als das Angebot - trotz des horrenden Preises von 50 000 Euro für verarbeitetes Nashornpulver.

Wilderer bekommen nach Erkenntnissen südafrikanischer Experten maximal 3000 Euro für ein ganzes Horn - was für viele bitterarme Afrikaner ein Vermögen ist. „Nur wenn wir die illegale Nachfrage bekämpfen (...), können wir dieses Drama stoppen“, betont der deutsche WWF-Artenschutz-Chef Volker Homes. Alle Aufrüstung in afrikanischen Staaten gegen die Wilderei nütze aber nichts, solange es dort massiv Korruption gebe. Weil der Schlüssel für die Eindämmung der Wilderer in Asien liegt, engagieren sich zunehmend Prominente. Jüngst setzten sich der englische Prinz William, Fußballstar David Beckham und Chinas Basketball-Profi Yao Ming gemeinsam in einem für Asien bestimmten Werbespot für den Verzicht auf Nashorn oder Elfenbein ein. Beim Nashorn steht vor allem Südafrika im Visier der Wilderer. Hier leben fast 80 Prozent aller Rhinozerosse Afrikas. Während 2007 nur 13 Nashörner illegal erlegt wurden, waren es 2011 schon 448 und im Vorjahr 668.

Der Kampf gegen Wilderer wird mit harten Bandagen geführt: Den Krügerpark, fast so groß wie Hessen, schützt eine militärisch geschulte Streitmacht von 400 Rangern. Sie verfügen über hochmodernes Gerät, Waffen, Hubschrauber und Drohnen. Inzwischen werden sie von 200 Soldaten unterstützt. Bei diesem Tierschutz fließt Blut: Jährlich werden Dutzende Wilderer verletzt, einige auch getötet. Richter verhängen gegen Wilderer inzwischen saftige Strafen von 12 Jahren Haft und mehr. Neben dem Nashorn ist das Elfenbein hoch begehrt - viele Länder Afrikas, wie Tansania, Kenia, Mosambik, Sudan oder Kamerun leiden darunter. Dabei werden die kriminellen Jäger immer brutaler.

In Simbabwe wurden Wasserstellen mit dem Gift Zyanid versetzt. Ganze Elefantenherden fielen dem zum Opfer - es starben aber auch andere Tiere und Raubtiere, die von Elefanten-Kadavern fraßen. Um dem massenhaften Abschlachten in vielen Teilen Afrikas Einhalt zu gebieten, gab es vor kurzem erstmals einen „Afrikanischen Elefanten Gipfel“ in Gaborone. Am Ende unterzeichneten auch China, Vietnam, Malaysia, Thailand und die Philippinen eine Deklaration gegen den Schwarzhandel mit Elfenbein. Die Tierschützer bleiben skeptisch. „Noch immer ist das Thema politisch weit hinten in der Prioritätenliste“, klagt Bell.

dpa

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